17.12.2008

Eine lehrreiche Stadtrundfahrt

Wir Peer Educators (Camila, Laércio und Elayne) von Roda de Fogo machten am 2. und 3. Dezember im Rahmen unseres Heimatkundeunterrichts zusammen mit unseren Jugendlichen eine Stadtrundfahrt durch Recife.

In Vorbereitung auf diesen Ausflug, schien es uns wichtig, dass die Jugendlichen erst mal ihr eigenes Wohnumfeld Roda de Fogo besser kennen lernten: Sie erforschten die Geschichte dieses Armenviertels, indem sie ältere Bewohner und Bewohnerinnen befragten, einen Videofilm über diese Gemeinde anschauten und gezielt die bestehenden Organisationen aufsuchten. Dann endlich war es soweit: Wir hatten eine eigene dreistündige Stadtrundfahrt, mit zwei Touristenführerinnen der Stadt Recife – Iria und Cristina –, die uns alles erklärten. Wir lernten bekannte Gebäude, Plätze, Brücken und Straßen und viele Details kennen, was allein durch das Anschauen eines Videofilms oder von Postkarten nie möglich gewesen wäre.

Rafael kommentiert: „Es war wirklich toll, denn wir wurden zudem gut behandelt. Als wir in Alt-Recife auf dem Platz „Marco Zero“ ankamen, bat Iria uns, die Hand zu öffnen und zeigte uns, wie die ersten fünf Straßen unserer Stadt von diesem Platz ausgehend gebaut wurden. Von dort sind wir dann bis zum westlichsten Rand von Recife gefahren, wo der Künstler Brennand seine Keramikausstellung hat. Dort habe ich erfahren, dass er zuerst malte, dann durch seine seltsamen Skulpturen bekannt wurde, wo er z. B. einen Frauenkörper auf einen Froschkopf setzt.“ Auch Tânia ist begeistert von diesen Kunstwerken. „Mich hat besonders die Bildersammlung im Schlossmuseum von Brennands Bruder beeindruckt, insbesondere eine Darstellung von Rotkäppchen sowie eine Skulptur von Adam und Eva. In der Stadt selbst fand ich die vielen Brücken und Schiffe am Hafen toll. Ich werde sicher nicht mehr so schnell hinkommen, aber selbst, wenn ich erst in vielen Jahren erneut dazu komme, werde ich alles wieder erkennen – es war einfach fantastisch.“

Wir Peer Educators sind total begeistert, weil selbst wir viele Sehenswürdigkeiten unserer Geburtsstadt zum ersten Mal gesehen haben.

Laércio, Camila und Elayne

Friedenserziehung in der Praxis

Kann man ein friedenförderndes Verhalten erlernen? Die Mitglieder der Organisation „Gente que faz a Paz“ (Menschen, die den Frieden praktizieren) glauben daran.

Sie veranstalteten eine 10-monatige Weiterbildung in Friedenserziehung für Fachkräfte und Mitarbeiter von sozialen Institutionen, Bildungs- und Umwelterziehungseinrichtungen, an der auch unsere pädagogische Leiterin Conceição Amorim, Josélia Meierelles, Erzieherin aus Santo Amaro, sowie unsere Peer Educator aus Roda de Fogo, Camila Melo, teilnahmen. „Für mich liegt der Wert einer solchen Veranstaltung klar darin zu sehen, dass Personen unterschiedlichster Voraussetzungen und Herkunft gemeinsam erfahren, wie man in der Familie, bei der Arbeit oder in der Freizeit ein friedfertiges Verhalten erlernen kann“, argumentiert Josélia.

Das letzte Treffen in diesem Jahr fand am Weihnachtstag statt und begann mit der Erzählung „Heiße Zuneigung“. Hier wird die Wichtigkeit der Bekundung von Liebe und Respekt hervorgehoben und dann in einem „Tunnel der Liebe“ praktiziert, in dem stets ein(e) TeilnehmerIn durch einen Menschentunnel geht und sich Zeichen der Zuneigung und Mitmenschlichkeit angedeihen lässt. Das ist nicht gleich einfach für jeden, manche schreckten regelrecht davor zurück, andere freuten sich, eine feste Umarmung, einen Kuss zu bekommen.

Conceição Amorim

Es war wie Weihnachten

Mit einem Treffen auf einem Landgut ausserhalb von Recife verabschiedeten die Kinder und Jugendlichen von AdoleScER das Jahr 2008.

Die Bühne war klein, aber sie bot den jungen Künstlern ausreichend Raum, ihre spontane Kreativität zu entfalten. Sie hatten das Programm selber gestaltet und neben den anderen Aktivitäten eigene Theaterstücke geschrieben und Tänze einstudiert, Geschichten, in denen sich ihre Alltagssituationen spiegelten und die den Zuschauern auf eindrückliche Weise zeigten, wie wichtig es für jede einzelne und jeden einzelnen ist, Teil von AdoleScER zu sein. Es gab für jeden eine passende Rolle, für den noch etwas schüchternen Jungen aus Roda de Fogo, der erst vor einem halben Jahr seine Ausbildung zum jugendlichen Informationsmultiplikator begonnen hat, genau so wie für die abgeklärten „Halbprofis“ der AdoleScER-Tanzgruppe.

Die Zuschauer waren begeistert von den vielfältigen Darbietungen, die – so unterschiedlich sie auch waren – ein gemeinsames Leitmotiv hatten: Sie drückten alle ein starkes Gruppengefühl aus, den Willen, gemeinsam Hindernisse zu überwinden, aber auch die Bereitschaft, als einzelner Verantwortung zu übernehmen und zum Baumeister des eigenen Schicksals zu werden. Mit viel Humor liessen etwa die Kinder und Jugendlichen aus Santo Amaro in ihrem selbst verfassten Schauspiel das abgelaufene Jahr Revue passieren. Sie hoben dabei nicht bloss die Höhepunkte hervor, sondern wiesen auch immer wieder auf Schwierigkeiten und Konflikte hin, mit Witz und Selbstbewusstsein, aber auch mit einem Schuss Selbstkritik. Auch das Leitungsteam kam nicht ungeschoren davon, die liebevollen Parodien waren letztlich aber ein Ausdruck eines tiefen Vertrauens und machten darüber hinaus deutlich, dass bei AdoleScER Bürgerrechte und Partnerschaft nicht bloss propagiert, sondern tatsächlich gelebt werden.

Die Teamleitung hatte das Treffen in Aldeia organisiert, weil ihr daran lag, dass alle, die am AdoleScER-Ausbildungsprogramm beteiligt sind, sich einen Tag lang, abseits der üblichen Aktivitäten und der Hektik einer Grossstadt begegnen konnten, in ungezwungener Geselligkeit, aber nicht einfach als Konsumenten irgend welcher professionell organisierter Freizeitvergnügen. Es war in jeder Beziehung ihr Tag: Die insgesamt 70 Kinder und Jugendlichen bestimmten weitgehend den Ablauf und sie waren gleichermassen Akteure und Publikum. Und sie genossen das eine wie das andere: freuten sich am Applaus ihrer Kameraden und sparten wenige Minuten später ihrerseits nicht mit Beifall für die Darbietungen der anderen.

Es war keine Weihnachtsfeier im traditionellen Stil, aber es herrschte durchaus so etwas wie eine weihnächtliche Stimmung im wahren Sinne des Wortes. Jeder und jede bekam auch ein kleines Geschenk, ein Kuscheltier oder ein anderes Präsent, das Freunde von AdoleScER der Koordinatorin Gunde Schneider bei ihrem letzten Aufenthalt in Deutschland für die Kinder und Jugendlichen in Recife mitgegeben hatten.

„Wir haben bei AdoleScER ein schwieriges Jahr hinter uns“ zog Gunde Schneider nach dem Treffen in Aldeia Bilanz. „Umso wichtiger war es, dass wir bei dieser Feier nicht nur die Geselligkeit pflegen konnten, sondern auf eindrückliche Weise gesehen haben, dass unsere Arbeit allen Widerständen und Herausforderungen zum Trotz auch 2008 Früchte getragen hat. Ich bin stolz auf das Team von AdoleScER und auf die grossen Fortschritte, die unsere Kinder und Jugendlichen trotz ungünstiger Rahmenbedingungen gemacht haben.“

 
Lúcia Pimentel

Ein Dialog über die Kontinente hinweg

Der Caritasverband aus Deutschland lernte bei einer Dialogreise nach Brasilien auch die Arbeit von AdoleScER kennen.

Die 13-köpfige Delegation hielt sich einen Nachmittag lang in unserem Projektstandort Caranguejo auf und bekam dort näheren Einblick in die Aktivitäten des Programms „Aprender Brincando“ (Spielend Lernen), das u. a. mit Spenden von Caritas International finanziert wird. Dabei entstand ein reger Gedankenaustausch zwischen den Besuchern aus Europa auf der einen, und den Kindern und Jugendlichen aus dem Armenviertel auf der anderen Seite. Die Gespräche waren geprägt von echter Anteilnahme und Interesse an einer von sozialer Benachteiligung geprägten Lebenswirklichkeit , aber auch vom Wunsch, mehr darüber zu erfahren, wie sich das Leben der Kinder und Jugendlichen durch das Wirken von AdoleScER konkret verändert hat. Die Gäste aus Deutschland zeigten sich beeindruckt von der Selbstverständlichkeit und dem Selbstbewusstsein, mit der die jungen Menschen sich mit ihrer Realität auseinandersetzen.
 
Gunde Schneider

„Auch wenn wir vom Leben vergessen sind, sind wir glücklich!“

Die Kinder von „Aprender Brincando“ aus Santo Amaro begingen ihre Weihnachtsfeier mit einem selbst verfassten und inszenierten Theaterstück über die harte Arbeit von Müllsammlern.

AdoleScER wollte allen Kindern von „Aprender Brincando“ ein Weihnachtsfest im eigenen Arbeitssitz bieten. Allein die Organisation der Gruppentreffen aus den verschiedenen Projektstandorten mit allem, was dazu gehört, wie Transport, Imbiss, Geschenkauswahl, Teilnehmerzahl von mehr als 120 Kindern und Jugendlichen, u. a. m. war ein logistisches Meisterwerk! Spiele, kleine Geschenke, ein guter Imbiss, ein ausgelassenes Bad im Schwimmbassin und Aufführungen von Theater- und Tanzstücken, einstudiert von den verantwortlichen Peer Educators, beinhaltete das Programm des Tages. Es sind zu viele Kinder im Programm, als dass sie alle am gleichen Tag hätten kommen können. Aber es gelang zumindest, dass z. B. die von Roda de Fogo als Zuschauer der Theater- und Tanzaufführungen von Santa Luzia und diese ihrerseits bei denen von Caranguejo dabei waren.

Als Beispiel wollen wir hier erzählen, wie das Treffen mit der Gruppe aus Santo Amaro abgelaufen ist: Am 10. Dezember kamen 25 Kinder in Begleitung der Peer Educators Derivalda, Tarciana und Glauber, der Erzieherin Josélia und Lenildo, dem Informatikassistenten, in einem gemieteten Bus von Santo Amaro zum Stadtteil Cordeiro, wo die Zentrale von AdoleScER ist. Auch einige Jugendliche aus dem Ausbildungskurs durften mitkommen. Sie wollten sich mit einbringen – als Helfer, Tänzer oder “Schauspieler“.

Das Theaterstück sollte die Botschaft vermitteln, dass Solidarität auch unter ärmsten und  schwierigsten Arbeits- und Lebensbedingungen wie bei den Müllsammlern möglich ist. Hauptakteure der Geschichte sind die beiden elfjährigen Mädchen Jeane und Naiara, die auf der Müllhalde arbeiten und bei der Ankunft des Lastautos mit dem Abfall in einen heftigen Streit um die am besten wieder verwertbaren Produkte geraten. In diesem Moment taucht Sandra, die Leiterin der Gewerkschaft, auf und weist die beiden Streithähne darauf hin, dass alle Anspruch auf den Müll haben, woraufhin beide sich an ihre Arbeit begeben und andere Sammlerkinder auftauchen. Es bildet sich ein Kreis, in dessen Zentrum sich Jeane und Naiara befinden, und alle beginnen den weit verstreuten Abfall zu durchsuchen. Plötzlich öffnet sich der Kreis, alle Kinder setzen sich und Jeane, mit einigen Blumen in der Hand, beginnt, eine „Ciranda“ zu tanzen, begleitet von den Kindern, die alte Blechbüchsen, Gläser und Holzstücke als improvisierte Schlaginstrumente benutzen. Und dann gliedern sich nach und nach alle in den Kreis ein und tanzen gemeinsam diesen alten brasilianischen Reigen, den sie die „Ciranda der Blumen“ getauft haben.

Nach dem Tanz kommt noch die Abschlussszene: Sie umarmen sich und Jeane sagt: „Alles, was ihr am Anfang des Theaterstücks gesehen habt, zeigt unser Leben auf der Müllhalde: Hunger, Armut und Ungerechtigkeit“ und Naiara fügt hinzu: „ Aber dort existiert nicht nur Streit. Es gibt auch Liebe, Frieden, Freundschaft, Zusammenarbeit und Einigkeit“. Beide zusammen betonen noch: „Auch wenn wir vom Leben vergessen sind, sind wir glücklich!“ Alle umarmen sich, wenden sich dem Publikum zu und freuen sich über den Applaus.

Alle Zuschauer zeigen ihre Freude und auch Rührung über dieses gelungene Theaterstück.  Derivalda und Glauber sind ebenfalls sehr froh, dass alles gut geklappt und sich diese Riesenarbeit gelohnt hat. „Am Anfang dachte ich, es würde nie gelingen. Bei so vielen Kindern aus so schwierigen Verhältnissen schien es uns zunächst fast unmöglich, diese Aufführung zu schaffen. Schwierig war dann auch, dass sie den Rhythmus des Ciranda-Tanzes ganz ohne unsere Leitung nicht hinkriegten. Aber dann hat es doch gut geklappt und ich bin total glücklich darüber“ kommentiert Derivalda ihre Leistung. Glauber meint noch: „Die Angst, unser Ziel zu verfehlen, d. h. die Botschaft des Stücks nicht hinüberzubringen, war groß. Aber dann haben wir gesehen, dass sich der ganze Aufwand, die Überwindung der Angst gelohnt hat, und jetzt sind wir sehr zufrieden.“

Die Kinder selbst sind euphorisch über das viele Lob. Trotzdem wollen sie es beim nächsten Mal noch besser machen. Sie bedanken sich bei allen und rennen zum Schwimmbassin und zu den vielen Spielen, die für diesen Tag vorbereitet wurden.


Lúcia Pimentel

28.11.2008

Schöne Bescherung!

Bereiten auch Sie gerne Freude, haben aber noch nicht das passende Weihnachtsgeschenk für Ihre Angehörigen oder Freunde gefunden? Wie wäre es mit einer alternativen Bescherung: einem Beitrag zur Unterstützung der Aktivitäten von AdoleScER?

Ein solches Geschenk würde weit über den Tag  hinaus beglücken -  die  Menschen, denen es zugedacht ist genauso wie uns, die wir dank Ihrer Spende unseren Auftrag weiterhin erfüllen können. Und natürlich auch Sie selbst,  weil Sie wissen, dass Sie mit diesem Geschenk jungen Menschen aus schwierigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnissen helfen, eine menschenwürdige Zukunft aufzubauen, durch die von Ihnen geförderte Bildung den Teufelskreis von Armut, Ohnmacht und  Gewalt zu durchbrechen. Wir danken Ihnen im Voraus ganz herzlich für Ihre Unterstützung. Ihre Hilfe und Ihr Interesse werden uns auch im nächsten Jahr Ansporn sein, uns mit allen Kräften dafür einzusetzen, dass auch Kinder und Jugendliche mit schlechten Startbedingungen eine Perspektive haben.

Wir wünschen Ihnen frohe Weihnachten und ein glückliches, erfülltes 2009.
Das AdoleScER-Leitungsteam



Spendenkonto:
Taunussparkasse Hochheim, BLZ 512 500 00, Kontonummer: 610 46 65,
Kennwort „AdoleScER“. Sie erhalten am Jahresende eine steuerabzugsfähige Spendenquittung.

Unsere Kontaktperson in Deutschland für unseren Förderkreis :

Marita Mallmann, Telefon: 06146 – 84280, Fax: 06146 – 1756, E-Mail: marita.mallmann@web.de

Die schönsten Kreistänze

Am 1. und 2. November nahmen die Tanzgruppe von AdoleScER und unsere Pädagogin Conceição Amorim an einem Kreistanzseminar unter der Leitung von Bruno Perel und Claudio Delfini in der Schule Mater Christi teil. Hier die Eindrücke von Marcelo:
 
„Die Teilnahme am Seminar der schönsten Kreistänze mit Bruno Perel und Claudio Delfini war für uns ein eindrückliches Erlebnis. Weil eine anstrengende Woche hinter mir lag, hatte ich zunächst nicht richtig Lust, bei dieser Veranstaltung dabei zu sein. Aber als dann der Samstag kam und ich anfing zu tanzen, vergaß ich schnell alle Probleme und Mühen. Beim Kreistanz wird man einbezogen, fühlt man sich beschützt. Das löst in mir das Gefühl aus, gewissermaßen über grenzenlose Fähigkeiten zu verfügen. Ich tanze sehr gern, und je länger, je mehr fühle ich mich während des Tanzes verwirklicht, ganz und gar ausgefüllt. Als am Seminar dieser bewegende Augenblick  zu Ende ging, spürte ich Traurigkeit. Aber dann tröstete ich mich damit, dass alles, was wir gemeinsam erlebt hatten, gerade erst anfing. Bei den Kreistänzen trete ich mit mir selbst und dem Nächsten, aber auch mit Gott in Kontakt. Jedes Mal, wenn ich Teil eines Kreises bin, habe ich das Gefühl, ein besserer Mensch zu sein, besser mit verschiedenen Situationen, denen ich mich im Leben stellen muss, fertig zu werden… Ich spüre eine größere Sicherheit, den Problemen entgegen zu treten, nehme mich selbst und den anderen bewusster wahr und schaue nicht nur auf den eigenen Nabel.

Im Kreis sein bedeutet, ausgefüllt zu sein, mit den anderen Freude und Traurigkeit, Verlust und Gewinn zu teilen. Im Kreis sein bedeutet, am Leben zu sein, zu erkennen, dass der Weg zwar mühsam ist,  wir gemeinsam aber auch hochgesteckte Ziele erreichen können.“

Marcelo
 

Claudio Delfini ist  Mathematiklehrer, Tänzer, Choreograph und Leiter von Kreistänzen. Er widmet sich besonders der Aufgabe, Tänze zur kreieren, die dazu beitragen, einen klareren Weg zu finden, die menschlichen Werte besser zu verstehen und anderen Kulturen, ihren Bräuchen und Symbolen mehr Respekt entgegenzubringen.

Grupo AdoleScER und Bruno Perel auf dem Psychologenkongress

Bruno Perels Vortrag auf dem Kongress für Psychopädagogik in Recife begann mit einem Theaterstück zum Thema „Verschieden, aber nicht Ungleich“ unter Beteiligung der Tanzgruppe von AdoleScER. Der Peer Educator Marcelo berichte:
 
"Für mich war es ausgesprochen wichtig, an diesem Ereignis teilzunehmen, die Einführung zum Vortrag von Bruno Perel zusammen mit unserer Tanzgruppe zu machen. Seine Rede handelte vom Einbezug von Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen, den Schwierigkeiten, denen sie ausgesetzt sind, und wie sie in unserer Gesellschaft gesehen werden. Wir begannen mit einem Kreistanz, der von Bruno choreografisiert wurde und der genau dieses Thema anspricht. Einige von uns bewegten sich hinter einer weißen Leinwand in einem dunklen Raum, so dass die Zuschauer den Eindruck gewannen, dass diese Gruppe von der Gesellschaft ausgeschlossen sei. Vor der Leinwand inszenierten Bruno und ich den Prozess der Einbeziehung.

Dieser Moment hat sich für immer tief in meinem Gedächtnis eingeprägt. Es hat mich glücklich gemacht, dass ich am Ende des Vortrags von Bruno Perel auch noch über AdoleScER sprechen und hervorheben konnte, dass manch einer und manch eine durch unsere Arbeit inspiriert wird. Es war ein großer Gewinn, und ich spüre, dass wir durch unsere Aktivitäten, unsere Liebe und Transparenz immer mehr die Herzen der Menschen berühren können."
Marcelo


Bruno Perel ist Psychologe (Universität São Marcos) und Spezialist für Bewegungskunst (Institut Sedes Sapientiae. Er ist Choreograph und Leiter von Kreistänzen (Sacred Dances). Er begann seine Laufbahn  im Alter von 12 Jahren  mit israelischen Kreistänzen.

„Der magische Faden“: Eine Welturaufführung ganz allein für uns

Am 15. Und 16. November wurde das Puppentheaterstück „Der magische Faden“ in den Projektstandorten Roda de Fogo, Santa Luzia und Santo Amaro von der Theatergruppe „Mão Molenga“ uraufgeführt.

Die Auflage für den Gewinner des Preises für Theaterstücke „Myriam Muniz“ war, das prämiierte Stück zunächst in öffentlichen Schulen und in Armenvierteln zu zeigen. Wir hatten das Glück, dass Fabio Caio aus der Theatergruppe „Mão Molenga“ die ersten sechs Jahre Mitarbeiter von AdoleScER war und deshalb für die ersten Aufführungen uns auswählte.

Die Vorbereitungsarbeiten reichten von der Suche nach einem entsprechenden Saal (der relativ groß sein sollte) für das Spektakel bis hin zu den Bemühungen, möglichst viele Zuschauer sicherzustellen. Die Peer Educators Cilene und Júnior und der Jugendliche Milton, noch in Ausbildung, aus dem Projektstandort Santa Luzia berichten über ihre Erfahrung: „Wir trafen drei Kinder, die im Schlamm spielten. Wir luden sie zur Aufführung ein, sprachen mit ihren Müttern, warteten, bis sie sich gewaschen hatten, und nahmen sie dann mit, um weitere Kinder einzuladen. Dabei trafen wir auf João aus unserer Gruppe „Spielend Lernen“. Er weinte, weil seine Schwester ihn nicht mit zur Theateraufführung mitnehmen wollte. Wir einigten uns darauf, dass er und seine Schwester dabei sein dürften und so waren alle zufrieden. Und auf ging es, noch mehr Kinder einzuladen. Ein Mädchen hat sich sogar noch schnell ein neues T-Shirt und Schuhe von der Mutter kaufen lassen – wann gibt es schon mal eine Theatervorstellung in einem Armenviertel! Da muss man sich schick machen. Es war richtig toll, als wir merkten, wie der Saal des Bürgerrates sich füllte, denn ein wenig hatten wir schon Angst, dass die Leute nicht kommen würden. Am Ende haben wir noch alle Kinder nach Hause gebracht.“

Wenn man die Kinder, Jugendlichen und Peer Educators von AdoleScER dazu zählt, waren insgesamt rund  240 Zuschauer jeden Alters anwesend. Etwa eineinhalb Stunden ließen sich alle von der Geschichte Gerards – Hauptfigur dieser französischen Erzählung – mitreißen. Darin geht es um einen ungeduldigen Jungen, der die Gabe erhält, seine Lebenszeit zu beschleunigen, in dem er einen Faden aus einer Kugel zieht; allerdings kann er diesen Vorgang nicht rückgängig machen. Die Peer Educators von Roda de Fogo (Camila, Laércio und Elayne) meinten hierzu: „Das war echt toll, denn so ergeht es uns oft: im Sommer wünschen wir uns, es wäre Regenzeit, wenn es dann ständig regnet, wollen wir wieder die Sonne, nie akzeptieren wir den Moment, in dem wir gerade sind. Diese Überlegungen machte auch Gerard, der als Kind lieber arbeiten als zur Schule gehen wollte. Er zog am Lebensfaden und hat so wichtige Augenblick übersprungen, ohne richtig auszunutzen, was jede Phase mit sich bringt. Er merkte gar nicht, wie seine Mutter schnell alt wurde und schließlich starb und als er nach dem Krieg nach Hause kam, hatte er schon vier Kinder und gar nicht mitbekommen, wie sie groß wurden.“

Die Begeisterung des Publikums hat uns mitgerissen. Die Botschaft dieser Geschichte und die Kreativität der Theatergruppe erfüllten dieses Wochenende mit Leichtigkeit und Phantasie. Am Ende des Stücks kannten viele Kinder der Gruppe „Spielend Lernen“ den Inhalt so gut, dass sie sich sogar an die Namen der einzelnen Figuren erinnerten. Und am witzigsten war, dass alle, Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen die Musik „Er zog, er zog, er zog (am Faden)…“ ständig singen mussten.

Es gab noch ein paralleles Theaterstück: Das Wiedersehen der Peer Educators mit Fabio Caio, der jetzt in seiner eigenen Theatergruppe „Mão Molenga“ arbeitet. Er war es, der die Theaterarbeit bei AdoleScER aufgebaut hat und uns bis heute ein treuer Berater ist, besonders, wenn die Jugendlichen inzwischen selbst Theaterstücke in den Projektstandorten einstudieren und aufführen.

Conceição Amorim

12.10.2008

Ein Tanznachmittag voller Sonnenschein in Santo Amaro

Die Erwartung ist groß: Wer mag die bekannte Tänzerin aus Deutschland sein, mit der die Jugendlichen an diesem sonnigen Nachmittag des 2. Oktobers in Santo Amaro tanzen werden? Pünktlich bringt Mércia, unsere Mitarbeiterin, Friedel Kloke, begleitet von ihrer Tochter Saskia und Freundin Lydie, um 14 Uhr zum Projektstandort.
 
Der Begrüßungs- und Abschiedstanz mit den Jugendlichen und Peer Educators ist die Meditation der Sonne, nach einer Choreographie von Bernhard Wosien und von ihm „der  Kreis, der atmet“ genannt. Zu Klängen von Bach können alle nachempfinden, was Wosien  damit gemeint hat: „Jeder von uns ist ein Sonnenstrahl, der Licht vom Zentrum ausstrahlt. In diesem Zentrum finden wir unsere Kraft und von ihm ausgehend bewegen wir uns nach außen. Diese Kraft begleitet uns in den Tag hinein, stärkt unsere Handlungen, unsere Bewegungen. Trotz all unserer Geschäftigkeit lässt sie uns diese Quelle nicht vergessen – das Zentrum unserer Integrität - und sie schenkt uns die Eingebung (Inspiration), um unsere Weg weiter zu gehen“.

Dieser Nachmittag ist angereichert von unvergesslichen Momenten voller Freude, Ausgelassenheit und Schönheit. Unsere Tanzgruppe von AdoleScER führt für unsere Besucher zwei Choreographien im Kreis nach echt brasilianischer Musik auf (Maracá de Lelê und Brasileirinho) und – was auf keinen Fall fehlen darf - auch einen afro-brasilianischen Tanz, angeleitet von unserem Peer Educator Marcelo.

Informelle Gespräche ergeben sich beim leckeren Imbiss aus Früchten, Saft und Kuchen und bei der Besichtigung des ersten Stockwerks (noch im Bau) und dem Raum für den Computerunterricht.

Wir danken Mércia, dass sie uns diese wunderbare Begegnung ermöglichte, und natürlich auch Friedel Kloke, die ein intensives und anstrengendes Ausbildungsseminar unterbrach und sich die Zeit nahm, AdoleScER zu besuchen.

Gunde Schneider

Zusammen mit der Uni – und doch praxisnah

Studentinnen der Ernährungswissenschaften der Bundesuniversität von Pernambuco (UFPE) führten zu Beginn des ersten Semesters 2008 ihr Praktikum zum ersten Mal mit unseren Kindern aus dem Programm Aprender Brincando des Projektstandorts Roda de Fogo durch.

Unsere anfänglichen Zweifel waren rasch ausgeräumt:  Das innovative Vorhaben lief  sehr gut an und erwies sich im Sinne einer Präventivarbeit als besonders gelungen: Vielen Kindern wurde im Ernährungskurs klar, dass man ungesunde Nahrungsmittel  wie Bonbons, Kaugummi, Plätzchen und Popcorn problemlos durch Früchte und andere leckere Dinge ersetzen kann und dabei nicht einmal mehr Geld ausgibt. Der Altersstufe didaktisch und methodologisch angepasst,  wurden sie auch mit Grundlagen der Hygiene, des Umweltbewusstseins und der Nahrungssicherheit vertraut gemacht.

Der praktische Teil fand  im Hauptsitz von AdoleScER statt und  war nach Aussagen der beiden Peer Educators Camila und Laércio, die diese Aktivität begleiteten, für sämtliche Beteiligten eine sehr positive Erfahrung:  Alle Kinder wollten mitmachen und Jaílma Monteiro, die dieses Projekt als Professorin der Ernährungswissenschaften an der UFPE koordiniert, beim Kochen helfen.

Gunde Schneider

Ein etwas anderer “Tag des Kindes”

Im Oktober, genau am 12., feiern wir hier in Brasilien den Tag des Kindes. AdoleScER bemühte sich, einen Kontrapunkt zur kommerziellen Ausrichtung dieses Gedenktages zu setzen.
 
Wie kam es in der Geschichte überhaupt zu einem solchen speziellen Tag? Der Bundesabgeordnete Galdino do Valle Filho legte ihn 1920 per Dekret fest; erst 1960 jedoch wurde er effektiv eingeführt, und zwar auf Initiative eines Spielzeugfabrikanten, der auf einen Zusatzgewinn spekulierte und seine Produkte zu diesem Zeitpunkt besonders günstig anbot. Sein Geschäftssinn legte den Grundstein eines heute stark kommerziell ausgerichteten Gedenktages, der eher den Spielwarenherstellern zu Gute kommt als den Kindern, denen er eigentlich gewidmet sein sollte.

Wir von der Grupo AdoleScER, im Bewusstsein dieser Verkehrung einer ursprünglich zum Schutz der Kinder eingerichteten Initiative, bemühen uns, einen positiven Kontrapunkt zu setzen. Wir richten in dieser Zeit besonderes Augenmerk auf die Wichtigkeit des Spielens, und zwar stets auf der Grundlage der menschlichen Werte wie Liebe, Frieden, Gewaltfreiheit, richtiges Handeln und Wahrheit. Das hilft den Kindern, ein positives Weltbild zu formen, ihren Charakter zu stärken, sich in der Gemeinschaft mit anderen einzubringen und auch Regeln zu akzeptieren. Unter dieser Prämisse entwickeln wir Aktivitäten mit den Kindern des Programms Aprender Brincando und den Jugendlichen in Ausbildung zum Peer Educator, in denen sie wirklich Kind sein können.  Das ist für Kinder aus unserem Umfeld alles andere als selbstverständlich:  Vielen von ihnen ist es nicht vergönnt, diese so wichtige und auch in gewisser Weise magische Lebensphase richtig auszuleben. Umso wichtiger ist es, dass wir ihnen mit Hilfe von kreativen Spielen, Kinderreigen und Kreistänzen ein Umfeld von Liebe, Zuneigung, Achtsamkeit und vor allem Friede aufbauen.

Unter den Aktivitäten dieses Monats war eine ganz besonders beliebt: das „Kino AdoleScER“, wo die Kinder und Jugendlichen Filme gemeinsam guckten und dabei Popcorn essen durften. Die am meisten gefragten Spiele waren:  Frosch- und Känguruwettlauf; Apfelsinentanz; eine etwas andere Tragstange; Tanz des kooperativen Stuhls sowie einige Kinderlieder und –reigen wie: Schlag die Katze nicht; Kleiner Schmetterling; Aus dem Kürbis mach eine Melone; Ich habe einen Frosch gesehen; Mineira von Minas; Lebender Fisch - lauter Spiele, die ein kooperatives und von Zuneigung geprägtes Verhalten fördern sollen.

Die Peer Educators betonten, wie wichtig für sie diese Spielmomente mit den Kindern und Jugendlichen in Ausbildung waren und wie gut ihnen selbst dieses unbekümmerte Zusammensein mit der Zielgruppe getan hat. Und so wundert es nicht, dass Marcelo, unser Peer Educator von Caranguejo und heute Tanzlehrer bei AdoleScER, bekannte: „Das sind so lustige Spiele, dass ich mich selbst wieder als Kind sehe und mich so vergnüge…ich fühle mich sogar leichter!“

Zum Abschluss all dieser Aktivitäten zum Tag des Kindes haben wir sämtlichen TeilnehmerInnen des Programms Aprender Brincando und den Jugendlichen in Ausbildung Süßigkeiten und kleine Geschenke verteilt. Wir betonten dabei, dass es sich nicht um eine Bescherung aus besonderem Anlass handelte,  sondern darum, ein kleines Zeichen zu setzen, dass Kinder immer ein Recht darauf haben, dass  ihre Bedürfnisse nach  Liebe, Zuneigung, Verständnis, Respekt, Ernährung, Gesundheit sowie kostenloser und guter Schulbildung gestillt werden.

Lúcia Pimentel und Lukas Moser

„Wir schaffen was“ – selbst im Nachthemd

An unserem Tanznachmittag mit Friedel Kloke war ein weiterer Gast aus Deutschland dabei:  Werner Bär aus dem Mossautal (Hessischer Odenwald).

Lenildo, unser Informatikassistent hatte  ihn an der Tankstelle in der Nähe unseres Projektstandortes Santo Amaro abgeholt. Die Beiden kannten sich nicht, aber sie vertrauten darauf, dass alles so seine Richtigkeit hatte.
Als unsere Tänzerinnen sich verabschiedet hatten, gab es noch eine Überraschung: Werner öffnete eine Reisetasche und entnahm ihr T-Shirts, die von der „Metropolregion Rhein-Neckar“  sowie von der Delta Medien GmbH gespendet worden waren (http://www.wir-schaffen-was.de:80/). Was so Aufsehen erregend auf der Brust „(Wir schaffen was“) und auf dem Rücken („Ich bin dabei!“) steht, entspricht der Arbeit der Jugendlichen und Peer Educator von AdoleScER ; die T-Shirts  können daher auch von allen Mitarbeitenden ohne Probleme getragen werden. Da ein Teil der T-Shirts Riesengröße aufwies, wurden spontan einige Vorschläge gemacht, wie man sie am besten benutzen könne. Am meisten Beifall erhielt dabei die Frage einer Jugendlichen: „Dürfen wir sie auch als Nachhemd verwenden?“

04.09.2008

Jeder Gemeinde ihr eigenes Logo

Die einzelnen Gemeinden, in denen AdoleScER Standorte aufgebaut hat, haben alle eine eigene Identität. Sie soll durch Logos, die einer unserer Jugendlichen entworfen hat, unterstrichen werden.

Die Logos, die wir Ihnen hier präsentierten, wurden alle von Erickson Marinho Pinto aus Santo Amaro kreiert und in den einzelnen Gemeinden sowie im Leitungsteam von AdoleScER diskutiert und gutgeheißen. Als Anregung für die Gestaltung dienten Namen, Geschichte, Besonderheiten usw. der Gemeinden. Zusätzliche Informationen und Bilder entdeckten wir im Internet.

Keines der Logos wurde fertig gestellt ohne die Zustimmung von mindestens einem Gemeindebewohner. Sämtliche Sujets können nachträglich verändert werden.

Erickson Marinho Pinto

AdoleScER in neuen T-Shirts

Dank einer Sonderspende von Frau Ulli Kissner vom Förderkreis Hochheim konnten wir unsere Kinder und Jugendlichen mit neuen T-Shirts ausstatten. Wir möchten auch Sie an der Freude über das großzügige Geschenk teilhaben lassen.

Sie haben unsere „Uniform“ sicher schon auf Fotos gesehen: das grüne Logo mit großem G, in dem ein Mädchen und ein Junge geborgen sind, alles auf grauem Untergrund. Vielleicht fragen sich einige von Ihnen: wieso eigentlich eine Uniform?

Traditionell haben hier in Brasilien alle Schulen eine eigene Schulkleidung. Bei den öffentlichen wird sie von der Stadt oder vom Land gestellt. Ihr Sinn für die Schüler und Schülerinnen besteht vor allem darin, dass die eigene Kleidung geschont wird, d. h. es nicht zu zusätzlichen Kosten für die Familien kommt. Bei den privaten Bildungseinrichtungen steht eher die Propaganda für die betreffende Schule im Vordergrund, oder positiv ausgedrückt: Es ist ein medienwirksames Instrument, wobei auch hier sicher die einen oder anderen Eltern froh sind, dass das Kleidungsproblem nicht zum täglichen Familienkampf wird. Natürlich dient eine Uniform stets auch der Gruppenidentität.

Für AdoleScER sind alle diese Aspekte wichtig, obwohl uns darüber hinaus auch daran liegt, dass die Kinder und Jugendlichen sich mit der Arbeit an sich identifizieren, sich zugehörig fühlen, in ihrem Wohnumfeld erkannt und auch anerkannt werden – und dazu trägt diese Uniform immens bei. Damit ist den Jugendlichen natürlich die Pflicht und sicher auch die Bürde auferlegt, sich dementsprechend zu verhalten. Manch ein(e) Peer Educator musste sich schon anhören, wie Freunde oder auch Familienmitglieder sie kritisch darauf ansprachen, wo ihre Beispielfunktion bleibe, nur weil sie oder er mal ein Bierchen in der Öffentlichkeit zu sich genommen hat.

Die T-Shirts an Freund oder Familienangehörige zu verleihen oder zu verschenken, geht gegen die Regeln von AdoleScER, eben um diese Identifikation zu gewährleisten. Steigt jemand aus dem Projekt aus, gibt er oder sie das Kleidungsstück AdoleScER zurück.

Besonders wichtig ist die Uniform, wenn unsere Peer Educators in öffentlichen Schulen oder anderen Institutionen Aufklärungsaktivitäten durchführen. Es hilft ihnen, sich und AdoleScER vorzustellen, sie werden wiedererkannt und mit ihrer Aufgabe identifiziert. Es gibt einen weiteren Aspekt, der vor allem den weiblichen Peer Educators am Anfang nicht leicht fällt zu akzeptieren: Sie wollen eigentlich mit ihrer Kleidung, mit ihrer Aufmachung möglichst viel Aufmerksamkeit erregen. Genau das Gegenteil versuchen wir ihnen jedoch klar zu machen: Der Inhalt ihrer Information, ihre Sprache, ihre Haltung muss mehr Interesse bewirken als ihre Kleidung und ihre Aufmachung. Und dafür sind die einfachen, aber ansprechenden T-Shirts genau richtig!

Gunde Schneider

Marsch für freie Fahrt

Ohne Recht auf die Übernahme von Transportkosten können Jugendliche aus sozialen Einrichtungen nicht an Kursen teilnehmen, die sie auf das Berufsleben vorbereiten.

Am 2. September veranstaltete das Sozialforum für Kinder und Jugendliche der Stadt Recife (FOSCAR) eine Demonstration mit Kindern und Jugendlichen verschiedener NRO, die im Parlament mit einer Anhörung und schriftlichen Abgabe ihrer Forderungen endete. Von der Gruppe AdoleScER nahmen die Peer Educators Karla Valéria, Kátia Cristina und Marcelo José aus dem Projektstandort Caranguejo, 13 Kinder und Jugendliche aus dem Programm „Aprender Brincando“ sowie die Pädagogin Lúcia Pimentel teil. Lukas Moser begleitete den Umzug zur Unterstützung und für die Bilddokumentation.

Treffpunkt für die Demonstration war der Park „13. Mai“ im Stadtzentrum, von wo aus die Kinder und Jugendlichen zum nahe gelegenen Gebäude der Abgeordnetenkammer zogen. Vertreten war u. a. die Nationale Straßenkinder-Bewegung sowie folgende Organisationen für Kinder-  und Jugendfürsorge: Lar da Divina Providência, Galpão de Santo Amaro, Semente do Amanhecer, Pé no Chão und Grupo Curumim. Musik und Folkloretänze wie der Maracatu und afro-brasilianische Weisen begleiteten den Umzug.

Mit dieser Kundgebung sollte zum einen die Bevölkerung auf das Problem aufmerksam gemacht werden und zum anderen eine Petition für eine Gesetzesänderung den Abgeordneten der Stadt Recife unterbreitet werden. Zwei Dokumente wurden zu diesem Zweck vorbereitet: ein Ablehnungsschreiben und eine Unterschriftensammlung gegen das Gesetz 14.899/86, das ein Verbot der Aushändigung von Fahrscheinen an Kinder und Jugendliche vorsieht, die an NRO, sozialen Bewegungen und Foren teilnehmen. Dieses Verbot schließt Jugendlichen aus armen Familien praktisch von berufsvorbereitenden Kursen, kulturellen und sportlichen Aktivitäten und Debatten außerhalb ihres Wohnumfeldes aus, da sie die hohen Transportkosten nicht selbst übernehmen können. An der Spitze des Demonstrationszuges machten die Teilnehmer mit folgendem Spruch auf das Thema aufmerksam: „Mit einem Fahrschein in der Hand garantieren wir das Recht auf Teilnahme“ (was sich in Portugiesisch reimt).

Unsere Jugendlichen betonten, diese Erfahrung, dass alle (rund 110 Jugendliche und Erzieher der verschiedenen Organisationen) in dieses prunkvolle Gebäude mit herein durften und vom Abgeordneten Osmar Ricardo empfangen wurden, für sie wichtig und konstruktiv gewesen sei.

Die Audienz wurde mit dem Versprechen einer Revision des Gesetzes beendet, in dem den von den NRO betreuten Jugendlichen ihr Recht auf kostenlosen Transport zu den für sie wichtigen Veranstaltungen und Kursen garantiert werden soll.

Lúcia Pimentel

09.08.2008

Den Traumberuf entdecken

Am 5. und 6. August haben wir mit den jugendlichen Informationsmultiplikatoren (JIM) von Santo Amaro, Sant Luzia und Roda de Fogo die Berufsmesse der Universidade Federal Pernambuco (UFPE) besucht. Das Angebot an Studiengängen ist gross - und damit auch die Qual der Wahl.

Es war noch nie einfach, einen Beruf zu wählen. Heutzutage ist das für die meisten jungen Leute zwar nicht mehr ein Entscheid fürs ganze Leben, aber immer noch ein wichtiger Schritt, der sorgfältig vorbereitet werden sollte. Damit die JIM die Berufswahl mit einer gewissen Sicherheit und  dem erforderlichen Basiswissen angehen können,  hat AdoleScER  ein Programm zur Berufsberatung  mit den Schwerpunkten „Kennen lernen der Berufe / Interesse und Projektion der JIM“ erarbeitet.

Zurzeit begleitet die Erzieherin Josélia Meireles zusammen mit dem Peer Educator  Antônio Silva die Jugendlichen von Santa Luzia bei der Berufsfindung.  In Santo Amaro leitet sie die Aktivitäten gemeinsam mit der Peer Educator Jaqueline Araújo, und in Roda de Fogo bereiten die Peer Educators Laércio Tiúma und Camila Silva die JIM auf dieses Thema vor.

In der ersten Phase - in dieser befinden sich im Augenblick die JIM von Roda de Fogo -  wird die Berufswahl unter einem breiteren Aspekt angeschaut. Es geht darum, nicht nur den eigenen Berufswunsch zu erkennen, sondern auch festzustellen, welche Rolle die Familie, die Schule und die Gemeinde in diesem Prozess spielen. Die JIM von Santo Amaro und Santa Luzia sind einen Schritt weiter  und befassen sich bereits vertieft mit der Definition der eigenen Berufsvorstellungen und den Wegen, die sie einschlagen müssen, um ihr Ziel zu erreichen.

Beim Besuch der ersten Berufsmesse der UFPE weckten Studiengänge wie Biomedizin, Biologie und Ingenieurwesen bei den Jugendlichen am meisten Interesse. Unter Fächern wie Museumskunde, Ozeanographie und Kartografie konnten sie sich hingegen nicht viel vorstellen.  Gespräche mit Studenten aus den verschiedenen Abteilungen vermittelten den Besuchern nützliche Informationen.  Schade war jedoch, dass zu den beliebtesten Studiengängen nicht Stände mit schriftlichem Material eingerichtet worden waren.   Danilo hätte eine solche zusätzliche Orientierungshilfe sehr zu schätzen gewusst. „Ich möchte Arzt werden und deshalb möglichst viel über diesen Beruf wissen“, sagte er. “Was ich in einem Magazin darüber gelesen habe, reicht mir nicht.  Ich wäre deshalb froh gewesen, hier weitere Unterlagen zu finden.“

Igor erging es ähnlich, er suchte vergeblich Angaben zum Theologiestudium.  Und Aline erfuhr  nicht, wie man Feuerwehrmann wird. Der Ausflug an die UFPE war dennoch ein Erfolg.  Die Jugendlichen lernten das Universitätsareal kennen und erhielten Einblick in eine ganze Reihe von Studiengängen. Was ihnen jetzt noch an Informationen für die Berufswahl fehlt, werden sie im Kurs bei AdoleScER zusammentragen.

Josélia Meireles und Lukas Moser

Mit guten Gefühlen Mutter werden

Diesen Monat haben wir den Kurs mit den jugendlichen Schwangeren abgeschlossen. Bei den wöchentlichen Treffen in unserem Sitz in Ilha de Santa Terezinha bei Santo Amaro behandelten wir folgende Themen: gesunde Schwangerschaft, Vorbereitung auf die Geburt, Verstärkung der emotionalen Bindung zwischen Mutter, Baby und Familie sowie Familienplanung.

Im ersten Semester 2008 arbeiteten wir mit 20 jungen Frauen, von denen die meisten ungeplant schwanger geworden waren. Die wöchentlichen Treffen dauerten jeweils zweieinhalb Stunden. In einem ersten, praktischen Teil standen die Integration in die Gruppe sowie die Vorbereitung auf die Geburt durch Dehnübungen, Entspannung und Kreistanz im Vordergrund. In einem zweiten, theoretischen Teil wurden durch Wissensvermittlung das Selbstbewusstsein und die emotionale Stabilität der jungen Frauen gestärkt. Zudem bereiteten wir die Frauen auf die Zeit nach der Geburt vor, indem wir Themen wie Stillen und Ernährungsberatung behandelten sowie ihnen die Wichtigkeit des Schulbesuches nahelegten.

Wir bemühen uns in den Kursen für jugendliche Schwangere stets, ein familiäres Klima zu erreichen, damit die Frauen sich wohl fühlen und so in der Lage sind, auch ihre schwache Seite zu zeigen und an ihrer Verwundbarkeit zu arbeiten. Wir helfen ihnen, ihre Ängste zu überwinden und gemeinsam mit ihnen Grundlagen zu schaffen, dass sie eine angenehme, von liebevollen Gefühlen geprägte Schwangerschaft erleben können.

Zurzeit werden die Aktivitäten in Santo Amaro von der Erzieherin Josélia Meireles und dem Peer Educator Glauber Simões geleitet und von der Erzieherin Patrícia Travassos beaufsichtigt. Der Kurs war eine Bereicherung für alle - auch für die wenigen Partner, die gelegentlich ebenfalls daran teilnahmen. Viele Männer denken leider immer noch, dass die Schwangerschaft ausschließlich eine Frauensache sei. Umso wichtiger war es, dass die männlichen Kursteilnehmer erkennen konnten, welche wichtige Rolle auch der angehende Vater während dieser für alle Beteiligten prägenden Lebensphase spielt, beziehungsweise spielen sollte.

Der Erzieher Leonildo Fonseca, der schon mehrere Gruppen in diesem Kurs begleitet hat, findet es absolut notwendig, dass die Männer nicht abseits stehen: „ Mit unserer Teilnahme repräsentieren wir den Mann, der nicht flieht oder angreift, sondern der Frau zur Seite steht und versucht, sie in dieser heiklen Phase zu verstehen und zu unterstützen. Es gibt immer wieder sehr schöne Momente, manchmal allerdings auch schwierige. An einem früheren Kurs nahm eine Jugendliche teil, deren Partner am Anfang ihrer Schwangerschaft ermordet worden war. Als ich während einer Entspannungsaktivität ihren Bauch streichelte, löste dies bei der ganzen Gruppe starke Emotionen aus. Ich war der erste Mann, der während ihrer Schwangerschaft ihren Bauch berührte. Nicht nur die junge Frau und ich, sondern alle Anwesenden spürten in diesem Augenblick, wie solche Gesten dazu beitragen, den jugendlichen Schwangeren ein Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit und Partnerschaft zu vermitteln.“

Solche Momente zeigen am besten, worum es in diesem Kurs geht: Wir wollen den jungen Frauen so gut wie immer möglich beistehen, damit sie sich während ihrer Schwangerschaft aufgehoben fühlen und ihrem Muttersein nicht bloß gut informiert, sondern auch mit positiven Emotionen entgegenblicken können.


Patrícia Travassos

Zwei reiche Tage für AdoleScER

Die Supermarktkette Bompreço/ Wal Mart hat die Aufklärungsarbeit von AdoleScER in Armenvierteln mit einer Spende honoriert. Bei dieser Gelegenheit konnten wir auch unsere Organisation einem größeren Publikum bekannt machen.

Es regnete in Strömen, und dennoch waren an diesem Wochenende alle bester Laune. Mit gutem Grund: Die Gruppe AdoleScER sollte für ihr Engagement belohnt werden. Das Institut Wal Mart hatte sich entschlossen, uns – zusammen mit zwei weiteren Nichtregierungsorganisationen, die sich um Kinder und Jugendliche kümmern – an ihrem traditionellen Jahrestreffen mit Kunden im Kongresszentrum Chevrolet Hall in Olinda eine Spende zukommen zu lassen. Jakeline Soares, die für den Sozialbereich zuständige Mitarbeiterin des Unternehmens, hatte bei Kontakten mit der von Josélia Meireles und Leonildo Fonseca geleiteten Gruppe in Santo Amaro, AdoleScER näher kennen gelernt und sich von unserer Arbeit beeindruckt gezeigt. Unsere Aktivitäten, so fand sie, seien es wert, nicht bloß finanziell unterstützt, sondern auch einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt zu werden.

So traf sich denn am 2. August zu früher Morgenstunde eine Gruppe Mitarbeiter von AdoleScER und baute in der Chevrolet Hall einen Stand auf, an dem dann den Besuchern einerseits im persönlichen Gespräch und andererseits mit Informationsmaterial Einblicke in die Tätigkeit von AdoleScER vermittelt wurden. Das Interesse war groß. Viele fragten nach unseren Kontaktadressen, und nicht bloß verschiedene Organisationen, sondern auch Einzelpersonen erkundigten sich, ob unsere Jugendlichen ihr während der Ausbildung bei AdoleScER erworbenes Wissen auch in Vierteln, in denen unsere Organisation nicht tätig ist, weitergeben könnten. Zu einem absoluten Publikumserfolg wurde der Kreistanz, den unsere Peer Educators Laércio Tiúma aus Roda de Foga und Marcelo J. da Silva aus Caranguejo anführten. Es wollten so viele Leute spontan mittanzen, dass wir zwei Kreise bilden und in der Mittagspause die Aufführung unter der Leitung unserer Tanzlehrerin Mércia Andrade wiederholen mussten.

Am Sonntag hielt das schlechte Wetter an, aber auch die gute Laune. Es herrschte eine schon beinahe familiäre Atmosphäre unter den Vertretern und Vertreterinnen der verschiedenen Organisationen, die zum Kongress eingeladen waren und an ihren Ständen Kunsthandwerk, Imbiss und Serviceleistungen anboten. Man knüpfte neue Kontakte, tauschte Erfahrungen aus, lernte andere Zielsetzungen und Arbeitsmethoden kennen und gab sich gegenseitig Tipps.

Am Sonntagnachmittag war dann schließlich der große Augenblick da: Die drei ausgewählten Organisationen durften ihre Spendenschecks entgegen nehmen. Für AdoleScER gingen Josélia Meireles aus Santo Amaro und Karla Valéria aus Caranguejo auf die Bühne und sprachen vor mehr als 50 000 Zuhörern über unsere Arbeit. Für uns alle war das ein sehr spezielles Erlebnis, und wir kehrten mit einem doppelten Gewinn aus Olinda zurück: Nach diesem Wochenende wissen mehr Leute was AdoleScER ist und will; und dank der Spende können wir endlich überfällige Umbauarbeiten an unserem Sitz in Santo Amaro durchführen sowie dringend benötigtes didaktisches Material für andere Standorte anschaffen.

Lukas Moser

05.07.2008

Wasserratten aus Santa Luzia

Kinder und Jugendliche von „Aprender Brincando“ aus Santa Luzia erlebten am 18. Juli einen abwechslungsreichen und vergnüglichen Nachmittag im Schwimmbad.

Wir trafen uns gegen zwei Uhr mit den 13 Kindern und marschierten dann alle zusammen von Santa Luzia nach Cordeiro zum Hauptsitz von AdoleScER. Dort ließen wir die Kinder relativ frei im Schwimmbad spielen. Sie veranstalteten Wettschwimmen, unterhielten sich mit Fangspielen und verbesserten ihre Schwimmkünste. Die Sonne schien, und die Kinder hatten sehr viel Spaß. Selbst jene, die im Wasser mit der Zeit kalt bekamen, wollten nicht aufhören zu baden. Wir mussten sie zwischendurch immer wieder an die Sonne schicken, damit sie sich etwas aufwärmten. Leider ging die Zeit viel zu schnell vorbei. Um 15.30 bekamen alle eine Zwischenverpflegung, danach mussten wir bereits wieder aufbrechen und nach Santa Luzia zurückkehren.

Mit unserem Ausflug ins Schwimmbad wollten wir den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, für ein paar Stunden der Enge ihres Wohnviertels zu entfliehen und ihnen etwas Abwechslung zum gewohnten Spielplatz bieten. Der Nachmittag trug aber auch dazu bei, das Gruppengefühl und Freundschaften zu stärken.

Die Teilnehmer waren begeistert und genossen diese Ferienaktivität. Auf dem Heimweg hatten wir dann allerdings ein kleines Problem: Plötzlich brach ein Platzregen über uns aus. Schließlich kamen aber doch alle gut nach Hause.

Cilene und Antônio

Eine Woche lang richtig Theater gemacht

In einem Ferienworkshop zum Thema „Theater und Geschichten erzählen“ haben am AdoleScER-Standort Santo Amaro zehn JIM eine Woche lang ihre Kreativität ausgelebt. Alle waren mit Feuereifer dabei, und es wurde sogar ein „Oscar“ verliehen.
 
Zu Beginn des Workshops stimmten die Peer Educators Tarciana und Erickson in Zusammenarbeit mit den JIM Danilo, Anderson, Marcos und Williams die Gruppe mit einer Mini-Superproduktion über den möglichen Ursprung des chinesischen Schattentheater auf das Thema ein. Danach waren die zwei Mädchen und acht Jungs, die sich am Kurs beteiligten, am Zug. Sie konnten im Ferienkurs vielfältige Erfahrungen sammeln. Sie halfen bei der Vorbereitung und dem Aufbau der Szenarien mit, erhielten einen direkten Einblick in die Schauspielerei, tanzten viel und befassten sich auch mit der Bedeutung der Musik als Hintergrundelement. Die Hauptaktivität bestand jedoch in der Erarbeitung eines eigenen Theaterstücks. Diese Arbeit wurde leider dadurch erschwert, dass einzelne Teilnehmer ausstiegen. Der Eifer, mit dem die verbliebenen JIM sich ans Werk machten, ließ sie die Abwesenheit der anderen aber schnell vergessen.

Die Jugendlichen präsentierten am letzten Tag des Workshops zwei Stücke. Die eine Gruppe, der Williams, Alisson und Marcos angehörten, beschäftigte sich in einer sehr unterhaltsamen und lustigen Aufführung mit Magie und Fantasie. Danilo, Cleberson, Jadson und Anderson, die Mitglieder der zweiten Gruppe, wählten für ihr Theaterstück eine Geschichte über Liebe, Eitelkeit und Freude, die deutlich machte, das letztlich die Liebe das Maß aller Dinge sein sollte.

Nach den Aufführungen der beiden Werke fand eine „Oscar-Verleihung“ statt. Das erste Stück erhielt den Preis für die beste Actiongeschichte, das zweite wurde für die beste Botschaft ausgezeichnet. Als Höhepunkt wurde Danilo zum besten Schauspieler des Workshops erkoren.

Die JIM haben in dieser Woche ihre Kreativität gestärkt und auch im technischen Bereich Fortschritte gemacht. Besonders deutlich zeigten sich die positiven Effekte beim Schattentheater. Aber auch beim Schreiben und Einstudieren ihrer eigenen Theaterstücke erbrachten die Jugendlichen bemerkenswerte Leistungen und kümmerten sich wirklich um alles. Ihr Interesse am Geschichten erzählen war ebenfalls groß. Die JIM kamen immer etwas früher und bereiteten alles vor oder probten sogar schon. Nachdem sie die von den Peer Educators für den Workshop ausgewählten Videos gesehen hatten, trugen sie unaufgefordert zusätzliches Material zusammen und stellten es der Gruppe zur Verfügung.

Zum Abschluss des Kurses fand eine kurze Auswertung statt. Das einhellige Urteil: Der Workshop war ein Erfolg.

Erickson und Tarciana

Psychomotorik durch Tanz

Am 16. Juli haben wir mit 18 Kindern von „Aprender Brincando“ in São Lourenço einen Workshop mit psychomotorischen Tänzen durchgeführt.

Wir Peer Eductaors wählten drei Tänze aus, die auf das Alter der fünf Jungen und dreizehn Mädchen zugeschnitten waren. Mércia Andrade, unsere Ausbildnerin in psychomotorischen und Kreistänzen, steuerte noch zusätzliche Tänze bei.

Die Psychomotorik stellt die Wechselwirkung zwischen Denken, Fühlen und Bewegen und deren Bedeutung für die Entwicklung des Menschen in seinem Umfeld ins Zentrum. Sie hilft Kindern wie Erwachsenen Konzentrations- und Lernschwierigkeiten und Beziehungsstörungen zu überwinden sowie Hyperaktivität zu mindern. Auf spielerische Art werden Probleme angegangen und Qualitäten gefördert.

Die Kinder machten sehr gut mit, und wir waren alle überrascht, dass sie das anstrengende Programm problemlos bewältigten und nicht zu müde wurden. Alles in allem hatten wir überhaupt keine Schwierigkeiten; das Tanzen hat allen viel Spaß gemacht. Interessant war, dass Pedro Henrique das ganze Programm mitmachte. Er hat uns nämlich früher immer wieder versichert, dass er wegen seines Glaubens nicht tanzen darf. Dabei hatte er einfach keine Lust dazu. An diesem Tag tanzte er jedoch von Anfang bis zum Schluss durch.

Wir können also sagen, dass dieser Workshop ein Erfolg war. Den Kindern gefiel es und sie waren mit Leib und Seele dabei.
Janaína, Silberte, Wilson und Mércia

Spaß und logisches Denken in Roda de Fogo

Am 15. Juli haben wir mit 15 JIM im Sitz vom SOS-Kinderdorf im Nachbarviertel von Roda de Fogo einen Spieltag durchgeführt.

Da einige Teilnehmer etwas zu spät kamen, haben wir unser Programm umgestellt und nicht wie vorgesehen mit der Gruppendynamik begonnen. Camila spielte mit den Pünktlichen Domino, aber nicht das klassische Domino, das schon alle kennen, sondern eines mit Bildern. Die Jugendlichen mussten dabei immer Gegenfiguren zusammenfügen, zum Beispiel Feuer und Eis, groß und klein usw.  Ziel dieses Spiels ist es, das logische Denken zu trainieren. Als weitere JIM hinzukamen, erklärte Laércio auch noch andere Spiele, bevor er sich mit Graciele auf ein Schachspiel konzentrierte.

Die meisten JIM hatten Freude an den Spielen, einzelne hingegen turnten lieber auf den Bodenmatten herum. Wir, Camila und Laércio, haben sie zur Ordnung gerufen und ihnen erklärt: „Wenn wir Lernmaterial mitbringen, wollt ihr spielen. Diesmal haben wir Spiele mitgebracht, und ihr turnt jetzt rum. So geht das nicht.“  Das wirkte: Die Jugendlichen kehrten zu den Spielen zurück.

Die Gruppendynamik, die wir auf den Schluss aufgespart hatten, heißt: „Lachen verboten“. Man stellt sich im Kreis auf, schaut einander in die Augen und beginnt, ohne zu lachen, zu nummerieren. Anstatt „1“ sagt man jedoch „Oi“, anstatt „zwei“ „Oi, Oi“ und so weiter. Wer sich versprach oder lachte, schied aus und durfte nach Hause gehen.

Der Spieltag sollte den Jugendlichen in erster Linie Spaß bereiten, gleichzeitig aber auch ihr logisches Denken fördern. Besonders wichtig war uns, das Wettbewerbsdenken zu vermindern und dafür das Gruppengefühl zu steigern. Wir glauben, dass es ein gelungener und erfolgreicher Tag war, den sowohl die JIM als auch wir Peer Educators genossen haben.

Camila und Laércio

São João bei AdoleScER

In unserem Juli-Newsletter möchten wir nochmals auf den Monat Juni und seine vielen Feiertage zurückblicken. Den bedeutendsten dieser Feiertage, den Namenstag des heiligen Johannes - São João - am 24. Juni, wollten auch wir von AdoleScER in einem gebührenden Rahmen begehen. Unsere Peer Educators haben an verschiedenen Standorten zusammen mit Kindern und Jugendlichen Feste organisiert. Im folgenden Interview schildern Teilnehmer ihre Eindrücke.


Wo habt ihr euer São João-Fest organisiert?
Wir haben in unserem Sitz in Santa Luzia gefeiert. Es herrschte eine sehr gute Stimmung. Fast alle 39 Teilnehmer sind verkleidet gekommen, sie waren die Hauptdarsteller des Festes. (Santa Luzia)

Wer hat den Festsaal dekoriert?
Jedes Kind hat für das Dekorationsmaterial einen Real gespendet. Ich (Karla Valéria) bin alles einkaufen gegangen, danach machten wir gemeinsam mit Kátia und meiner Familie die Fähnchen. Die eigentliche Dekoration des Lokals übernahm Marcelo zusammen mit den Kindern von „Aprender Brincando“. Alles ist wie geplant geworden: wunderschön! (Caranguejo)

Haben die Teilnehmer sich verkleidet?
Einige haben sich verkleidet. Welley und Karoline kamen als originales Matuto und Matuta-Pärchen. (São Lourenço)

Was für typische Gerichte habt ihr angeboten?
Das Essen war der beste Teil, wir hatten viele verschiedene Speisen. AdoleScER hat uns 50 Maiskolben gespendet, aus denen wir Peer Educators (Cilene und Antonio) verschiedene Gerichte zubereiteten. Zum Beispiel Canjica (süsser Maispuding), gekochten Mais, Maiskuchen, Manguzá (süsses Maiskorngericht) und Popcorn. (Santa Luzia)

Habt ihr auch traditionelle Tänze aufgeführt?
Wir hatten zwei Tanzaufführungen. Die Kinder von „Aprender Brincando“ zeigten eine Quadrilha (traditioneller Gruppentanz, mit einem Animator, der die Tänzer führt) und die JIM einen Xaxado (traditioneller nordbrasilianischer Tanz, der ursprünglich nur unter Männern getanzt wurde). Diese Vorführungen waren so schön, dass alle eine Zugabe verlangten. (Santo Amaro)

Habt ihr Spiele gemacht?
Wir vergnügten uns mit dem Zitronentanz und -wettrennen, dem Lichtsignaltanz und einer Quadrilha. Die Quadrilha war improvisiert und wurde zu einem Riesenerfolg, die JIM hatten viel Spaß daran. Für die, die den Zitronentanz nicht kennen, er geht so: Ein Pärchen klemmt eine Zitrone zwischen den Köpfen ein, fällt sie hinunter, scheiden die beiden aus. Der Lichtsignaltanz hingegen funktioniert so: Immer wenn das Lichtsignal auf Rot steht, dürfen die Pärchen tanzen, weil dann ja die Autos stillstehen. Bei Grün müssen die Tänzer stillstehen. (Roda de Fogo)

Habt ihr auch über den Ursprung des Festes und seine Bedeutung gesprochen?
Wir haben die Bedeutung von São João bereits vor dem Fest erklärt. São João ist ein religiöses Fest, an dem die Geburt vom heiligen Johannes oder Johannes dem Täufer gefeiert wird. (Santo Amaro)

Recyclen lernen in Caranguejo

Die Kinder von „Aprender Brincando“ in Caranguejo haben sich drei Tage lang intensiv mit dem Thema Recycling auseinandergesetzt und dabei viel Neues gelernt.

An den ersten beiden Tagen gingen wir zur Ilha do Zeca und suchten dort nach wieder verwertbarem  Material.  Die Ilha do Zeca ist die einzige grüne Zone in der Nähe von Caranguejo. Leider wird sie von vielen Menschen noch immer als Müllhalde missbraucht. Wir haben deshalb nicht nur das noch brauchbare Material gesammelt, sondern auch den übrigen Abfall zusammengetragen. Bei dieser Gelegenheit konnten wir den Kindern auf anschauliche Weise beibringen, wie wichtig es ist, Müll zu trennen und davon so viel wie möglich wieder zu verwenden. Es war eine sehr gute Zeit, und ich glaube, dass heute alle über Recycling anders denken als vorher.

Leider hatten wir am Schluss viel Müll und verhältnismäßig wenig wieder verwertbares Material. Deshalb mussten alle am letzten Tag noch zusätzliche Sachen von zu Hause mitbringen, PET-Flaschen, Röhrchen, Papier usw. Danach konnten die Kinder ihrer Kreativität freien Lauf lassen und munter darauf los basteln. Die meisten wollten Stifthalter herstellen, aber wir haben auch Plakate, Becher, Puppen und das Spiel „Komm und Geh“ gebastelt.

Es war sehr gut, alle wollten etwas Tolles schaffen und gaben sich viel Mühe. Es gab allerdings auch eine Schwierigkeit. Wir hatten leider nicht genügend Leim, Farbe und Scheren für alle, und einige wollten das Material nicht mit den anderen teilen. Wir machten ihnen aber klar, wie wichtig es in einer solchen Situation ist, dass man teilt. So konnten schließlich alle ihre Arbeiten beenden.

Wir glauben, dass alle Teilnehmer gern dabei waren und künftig ihr eigenes Verhalten im Umgang mit Abfall kritischer überprüfen werden.  Wenn wir bei uns selber beginnen,  können wir Schritt für Schritt die Welt verändern.
 
Marcelo

20.06.2008

Studentinnen der UFPE bei AdoleScER

AdoleScER  kooperiert mit mehreren Universitäten in Recife. Studentinnen und Studenten erhalten dadurch die Möglichkeit, praktische Erfahrungen mit Jugendarbeit in Armenvierteln zu sammeln. Drei Studentinnen schildern im folgenden Beitrag, wie sie den jugendlichen Informationsmultiplikatoren (JIM) Wissen aus ihrem Fachbereich vermitteln und was ihnen selbst dieser Einsatz bringt.

Die Professorin Jaílma Santos von der Abteilung für Ernährung an der Bundesuniversität von Pernambuco, arbeitet seit 2004 mit AdoleScER zusammen. Gemeinsam mit Studentinnen und Studenten bietet sie Kurse über richtige Ernährung an. Wir, Adriana, Priscila und Flávia, sind drei Studentinnen, die ein solches Praktikum  in den Gemeinden Santo Amaro und Santa Luzia absolvierten und dieses im Juni abgeschlossen haben.

Unser Unterricht hatte das Ziel, den Jugendlichen die vielfältigen Möglichkeiten einer gesunden Ernährung aufzuzeigen und sie vor den Gefahren einer einseitigen Verpflegung zu warnen.

Die Erfahrung mit den Jugendlichen war sehr bereichernd. Wir haben uns bemüht, die Lektionen abwechslungsreich zu gestalten, indem wir u. a. Spiele und Workshops einbauten. Dadurch konnten wir ihre Aufmerksamkeit fesseln und ihnen umfassende Informationen über die Wichtigkeit einer ausgeglichenen Ernährung vermitteln. Wir haben in den vergangenen drei Monaten aber nicht nur Wissen weitergegeben, sondern auch selber viel gelernt. Wir erhielten Einblick in die Lebensart dieser jungen Menschen und erkannten, unter welchen schwierigen Bedingungen und mit welchem großen persönlichen Einsatz sie nach besseren Lebensperspektiven suchen müssen.  Durch unsere Arbeit vor Ort erfuhren wir auf ganz direkte Weise, wie wichtig es ist, dass wir das, was wir an der Uni gelernt haben, auch weiter verbreiten. Und es ist uns klar geworden, wie wichtig Nichtregierungsorganisationen wie AdoleScER für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft sind.

Die JIM aus Santa Luzia und Santo Amaro, die unseren Unterricht besucht haben, waren stets aufmerksam und lernbegierig. Ihr großes Interesse war für uns eine Verpflichtung und ein zusätzlicher Ansporn,  sie so weit als immer möglich an unserem Wissen teilhaben zu lassen.

Adriana, Priscila und Flávia

Besuch aus Deutschland

Ende Mai besuchte eine Gruppe junger Deutscher, die sich zurzeit in Brasilien aufhält,  AdoleScER. Sarah Preuss, Fredy Arnsperger, Jens Schlötterer und Martin kamen vom Centro de Recuperação Vida Vova aus dem südlichen Bundesstaat Paraná. Moema Hees reiste von João Pessoa an, wo sie ein Praktikum macht. Laura Büning absolviert gegenwärtig ein Volontariat bei Caritas Recife. Drei der Gäste, Jens, Sarah und Laura, berichten in diesem Beitrag, was ihnen der Tag bei AdoleScER gebracht hat.

Sarah Preuss
Auf unserer Reise im Nordosten Brasiliens kamen wir auch in Recife vorbei. Wir – das sind drei deutsche junge Männer und ich, Sarah. Über die Organisation Marburger Mission leisten wir zurzeit einen einjährigen Kurzzeiteinsatz in Rolândia/Paraná und sind dort in einem Drogenrehabilisationszentrum, dem CERVIN, tätig. Vom 12. Mai an gingen wir drei Wochen lang auf Brasilien-Tour, und dabei bot sich uns auch die Möglichkeit, die Arbeit von AdoleScER kennen zu lernen.

Als wir den Gruppenraum am Rande der Comunidade betraten, richteten sich in Windeseile 25 Augenpaare auf uns fremd aussehende Ankommende. Schnell wurde uns Platz gemacht und wir wurden herzlich gebeten, uns zusammen mit den anderen im Kreis auf dem Fußboden niederzulassen. Hier und da war ein verlegenes Kichern zu hören, und die lächelnden Gesichter verfolgten gespannt jede unserer Bewegungen.

Ein kleines Mädchen neben mir ergriff meine Hand: „Como a Senhora se chama? Wie heißen Sie?“ „Ich heiße Sarah,  nenn mich einfach nur Sarah.“ „Sarah!?“, flüsterte sie und kuschelte sich an mich. So zusammensitzend entwickelte sich bald ein Gespräch, in welchem wir uns gegenseitig über unsere Arbeit informierten und wir Gäste vor allem mehr über das bei AdoleScER angewandte Prinzip der jugendlichen Informationsmultiplikatoren (JIM) erfuhren.

Doch schon kurz darauf fanden wir uns inmitten einer Schar tanzender Jungen und Mädchen wieder, welche uns freudig einiges von dem bisher bei AdoleScER Gelernten präsentierte – Tänze, die von gegenseitiger Achtung und liebevollem Aufeinanderachtgeben sprachen und für die Kinder und Jugendlichen bereits einen wichtigen Teil ihres sich verändernden Lebens darstellten. „Schon nach kurzer Zeit lässt sich feststellen, dass sich unsere Kinder auch in ihren Familien und unter Freunden anders verhalten. Sie begegnen einander vor allem mit mehr Respekt“, informierte uns eine Mitarbeiterin.

Leider verstrich der Vormittag mit gemeinsamem Obstsalat-Essen und der Besichtigung des Hauses sowie der Comunidade viel zu schnell, und um die Mittagszeit mussten alle Kinder nach Hause aufbrechen.

Ich blieb beeindruckt und tief berührt zurück: Wie herzlich wurden wir in ihrer Mitte aufgenommen, mit welchem ehrlichen Interesse begegnete man uns. Wie strahlten diese Kinderaugen, als wir in kleinen Gruppen zusammenhockend voneinander erzählten und Späße machten – Augen, die schon so viel sahen, was sie nie hätten sehen sollen.

Es gibt viele Wege, dem Elend auf dieser Welt entgegenzutreten. Einer der besten ist mit Sicherheit die Veränderung dieser jungen Generation. Diesen Kindern Hilfe zur Selbsthilfe zu geben und die kleinen Rücken zu stärken, damit sie trotz der Last auf ihren Schultern einer besseren Zukunft entgegengehen können – dies sollte ein Anliegen von uns allen sein.

Jens Schlötterer
Bei meiner Person handelt es sich um Jens Schlötterer, einen 20 Jahre alten Franken, der im vergangen Jahr seine Lehre als Industriemechaniker abgeschlossen hat. Auf die Frage, wie es weiter gehen soll, halfen mir ein Vortrag aus früher Kindheit und eine damals gefällte Entscheidung. Es ging dabei um einen Kurzeinsatz in einem Drogenrehazentrum Brasiliens. So kam es, dass ich nach einem Vorstellungsgespräch bei der Marburger Mission eine Zusage erhielt und jetzt als Freiwilliger im Cervin (Centro de Recuperação Vida Nova) sein darf.

In einem dreiwöchigen Urlaub quer durch Land und Kultur, konnte ich jede Menge Eindrücke sammeln und meinen Horizont erweitern.  Die Jugendarbeit von AdoleScER hat dazu einen guten Teil beigetragen. Ich habe so nochmals einen ganz anderen Blick auf dieses Land und seine Menschen bekommen. Da wir ziemlich spontan auf die Idee kamen, AdoleScER zu besuchen, waren wir sehr erfreut wie gut alles vorbereitet worden war. Wir durften die Arbeit "hautnah" mit der Gruppe Aprender Brincando in Santo Amaro miterleben, wo man uns gleich ins Programm einbezog. Bei den Spielen und dem Tanz konnte man den Kindern die Freude von den Augen ablesen. Durch Berichte und Erzählungen der Mitarbeiter vor Ort erhielten wir einen guten Einblick in die Aufgaben, Ziele und Pläne der Organisation. Im Grossen und Ganzen fand ich den Besuch sehr interessant. Ich wünsche dem AdoleScER -Team viel Freude und die nötige Ausdauer bei der Arbeit. An dieser Stelle ein dickes Dankeschön für die Möglichkeit zu diesem Einblick.


Laura Büning
50 Kindersandalen vor dem Eingang und drinnen 50 Kinderfüße in einem großen Kreis. So wurden wir im Zentrum von AdoleScER inmitten des Armenviertels Ilha Santa Terezinha in Santo Amaro empfangen, von dem aus die Aussicht auf eines der größten Shopping-Center Recifes wie blanke Ironie erscheint. Eine Wirklichkeit, die nicht akzeptiert werden darf.

In einer Vorstellungsrunde mit unterschiedlichsten brasilianischen Namen wiesen die Kinder und Jugendlichen immer wieder mit leuchtenden Augen darauf hin, wie sehr ihnen die im Kurs gelernten Spiele und Tänze gefallen. AdoleScER macht den Kindern Spaß, und Spaß ist wichtig bei der Vermittlung von Bildung. Dabei frage ich mich, wie es mit dem Spaßfaktor an deutschen Grundschulen aussieht.

Ich habe den Eindruck, dass Bildung in Brasilien leider immer noch ein Privileg darstellt und wesentlich mehr Druck auf die träge Politik ausgeübt werden müsste, damit sich an diesem Zustand etwas ändert.

Die Offenheit, mit der die Kinder uns begegneten, und das Interesse, uns kennen zu lernen, waren wirklich enorm. Wir wurden eingeladen, bei den Kreistänzen mitzumachen, wobei die Kinder natürlich die besten Lehrer waren. Ich glaube, dass die Bewegung im Tanzen auch der Beginn für die Bewegung eines mündigen Volkes sein kann, mit einem Bewusstsein, die eigenen Rechte einzufordern.

Am Abend durfte ich die Diplomübergabe an zehn jugendliche Informationsmultiplikatoren in Caranguejo miterleben. Die emotionale Atmosphäre und die sehr persönlichen Worte der Diplomierten haben mich sehr berührt. Und ich zweifle nicht daran, dass diese jungen Menschen viel bewegen werden.

AdoleScER – Voneinander lernen

Hannah Müggenburg, eine 22-jährige Psychologiestudentin aus Darmstadt, absolvierte im Februar und März 2008 ein zweimonatiges Praktikum bei AdoleScER und erhielt dabei einen umfassenden Einblick in die Arbeit unserer Organisation. Die Begegnung mit den Kindern und Jugendlichen in Armenvierteln hat ihren Horizont in einer Art und Weise erweitert, wie es in Deutschland nicht möglich gewesen wäre. Hier Hannahs Eindrücke:

„Die Arbeit beim Grupo AdoleScER hat mich sehr beeindruckt. Das auf dem Peer-Education-Prinzip beruhende Informationsmultiplikator-Konzept ermöglicht es, die widrigen Lebensumstände von der Basis her zu bekämpfen und Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten. Dabei geht es in erster Linie darum, die Schutzfaktoren, die Kinder davor bewahren, automatisch Teil des Teufelskreises aus Drogen, Gewalt und Armut zu werden, zu aktivieren und zu verstärken. Die Jugendlichen selbst wählten den sehr passenden Vergleich einer Lotuspflanze, die es trotz Schlamm und Abfall schafft, eine wunderschöne Blüte zu entfalten. Die Frucht bzw. zarte Blüte dieser Arbeit kann man bei AdoleScER oft jetzt schon bewundern, wenn man Kindern und Jugendlichen begegnet, die mit bewundernswerter Kraft den Umständen trotzen, feinfühlig, sensibel und nachdenklich sind.

Folgendes Beispiel aus Santo Amaro, einem der gewalttätigsten Elendsviertel in Recife, hat mir die Nachhaltigkeit und den unschätzbaren Wert der Arbeit von AdoleScER besonders deutlich vor Augen geführt: Obschon die Kinder ständig Zeuge überbordender Gewalt sind, ist die Gruppe hier wie eine große Familie. Jedem wird große Wertschätzung entgegen gebracht. Auch ich wurde sofort  integriert. Die Kinder und Jugendlichen übernehmen selbstverständlich Arbeiten und kümmern sich so um „ihr“ Haus, einen Platz der Ruhe und Freundschaft, an dem sie auch in ihrer Freizeit für kurze Zeit sorglos ihre Kindheit ausleben können. Angesichts der vielen Gewalttaten selbst in der kurzen Zeit, in der ich hier war, konnte ich am eigenen Körper nachempfinden, wie wichtig ein solcher Ort des Friedens ist.

Die besondere Philosophie von AdoleScER Informationsmultiplikatoren auszubilden, diese weiterzubeschäftigen und den Kindern und Jugendlichen neben Wissen vor allem Kompetenzen zu vermitteln, hat mich sehr überzeugt. So lernen die JIM nicht nur Fakten über Gesundheit, Bürgerrechte, Umwelt und sexuelle Aufklärung. Sie erwerben auch die Fähigkeit, ihre Rechte einzufordern, eine kritisch-reflektierende Haltung gegenüber gesellschaftlichen Gegebenheiten und das Selbstbewusstsein, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese auch vor anderen verständlich zu vertreten und Diskriminierungen aufgrund sozialer Stellung, Rasse, Ideologie oder Religion entgegenzuwirken. Außerdem wird ihnen beigebracht, Konflikte ohne Gewalt zu lösen. Die Akzeptanz und Glaubwürdigkeit ist wesentlich größer, wenn Jugendliche anstatt Erwachsene als Lehrer und Vorbilder auftreten.

Ich habe von den Kindern und Jugendlichen bei AdoleScER gelernt, dass man es zuerst schaffen muss, „zu sich selbst gut zu sein“, um auch anderen ehrlich Gutes tun zu können. Wieder in Deutschland angekommen, stellt sich mir oft die Frage ob wir – uns immerzu als die fortgeschrittene Gesellschaft bezeichnend -  nicht schon an diesem ersten Schritt scheitern. Ob die Gründe darin zu finden sind, dass wir nicht genug genießen können, was wir haben, uns immerzu in die falsche Richtung mit anderen vergleichen oder schlichtweg nicht erkennen, welche unschätzbaren und schon alltäglichen Reichtümer (Sicherheit, Heim, Sauberkeit, etc.) sich uns bieten? Vielleicht sollten wir uns in dieser Hinsicht einmal ein Beispiel an einer anderen Kultur nehmen, der so viele unserer selbstverständlichen Besitztümer verwehrt sind, aus der aber dennoch wunderbare, wertvolle und oft sogar zufriedene und glückliche Menschen erwachsen. Vielleicht können wir dadurch den Menschen in diesen Ländern einiges zurückgeben und endlich wieder mehr Gutes tun.

Abschließend lässt sich sagen, dass diese Kinder, die den Anschein haben, so wenig zu besitzen (sowohl materiell als auch an Wissen), es geschafft haben meinen Horizont so zu erweitern, wie es in Deutschland nicht möglich gewesen wäre. Trotz aller Unterschiede gehören wir alle in dieser Welt zusammen und können immer wieder voneinander lernen.
Ich blicke auf eine sehr wertvolle Zeit zurück, in der ich mit erdrückender Armut und Gewalt konfrontiert wurde, aber auch unglaublich viel lernen durfte und vielen tollen Menschen begegnet bin...Ich danke allen, die mir dies ermöglicht haben, und werde sicherlich zurückkehren.

Hannah Müggenburg

Ernste Gespräche und heiteres Zusammensein

Fachkräfte, Peer Educators, Gesamtleitung und Hauspersonal von AdoleScER trafen sich am 12. und 13. Juni in Aldeia zu einem Auswertungsseminar. Die Zeit war knapp, aber bereichernd für alle.

Interne Auswertungsmomente gibt es bei AdoleScER regelmäßig monatlich und, je nach Bedarf auch häufiger, und zwar zwischen Mitarbeitern, Peer Educators und Jugendlichen in Ausbildung. Aber besonders spannend ist es, wenn wir die Möglichkeit haben, an einem ruhigen Ort die Arbeit in allen ihren Facetten und Bereichen in aller Offenheit zu diskutieren: über Themenauswahl, Programme, Methodologie, zwischenmenschliche Beziehungen, aber auch über logistische Fragen wie Verwaltung in den einzelnen Jugendzentren und am Hauptsitz, didaktisches Material, Imbiss und Transportprobleme. Zwei Tage versammelten wir (8 Fachkräfte, 16 Peer Educators und unsere 3 Mitarbeiter vom Hauptsitz) uns in einem Tagungszentrum ca. 10 km von Recife entfernt, im hügeligen Wald von Aldeia: eine wunderschöne Landschaft mit Obstbäumen und Wiesen, einem sauberen Bach. Einfache, aber zweckmäßige Infrastruktur und gesundes, reichhaltiges Essen machten uns den Aufenthalt zu einem speziellen Erlebnis. Selbst Tag- und Nachtmücken konnten uns nicht viel anhaben, denn wir hatten uns mit Schutzmitteln eingedeckt. Manch eine(r) klagte über die vielen Steigungen, die es zwischen den einzelnen Häusern des Zentrums zu überwinden gab, aber die Wege in tiefem Grün ließen die Müdigkeit bald vergessen.

Das übliche Dilemma der effizienten Zeiteinteilung, die allen Bedürfnissen und Notwendigkeiten (Auswertungssitzungen, gruppendynamischen Aktivitäten und Freizeit) gerecht werden sollten, konnten wir auch diesmal nicht ideal lösen: Die zwei Tage waren einfach zu knapp, dafür aber intensiv und bereichernd!

Die Besprechungen wurden zunächst in verschiedenen Gruppen mit entsprechend vorbereiteten thematischen Punkten durchgeführt. Erst am zweiten Tag wurden die Ergebnisse im Plenum vorgestellt und diskutiert. Sie sollen hier zusammengefasst werden:

Positive Resultate:

    * Es existiert bei allen eine große Zufriedenheit, was den Arbeitsauftrag bei AdoleScER angeht;
    * Die positive und schnelle Entwicklung der betreuten Kinder und Jugendlichen, vor allem ihre abnehmende Gewaltbereitschaft, wird von den Peer Educators und Fachkräften als besonders motivierend hervorgehoben;
    * Die klaren Themenvorgaben und hervorragenden Planungen jeder Aktivität werden als besondere Stärke der pädagogischen Arbeit von AdoleScER erwähnt;
    * Die Nähe zur Zielgruppe auch außerhalb der Arbeitszeit wird von den Peer Educators als wichtig für die Vertrauensbildung und als Basis für eine rasche Identitätsfindung zur Gruppe AdoleScER herausgestellt;
    * Steigende Anerkennung der Peer Educators in ihren Gemeinden sowie in anderen Organisationen;
    * Eine unbürokratische und flexible Zusammenarbeit mit der Verwaltung und Leitung von AdoleScER;
    * Supervision von Fachkräften vor Ort ermöglicht Inputs und bei Bedarf schnelle Korrekturen.

Schwierigkeiten / Herausforderungen:

    * Unvollständige Einrichtungen der Jugendzentren vor Ort (fehlende PCs, audio-visuelle Geräte, Küchen- und sonstiges Mobiliar);
    * Anstehende Reparaturen an den Jugendzentren in den Projektstandorten, vor allem jetzt in der Regenzeit;
    * Hohe Arbeitsbelastung der Peer Educators, vor allem in Santa Luzia, wo nur zwei für alle Aktivitäten verantwortlich sind.
    * Die positiv hervorgehobene Nähe zur Zielgruppe wird andererseits auch als eine zusätzliche Belastung angesehen, da Arbeit und Freizeit häufig vermischt werden.

Die am Auswertungsseminar parallel durchgeführten Aktivitäten wurden durchweg positiv eingestuft, wenn auch mit einzelnen Einschränkungen: Für einige nahmen die Kreistänze zu viel Zeit in Anspruch, bei der auf der Wiese stattfindenden indianischen Tänze seien einige TeilnehmerInnen von Ameisen gebissen worden. Andererseits seien die Tänze eine ideale Vorbereitung auf die anschließende Baummeditation und die darauf basierende Selbstauswertung gewesen. Die Anwesenheit von drei Kleinkindern war phasenweise etwas anstrengend und muss für ein nächstes Treffen überdacht werden.

Abschließend sei hier allen gedankt, die zu diesem positiven Ergebnis beigetragen haben.

Gunde Schneider, Koordinatorin

Die JIM von der Ilha Santa Terezinha in Santo Amaro

Diesen Monat stellen sich die Jugendlichen aus der Gemeinde Ilha Santa Terezinha in Santo Amaro vor. Sie schildern, wie sie die Ausbildung zu Informationsmultiplikatoren erleben und welche ihre Lieblingsaktivitäten sind.

Alisson (12): Ich fühle mich  sehr wohl in der Gruppe AdoleScER, wo ich täglich neue Sachen lerne. Am besten gefällt es mir jeweils in der Theatergruppe, wo wir immer wieder neue Stücke inszenieren. Wäre ich nicht bei AdoleScER, würde ich meine Zeit auf der Strasse oder mit Video Games verbringen. Es tut mir gut, am abwechslungsreichen Unterricht und an den Aktivitäten zur Entspannung teilzunehmen. Ich stöbere auch gern in der  Bibliothek von AdoleScER herum.

Anderson (13):  Ich besuche bei AdoleScER am Montag den Computerunterricht und am Dienstag die Portugiesischlektionen sowie die Tanzstunden. Am Mittwoch meditieren wir jeweils, während wir am Donnerstag Theaterunterricht haben. Am Freitag steht  Allgemeinbildung auf dem Programm, im Moment behandeln wir gerade das Thema Jugend und Pubertät. Ich fühle mich sehr sicher und wohl bei AdoleScER. Ich bin aber auch bei mir zu Hause glücklich. Ich glaube, dass ich mich stark verändert habe. Ich bin nicht mehr schüchtern wie früher. Danke AdoleScER.

Bruna (14): Ich werde euch ein bisschen erzählen, was ich bei AdoleScER so mache. Ich habe hier sehr viel gelernt und mich dadurch in meiner Art zu denken, reden und handeln verändert. Ich fühle mich sehr wohl mit mir selbst! Ich nehme lieber an der Ausbildung von AdoleScER teil, als mich auf der Strasse herumzutreiben. Heute bin ich sogar freundlich mit meiner Mutter, von der ich mich früher immer sehr genervt fühlte.  Ich bin froh über die vielen Freundschaften, die ich hier bei AdoleScEr geschlossen habe. Ich mag die anderen JIM, die Peer Educators und auch die Koordinatoren.  Auch wenn wir ab und zu streiten: Wir sind eine Gruppe, die zusammenhält. Ich habe jetzt auch mehr Interesse an der Schule. AdoleScER war wie ein Lehrer für mich. Jetzt bin ich schon seit zwei Jahren dabei und hoffe, noch lange in dieser Gruppe bleiben zu können.

Cleberson (13):
Die Programme von AdoleScER, zum Beispiel der Theaterunterricht, gefallen mir sehr gut. Am wichtigsten finde ich die Portugiesischstunden, denn dort lerne ich sehr vieles, das mir weiterhilft. Ich glaube, dass ich manchmal ein bisschen ein Kindskopf bin und den Unterricht hie und da störe. Aber ich bessere mich langsam. Ich habe immer noch Hemmungen, wenn ich allein ein Thema vorstellen muss. Ich bin jetzt seit zweieinhalb Jahren bei AdoleScER, wäre ich nicht hier, würde ich auf der Strasse Unfug treiben.

Cristiano (13):
Ich lerne bei AdoleScER Theater, Tanzen, Portugiesisch, Allgemeinbildung und Ernährungsberatung. Daneben gehe ich jeden Tag zur Schule. Ich mag alle Aktivitäten, aber am liebsten das Theater. Unsere Peer Educators sind Tarciana, Jaqueline, Erickson und Derivalda. AdoleScER hat mein Verhalten verändert; vorher war ich immer auf der Strasse und habe die andern genervt.

Danilo (13): Ich bin jetzt in meinem zweiten Ausbildungsjahr bei AdoleScER. In dieser Zeit habe ich viel gelernt und viele meiner Zweifel überwunden. In der Gruppe habe ich die Peer Educators am liebsten, weil sie mir all die Aufmerksamkeit schenken, die ich brauche und auf die ich auch Anspruch habe. Von den Unterrichtsfächern gefallen mir die Theaterlektionen am besten. Ich habe schon immer davon geträumt, Schauspieler zu werden, und ich glaube daran, dass ich hier bei AdoleScER diesem Ziel näher komme. Nur weil ich arm bin, heiβt das nicht, dass ich im Leben nicht weiter kommen kann. Am liebsten verbringe meine Zeit in der Adoleteca (Anmerkung: eine Bibliothek, die die JIM zusammen mit den Peer Educators aufgebaut haben). Denn lesend lerne ich. Die Pädagogikstudentin Mirelle hat mit uns einen Buchstabierungs-Wettbewerb durchgeführt; ich habe zwar nicht genügend gelernt, aber dennoch gewonnen! Ohne AdoleScER wäre ich die meiste Zeit auf der Strasse und würde Sachen machen, die ich nicht sollte.  Jetzt glaube ich fest daran, dass ich im Leben etwas erreichen kann. Selbst wenn ich während der Ausbildungszeit bei AdoleScER nicht so weit kommen sollte, wie ich möchte, werde ich nicht aufgeben. Bevor ich zur Gruppe kam, war ich immer auf der Strasse, habe Sachen zerstört und auch sonst vieles falsch gemacht. Niemand mochte mich. Jetzt haben mich alle Nachbarinnen gern, und viele Menschen in meiner Umgebung halten mich für einen guten Freund.

Elivelton (13): Ich bin klein, schwarz und stark. Ich kam mit 12 zu AdoleScER und bin jetzt seit eineinhalb Jahren dabei. In dieser Zeit habe ich viel gelernt. In der Allgemeinbildung erfuhr ich vieles über die Pubertät, das ich nicht wusste. Dass es so etwas wie Meditation gibt, war mir völlig neu. Im Portugiesischunterricht mit Lúcia habe ich gelernt, was ein Slogan und was ein Logo ist. Zum Theaterunterricht mit Erickson und Jaqueline wollte ich am Anfang nicht hingehen, aber jetzt mag ich auch diese Stunden sehr. Früher trieb ich mich immer auf der Strasse herum. Meine Tante hat mich dann zuerst drei Jahre in Nachhilfekurse einer Kirche geschickt und danach  zu AdoleScER. Jetzt bin ich ein ruhiger Junge, aber nicht zu ruhig.
Gabriel (12): Ich nehme bei AdoleScER am Tanz- und Theaterunterricht, den Portugiesischlektionen und den Stunden über richtige Ernährung teil. Einiges habe ich schon gewusst, aber jetzt bin ich auf allen diesen Gebieten viel weiter.

Guilherme (10): Wissen Sie,  warum ich gern bei AdoleScER bin? Weil es so toll ist und ich an allen Aktivitäten gern teilnehme. Am besten gefallen mir der Tanz- und der Theaterunterricht. Ich gehöre erst seit einem Jahr zu AdoleScER. Ich lese sehr gern in der Adoleteca.

Jadson (12):  Als ich zu AdoleScER kam, war ich sehr schüchtern. Ich hatte Hemmungen bei allem, was ich machte. Wenn ich eine Frage stellen sollte, war es genauso, wie wenn ich eine Antwort geben musste. Jetzt habe ich damit keine Probleme mehr. Ich fühle mich wohl als JIM und habe die Leute hier sehr gerne. Ich mag alle Aktivitäten, am liebsten Portugiesisch, Theater und Ernährungsberatung. Ich habe alle Peer Educators gern und bin froh, hier zu sein anstatt auf der Strasse. Ich hoffe, mein Text gefällt euch. Tschüüüüsss.

Levi (14): Ich bin jetzt seit ein eineinhalb Jahre bei der Gruppe AdoleScER, und kann euch sagen, dass AdoleScER eine ernste Sache ist! Jede Aktivität verläuft genau nach Stundenplan. Wenn es Zeit zum Spielen ist, ist es Zeit zum Spielen, und wenn es Zeit zum Lernen ist, ist es Zeit zum Lernen. Das gilt für alle, und wir sind uns alle bewusst, worum es geht. Ich mache beim Tanzen, dem Portugiesisch, der Allgemeinbildung und der Ernährungsberatung mit.  Mir gefallen alle Aktivitäten, nur das Tanzen mag ich nicht so sehr. Jeder und jede in unserer Gruppe ist heute gebildeter und besser erzogen. Vielen Dank an alle!

Marcos (12):  Die Gruppe AdoleScER bietet viele gute Aktivitäten an. Ich schätze vor allem das Theater und habe das Gefühl, ein guter Schauspieler zu sein. Wir haben in unserem Viertel eine Bibliothek eingerichtet und sie Adoleteca getauft. Ich wurde gewählt, um sie zu verwalten.

Mayra (15): AdoleScER bedeutet mir sehr viel, denn hier habe ich die guten Seiten des Lebens kennen gelernt -  zum Beispiel in den interessanten Diskussionen über die Menschenrechte. Was ich hier im Verlauf eines Jahres gelernt und erfahren habe, wird mir mein ganzes Leben lang nützlich sein. Wir machen hier so faszinierende Sachen wie Volkstanz und Theater. Beim Theaterunterricht lernen wir Jugendlichen, Hemmungen abzubauen und ungezwungener zu sein. Wir haben ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl. Natürlich gibt es auch bei uns Meinungsverschiedenheiten und Konflikte, aber es gelingt uns immer, unsere Probleme mit einem kühlen Kopf zu lösen. Wir sind wie eine groβe Familie. Zu ihr gehören die JIM, die Peer Educators, die Lehrkräfte und die Koordinatoren, aber auch viele Menschen, die uns aus der Ferne unterstützen. Menschen mit einem guten Herzen, die sich für unser Schicksal interessieren und gemeinsam mit uns versuchen,  eine gerechtere Gesellschaft aufzubauen.

Renan (14): Am Anfang war ich ein  schlechter JIM. Ich habe auch oft gefehlt. Aber die Peer Educators haben immer wieder das Gespräch mit mir gesucht, bis ich mich schlieβlich beruhigt habe. Jetzt schwänze ich nicht mehr. Ich habe mich  in der Gruppe stark verändert. Ich bin gewachsen und lerne immer besser, was richtig und was falsch ist. Die Peer Educators kümmern sich gut um mich. Wäre ich nicht bei AdoleScER, wäre ich entweder auf der Strasse oder zu Hause vor dem Fernseher.

Williams (14): Bevor ich zu AdoleScER kam, habe ich immer auf der Strasse herum gelungert. Oder ich saβ vor dem TV-Apparat,  verschlief den Tag oder suchte Streit mit irgendjemandem. Seit ich bei AdoleScER bin, hat sich vieles verändert und ich habe viel gelernt. Ich weiβ nun, wie ich mich richtig verhalten muss und wie ich meine Kenntnisse weitergeben kann. Ich bin jetzt ein JIM: ein jugendlicher Informationsmultiplikator! Ich halte mich für einen sehr ehrlichen und offenen Menschen, der den anderen alles direkt ins Gesicht sagt.