11.10.2013

                                Projekt  

 
Fördert das Recht, einfach Kind sein zu dürfen

Die Gruppe AdoleScER führt in Zusammenarbeit mit dem kommunalen Rat für Kinder und Jugendliche in Recife (COMDICA) und der Familie-Ecker-Stiftung aus Deutschland ein Pilotprojekt durch, in dem Kinder zu Informationsmultiplikatoren ausgebildet werden. Das Projekt trägt den Namen CriaPaz (Criar=schaffen; Paz= Frieden). 25 Kinder und ihre Familien aus den Projektstandorten Roda de Fogo (Stadtteil Torrões) und Santa Luzia (Torre) nehmen daran teil. Ziel ist, durch die Stärkung des Kinder- und Jugendprotagonismus eine Friedenskultur zu fördern und die Verletzung der Rechte für Kinder und Jugendliche zu reduzieren.

Crianças da Comunidade de Santa Luzia – Torre 
 Foto: Vitor Angelo, AMIN morador da comunidade
Trotz einiger sozialer Verbesserungen in den Armenvierteln, sind doch viele Probleme konstant oder haben sich sogar vermehrt: Generationskonflikte in den Familien, Patchwork-Konstellationen mit Müttern, die einen neuen Partner haben, Onkel, Tanten und Großeltern, die auf engstem Raum mit den Kindern zusammenleben, meist ohne eine präsente Vaterfigur, fördern Konflikte, die ein Leben auf der Straße geradezu attraktiv erscheinen lassen. Doch dort erwartet die Kinder andere Formen der Verletzung ihrer Rechte: ohne angemessenen Platz zum Spielen sind sie dem allerorts anzutreffenden Dreck, Müll, Krach, verfrühter Erotisierung, Drogenhandel und dem unkontrollierten Internetzugang ausgeliefert. So entwickeln sie zu früh Interesse an sexuellem Kontakt und ahmen das  gewalttätige Verhalten Älterer frühzeitig nach. Verunsicherung, Angst und Suchtverhalten sind die logische Folge.

Andererseits sind Kinder doch auch eine relativ lange Zeit in der Schule, die alles andere als entwicklungsfördernd sind: Mobbing, Diskriminierung der Mädchen, dunkelhäutiger oder besonders armer Kinder, religiöse Intoleranz, fehlende Infrastruktur für die Pausengestaltung, zu viele Freistunden ohne Angebot sinnvoller Spiel- und Lernangebote, explizite Gewalt unter den Schüler/innen und zwischen diesen und den Lehrern lassen die Schulen zu Brutstätten von Gewalt werden.

Atividades Artísticas
Der Erfolg der langjährigen Peer-Educator-Ausbildung mit Jugendlichen hat die Gruppe AdoleScER ermutigt, dieses pädagogische Modell auch mit 9 bis 12jährigen Kindern durchzuführen. Mit ihrem multidisziplinären Team hat sie ein diesem Alter angepasstes Curriculum ausgearbeitet, das auf dem brasilianischen Statut für Kinder und Jugendliche basiert, Elemente der Waldorf-Pädagogik enthält und traditionelle Kinderspiele und –Reigen einbezieht. Themenschwerpunkte der Ausbildung sind Bürgerrechte, Umwelterziehung, gesunde Ernährung, Informatik und Friedenskultur.
Incentivo a Leitura

Die täglichen Aktivitäten mit den Kindern werden in den Jugendzentren von AdoleScER in Santa Luzia und Roda de Fogo durchgeführt. Wichtig ist es dem Team, dass dort eine Atmosphäre  geschaffen wird, die die Kreativität und Spontaneität der Kinder stimuliert, womit für die eigentliche Bildungsarbeit eine fruchtbare Grundlage geschaffen werden soll. Da diese Kinder zu Hause kaum spielen dürfen bzw. können, wird ihnen dies in den Zentren so oft es geht ermöglicht. So lernen die Kinder hier nicht nur theoretische Inhalte, sondern entwickeln soziale Fähigkeiten, die sie auf ihre zukünftige Aufgabe vorbereiten, auf andere Kinder zuzugehen und ihnen das Gelernte weiterzuvermitteln.
Einmal im Monat werden die Eltern der Kinder zu Aktivitäten in den Zentren eingeladen, damit sie stärker am Leben ihrer Kinder teilhaben, ihre emotionale Bindung gefördert wird und ihnen menschliche Werte sowie Friedenspraxis nahegebracht werden.

Da die Schulen ein wichtiges Element im Leben der Kinder sind, werden diese in das Bildungsprojekt einbezogen: Im Laufe der Ausbildung sollen sie das Gelernte an die Mitschüler/innen weitervermitteln und ihr kreatives Potential dazu nutzen, dem Ambiente der Schule ein freundlicheres, mitmenschlicheres Lernen zu ermöglichen. Selbstverständlich führt das Team von AdoleScER parallel Aktivitäten der Sensibilisierung der Lehrer/innen, Direktion und des Verwaltungspersonals durch.
Das Projekt CriaPaz will weit mehr als nur ein Bildungsprojekt sein, es soll den Kindern die Möglichkeit geben, ihre Kindheit wirklich leben zu dürfen, ohne die in den Medien propagierte Infantilisierung zu replizieren. Die „verlorene Kindheit“ soll wiedergefunden und gleichzeitig eine innovative Art des gemeinsamen Lernens gefördert werden. Kinder und ihre Familien sollen sich gemeinsam stark machen, um die Menschen ihrer Lebensumfeldes und ihrer Gemeinde positiv zu beeinflussen.
Und so laden wir Sie, liebe Leserin und lieber Leser dazu ein, in das kindliche Universum einzutauchen und die ersten Videos und Fotografien dieser innovativen Erfahrung kennen zu lernen.