09.08.2008

Den Traumberuf entdecken

Am 5. und 6. August haben wir mit den jugendlichen Informationsmultiplikatoren (JIM) von Santo Amaro, Sant Luzia und Roda de Fogo die Berufsmesse der Universidade Federal Pernambuco (UFPE) besucht. Das Angebot an Studiengängen ist gross - und damit auch die Qual der Wahl.

Es war noch nie einfach, einen Beruf zu wählen. Heutzutage ist das für die meisten jungen Leute zwar nicht mehr ein Entscheid fürs ganze Leben, aber immer noch ein wichtiger Schritt, der sorgfältig vorbereitet werden sollte. Damit die JIM die Berufswahl mit einer gewissen Sicherheit und  dem erforderlichen Basiswissen angehen können,  hat AdoleScER  ein Programm zur Berufsberatung  mit den Schwerpunkten „Kennen lernen der Berufe / Interesse und Projektion der JIM“ erarbeitet.

Zurzeit begleitet die Erzieherin Josélia Meireles zusammen mit dem Peer Educator  Antônio Silva die Jugendlichen von Santa Luzia bei der Berufsfindung.  In Santo Amaro leitet sie die Aktivitäten gemeinsam mit der Peer Educator Jaqueline Araújo, und in Roda de Fogo bereiten die Peer Educators Laércio Tiúma und Camila Silva die JIM auf dieses Thema vor.

In der ersten Phase - in dieser befinden sich im Augenblick die JIM von Roda de Fogo -  wird die Berufswahl unter einem breiteren Aspekt angeschaut. Es geht darum, nicht nur den eigenen Berufswunsch zu erkennen, sondern auch festzustellen, welche Rolle die Familie, die Schule und die Gemeinde in diesem Prozess spielen. Die JIM von Santo Amaro und Santa Luzia sind einen Schritt weiter  und befassen sich bereits vertieft mit der Definition der eigenen Berufsvorstellungen und den Wegen, die sie einschlagen müssen, um ihr Ziel zu erreichen.

Beim Besuch der ersten Berufsmesse der UFPE weckten Studiengänge wie Biomedizin, Biologie und Ingenieurwesen bei den Jugendlichen am meisten Interesse. Unter Fächern wie Museumskunde, Ozeanographie und Kartografie konnten sie sich hingegen nicht viel vorstellen.  Gespräche mit Studenten aus den verschiedenen Abteilungen vermittelten den Besuchern nützliche Informationen.  Schade war jedoch, dass zu den beliebtesten Studiengängen nicht Stände mit schriftlichem Material eingerichtet worden waren.   Danilo hätte eine solche zusätzliche Orientierungshilfe sehr zu schätzen gewusst. „Ich möchte Arzt werden und deshalb möglichst viel über diesen Beruf wissen“, sagte er. “Was ich in einem Magazin darüber gelesen habe, reicht mir nicht.  Ich wäre deshalb froh gewesen, hier weitere Unterlagen zu finden.“

Igor erging es ähnlich, er suchte vergeblich Angaben zum Theologiestudium.  Und Aline erfuhr  nicht, wie man Feuerwehrmann wird. Der Ausflug an die UFPE war dennoch ein Erfolg.  Die Jugendlichen lernten das Universitätsareal kennen und erhielten Einblick in eine ganze Reihe von Studiengängen. Was ihnen jetzt noch an Informationen für die Berufswahl fehlt, werden sie im Kurs bei AdoleScER zusammentragen.

Josélia Meireles und Lukas Moser

Mit guten Gefühlen Mutter werden

Diesen Monat haben wir den Kurs mit den jugendlichen Schwangeren abgeschlossen. Bei den wöchentlichen Treffen in unserem Sitz in Ilha de Santa Terezinha bei Santo Amaro behandelten wir folgende Themen: gesunde Schwangerschaft, Vorbereitung auf die Geburt, Verstärkung der emotionalen Bindung zwischen Mutter, Baby und Familie sowie Familienplanung.

Im ersten Semester 2008 arbeiteten wir mit 20 jungen Frauen, von denen die meisten ungeplant schwanger geworden waren. Die wöchentlichen Treffen dauerten jeweils zweieinhalb Stunden. In einem ersten, praktischen Teil standen die Integration in die Gruppe sowie die Vorbereitung auf die Geburt durch Dehnübungen, Entspannung und Kreistanz im Vordergrund. In einem zweiten, theoretischen Teil wurden durch Wissensvermittlung das Selbstbewusstsein und die emotionale Stabilität der jungen Frauen gestärkt. Zudem bereiteten wir die Frauen auf die Zeit nach der Geburt vor, indem wir Themen wie Stillen und Ernährungsberatung behandelten sowie ihnen die Wichtigkeit des Schulbesuches nahelegten.

Wir bemühen uns in den Kursen für jugendliche Schwangere stets, ein familiäres Klima zu erreichen, damit die Frauen sich wohl fühlen und so in der Lage sind, auch ihre schwache Seite zu zeigen und an ihrer Verwundbarkeit zu arbeiten. Wir helfen ihnen, ihre Ängste zu überwinden und gemeinsam mit ihnen Grundlagen zu schaffen, dass sie eine angenehme, von liebevollen Gefühlen geprägte Schwangerschaft erleben können.

Zurzeit werden die Aktivitäten in Santo Amaro von der Erzieherin Josélia Meireles und dem Peer Educator Glauber Simões geleitet und von der Erzieherin Patrícia Travassos beaufsichtigt. Der Kurs war eine Bereicherung für alle - auch für die wenigen Partner, die gelegentlich ebenfalls daran teilnahmen. Viele Männer denken leider immer noch, dass die Schwangerschaft ausschließlich eine Frauensache sei. Umso wichtiger war es, dass die männlichen Kursteilnehmer erkennen konnten, welche wichtige Rolle auch der angehende Vater während dieser für alle Beteiligten prägenden Lebensphase spielt, beziehungsweise spielen sollte.

Der Erzieher Leonildo Fonseca, der schon mehrere Gruppen in diesem Kurs begleitet hat, findet es absolut notwendig, dass die Männer nicht abseits stehen: „ Mit unserer Teilnahme repräsentieren wir den Mann, der nicht flieht oder angreift, sondern der Frau zur Seite steht und versucht, sie in dieser heiklen Phase zu verstehen und zu unterstützen. Es gibt immer wieder sehr schöne Momente, manchmal allerdings auch schwierige. An einem früheren Kurs nahm eine Jugendliche teil, deren Partner am Anfang ihrer Schwangerschaft ermordet worden war. Als ich während einer Entspannungsaktivität ihren Bauch streichelte, löste dies bei der ganzen Gruppe starke Emotionen aus. Ich war der erste Mann, der während ihrer Schwangerschaft ihren Bauch berührte. Nicht nur die junge Frau und ich, sondern alle Anwesenden spürten in diesem Augenblick, wie solche Gesten dazu beitragen, den jugendlichen Schwangeren ein Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit und Partnerschaft zu vermitteln.“

Solche Momente zeigen am besten, worum es in diesem Kurs geht: Wir wollen den jungen Frauen so gut wie immer möglich beistehen, damit sie sich während ihrer Schwangerschaft aufgehoben fühlen und ihrem Muttersein nicht bloß gut informiert, sondern auch mit positiven Emotionen entgegenblicken können.


Patrícia Travassos

Zwei reiche Tage für AdoleScER

Die Supermarktkette Bompreço/ Wal Mart hat die Aufklärungsarbeit von AdoleScER in Armenvierteln mit einer Spende honoriert. Bei dieser Gelegenheit konnten wir auch unsere Organisation einem größeren Publikum bekannt machen.

Es regnete in Strömen, und dennoch waren an diesem Wochenende alle bester Laune. Mit gutem Grund: Die Gruppe AdoleScER sollte für ihr Engagement belohnt werden. Das Institut Wal Mart hatte sich entschlossen, uns – zusammen mit zwei weiteren Nichtregierungsorganisationen, die sich um Kinder und Jugendliche kümmern – an ihrem traditionellen Jahrestreffen mit Kunden im Kongresszentrum Chevrolet Hall in Olinda eine Spende zukommen zu lassen. Jakeline Soares, die für den Sozialbereich zuständige Mitarbeiterin des Unternehmens, hatte bei Kontakten mit der von Josélia Meireles und Leonildo Fonseca geleiteten Gruppe in Santo Amaro, AdoleScER näher kennen gelernt und sich von unserer Arbeit beeindruckt gezeigt. Unsere Aktivitäten, so fand sie, seien es wert, nicht bloß finanziell unterstützt, sondern auch einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt zu werden.

So traf sich denn am 2. August zu früher Morgenstunde eine Gruppe Mitarbeiter von AdoleScER und baute in der Chevrolet Hall einen Stand auf, an dem dann den Besuchern einerseits im persönlichen Gespräch und andererseits mit Informationsmaterial Einblicke in die Tätigkeit von AdoleScER vermittelt wurden. Das Interesse war groß. Viele fragten nach unseren Kontaktadressen, und nicht bloß verschiedene Organisationen, sondern auch Einzelpersonen erkundigten sich, ob unsere Jugendlichen ihr während der Ausbildung bei AdoleScER erworbenes Wissen auch in Vierteln, in denen unsere Organisation nicht tätig ist, weitergeben könnten. Zu einem absoluten Publikumserfolg wurde der Kreistanz, den unsere Peer Educators Laércio Tiúma aus Roda de Foga und Marcelo J. da Silva aus Caranguejo anführten. Es wollten so viele Leute spontan mittanzen, dass wir zwei Kreise bilden und in der Mittagspause die Aufführung unter der Leitung unserer Tanzlehrerin Mércia Andrade wiederholen mussten.

Am Sonntag hielt das schlechte Wetter an, aber auch die gute Laune. Es herrschte eine schon beinahe familiäre Atmosphäre unter den Vertretern und Vertreterinnen der verschiedenen Organisationen, die zum Kongress eingeladen waren und an ihren Ständen Kunsthandwerk, Imbiss und Serviceleistungen anboten. Man knüpfte neue Kontakte, tauschte Erfahrungen aus, lernte andere Zielsetzungen und Arbeitsmethoden kennen und gab sich gegenseitig Tipps.

Am Sonntagnachmittag war dann schließlich der große Augenblick da: Die drei ausgewählten Organisationen durften ihre Spendenschecks entgegen nehmen. Für AdoleScER gingen Josélia Meireles aus Santo Amaro und Karla Valéria aus Caranguejo auf die Bühne und sprachen vor mehr als 50 000 Zuhörern über unsere Arbeit. Für uns alle war das ein sehr spezielles Erlebnis, und wir kehrten mit einem doppelten Gewinn aus Olinda zurück: Nach diesem Wochenende wissen mehr Leute was AdoleScER ist und will; und dank der Spende können wir endlich überfällige Umbauarbeiten an unserem Sitz in Santo Amaro durchführen sowie dringend benötigtes didaktisches Material für andere Standorte anschaffen.

Lukas Moser