20.06.2008

Studentinnen der UFPE bei AdoleScER

AdoleScER  kooperiert mit mehreren Universitäten in Recife. Studentinnen und Studenten erhalten dadurch die Möglichkeit, praktische Erfahrungen mit Jugendarbeit in Armenvierteln zu sammeln. Drei Studentinnen schildern im folgenden Beitrag, wie sie den jugendlichen Informationsmultiplikatoren (JIM) Wissen aus ihrem Fachbereich vermitteln und was ihnen selbst dieser Einsatz bringt.

Die Professorin Jaílma Santos von der Abteilung für Ernährung an der Bundesuniversität von Pernambuco, arbeitet seit 2004 mit AdoleScER zusammen. Gemeinsam mit Studentinnen und Studenten bietet sie Kurse über richtige Ernährung an. Wir, Adriana, Priscila und Flávia, sind drei Studentinnen, die ein solches Praktikum  in den Gemeinden Santo Amaro und Santa Luzia absolvierten und dieses im Juni abgeschlossen haben.

Unser Unterricht hatte das Ziel, den Jugendlichen die vielfältigen Möglichkeiten einer gesunden Ernährung aufzuzeigen und sie vor den Gefahren einer einseitigen Verpflegung zu warnen.

Die Erfahrung mit den Jugendlichen war sehr bereichernd. Wir haben uns bemüht, die Lektionen abwechslungsreich zu gestalten, indem wir u. a. Spiele und Workshops einbauten. Dadurch konnten wir ihre Aufmerksamkeit fesseln und ihnen umfassende Informationen über die Wichtigkeit einer ausgeglichenen Ernährung vermitteln. Wir haben in den vergangenen drei Monaten aber nicht nur Wissen weitergegeben, sondern auch selber viel gelernt. Wir erhielten Einblick in die Lebensart dieser jungen Menschen und erkannten, unter welchen schwierigen Bedingungen und mit welchem großen persönlichen Einsatz sie nach besseren Lebensperspektiven suchen müssen.  Durch unsere Arbeit vor Ort erfuhren wir auf ganz direkte Weise, wie wichtig es ist, dass wir das, was wir an der Uni gelernt haben, auch weiter verbreiten. Und es ist uns klar geworden, wie wichtig Nichtregierungsorganisationen wie AdoleScER für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft sind.

Die JIM aus Santa Luzia und Santo Amaro, die unseren Unterricht besucht haben, waren stets aufmerksam und lernbegierig. Ihr großes Interesse war für uns eine Verpflichtung und ein zusätzlicher Ansporn,  sie so weit als immer möglich an unserem Wissen teilhaben zu lassen.

Adriana, Priscila und Flávia

Besuch aus Deutschland

Ende Mai besuchte eine Gruppe junger Deutscher, die sich zurzeit in Brasilien aufhält,  AdoleScER. Sarah Preuss, Fredy Arnsperger, Jens Schlötterer und Martin kamen vom Centro de Recuperação Vida Vova aus dem südlichen Bundesstaat Paraná. Moema Hees reiste von João Pessoa an, wo sie ein Praktikum macht. Laura Büning absolviert gegenwärtig ein Volontariat bei Caritas Recife. Drei der Gäste, Jens, Sarah und Laura, berichten in diesem Beitrag, was ihnen der Tag bei AdoleScER gebracht hat.

Sarah Preuss
Auf unserer Reise im Nordosten Brasiliens kamen wir auch in Recife vorbei. Wir – das sind drei deutsche junge Männer und ich, Sarah. Über die Organisation Marburger Mission leisten wir zurzeit einen einjährigen Kurzzeiteinsatz in Rolândia/Paraná und sind dort in einem Drogenrehabilisationszentrum, dem CERVIN, tätig. Vom 12. Mai an gingen wir drei Wochen lang auf Brasilien-Tour, und dabei bot sich uns auch die Möglichkeit, die Arbeit von AdoleScER kennen zu lernen.

Als wir den Gruppenraum am Rande der Comunidade betraten, richteten sich in Windeseile 25 Augenpaare auf uns fremd aussehende Ankommende. Schnell wurde uns Platz gemacht und wir wurden herzlich gebeten, uns zusammen mit den anderen im Kreis auf dem Fußboden niederzulassen. Hier und da war ein verlegenes Kichern zu hören, und die lächelnden Gesichter verfolgten gespannt jede unserer Bewegungen.

Ein kleines Mädchen neben mir ergriff meine Hand: „Como a Senhora se chama? Wie heißen Sie?“ „Ich heiße Sarah,  nenn mich einfach nur Sarah.“ „Sarah!?“, flüsterte sie und kuschelte sich an mich. So zusammensitzend entwickelte sich bald ein Gespräch, in welchem wir uns gegenseitig über unsere Arbeit informierten und wir Gäste vor allem mehr über das bei AdoleScER angewandte Prinzip der jugendlichen Informationsmultiplikatoren (JIM) erfuhren.

Doch schon kurz darauf fanden wir uns inmitten einer Schar tanzender Jungen und Mädchen wieder, welche uns freudig einiges von dem bisher bei AdoleScER Gelernten präsentierte – Tänze, die von gegenseitiger Achtung und liebevollem Aufeinanderachtgeben sprachen und für die Kinder und Jugendlichen bereits einen wichtigen Teil ihres sich verändernden Lebens darstellten. „Schon nach kurzer Zeit lässt sich feststellen, dass sich unsere Kinder auch in ihren Familien und unter Freunden anders verhalten. Sie begegnen einander vor allem mit mehr Respekt“, informierte uns eine Mitarbeiterin.

Leider verstrich der Vormittag mit gemeinsamem Obstsalat-Essen und der Besichtigung des Hauses sowie der Comunidade viel zu schnell, und um die Mittagszeit mussten alle Kinder nach Hause aufbrechen.

Ich blieb beeindruckt und tief berührt zurück: Wie herzlich wurden wir in ihrer Mitte aufgenommen, mit welchem ehrlichen Interesse begegnete man uns. Wie strahlten diese Kinderaugen, als wir in kleinen Gruppen zusammenhockend voneinander erzählten und Späße machten – Augen, die schon so viel sahen, was sie nie hätten sehen sollen.

Es gibt viele Wege, dem Elend auf dieser Welt entgegenzutreten. Einer der besten ist mit Sicherheit die Veränderung dieser jungen Generation. Diesen Kindern Hilfe zur Selbsthilfe zu geben und die kleinen Rücken zu stärken, damit sie trotz der Last auf ihren Schultern einer besseren Zukunft entgegengehen können – dies sollte ein Anliegen von uns allen sein.

Jens Schlötterer
Bei meiner Person handelt es sich um Jens Schlötterer, einen 20 Jahre alten Franken, der im vergangen Jahr seine Lehre als Industriemechaniker abgeschlossen hat. Auf die Frage, wie es weiter gehen soll, halfen mir ein Vortrag aus früher Kindheit und eine damals gefällte Entscheidung. Es ging dabei um einen Kurzeinsatz in einem Drogenrehazentrum Brasiliens. So kam es, dass ich nach einem Vorstellungsgespräch bei der Marburger Mission eine Zusage erhielt und jetzt als Freiwilliger im Cervin (Centro de Recuperação Vida Nova) sein darf.

In einem dreiwöchigen Urlaub quer durch Land und Kultur, konnte ich jede Menge Eindrücke sammeln und meinen Horizont erweitern.  Die Jugendarbeit von AdoleScER hat dazu einen guten Teil beigetragen. Ich habe so nochmals einen ganz anderen Blick auf dieses Land und seine Menschen bekommen. Da wir ziemlich spontan auf die Idee kamen, AdoleScER zu besuchen, waren wir sehr erfreut wie gut alles vorbereitet worden war. Wir durften die Arbeit "hautnah" mit der Gruppe Aprender Brincando in Santo Amaro miterleben, wo man uns gleich ins Programm einbezog. Bei den Spielen und dem Tanz konnte man den Kindern die Freude von den Augen ablesen. Durch Berichte und Erzählungen der Mitarbeiter vor Ort erhielten wir einen guten Einblick in die Aufgaben, Ziele und Pläne der Organisation. Im Grossen und Ganzen fand ich den Besuch sehr interessant. Ich wünsche dem AdoleScER -Team viel Freude und die nötige Ausdauer bei der Arbeit. An dieser Stelle ein dickes Dankeschön für die Möglichkeit zu diesem Einblick.


Laura Büning
50 Kindersandalen vor dem Eingang und drinnen 50 Kinderfüße in einem großen Kreis. So wurden wir im Zentrum von AdoleScER inmitten des Armenviertels Ilha Santa Terezinha in Santo Amaro empfangen, von dem aus die Aussicht auf eines der größten Shopping-Center Recifes wie blanke Ironie erscheint. Eine Wirklichkeit, die nicht akzeptiert werden darf.

In einer Vorstellungsrunde mit unterschiedlichsten brasilianischen Namen wiesen die Kinder und Jugendlichen immer wieder mit leuchtenden Augen darauf hin, wie sehr ihnen die im Kurs gelernten Spiele und Tänze gefallen. AdoleScER macht den Kindern Spaß, und Spaß ist wichtig bei der Vermittlung von Bildung. Dabei frage ich mich, wie es mit dem Spaßfaktor an deutschen Grundschulen aussieht.

Ich habe den Eindruck, dass Bildung in Brasilien leider immer noch ein Privileg darstellt und wesentlich mehr Druck auf die träge Politik ausgeübt werden müsste, damit sich an diesem Zustand etwas ändert.

Die Offenheit, mit der die Kinder uns begegneten, und das Interesse, uns kennen zu lernen, waren wirklich enorm. Wir wurden eingeladen, bei den Kreistänzen mitzumachen, wobei die Kinder natürlich die besten Lehrer waren. Ich glaube, dass die Bewegung im Tanzen auch der Beginn für die Bewegung eines mündigen Volkes sein kann, mit einem Bewusstsein, die eigenen Rechte einzufordern.

Am Abend durfte ich die Diplomübergabe an zehn jugendliche Informationsmultiplikatoren in Caranguejo miterleben. Die emotionale Atmosphäre und die sehr persönlichen Worte der Diplomierten haben mich sehr berührt. Und ich zweifle nicht daran, dass diese jungen Menschen viel bewegen werden.

AdoleScER – Voneinander lernen

Hannah Müggenburg, eine 22-jährige Psychologiestudentin aus Darmstadt, absolvierte im Februar und März 2008 ein zweimonatiges Praktikum bei AdoleScER und erhielt dabei einen umfassenden Einblick in die Arbeit unserer Organisation. Die Begegnung mit den Kindern und Jugendlichen in Armenvierteln hat ihren Horizont in einer Art und Weise erweitert, wie es in Deutschland nicht möglich gewesen wäre. Hier Hannahs Eindrücke:

„Die Arbeit beim Grupo AdoleScER hat mich sehr beeindruckt. Das auf dem Peer-Education-Prinzip beruhende Informationsmultiplikator-Konzept ermöglicht es, die widrigen Lebensumstände von der Basis her zu bekämpfen und Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten. Dabei geht es in erster Linie darum, die Schutzfaktoren, die Kinder davor bewahren, automatisch Teil des Teufelskreises aus Drogen, Gewalt und Armut zu werden, zu aktivieren und zu verstärken. Die Jugendlichen selbst wählten den sehr passenden Vergleich einer Lotuspflanze, die es trotz Schlamm und Abfall schafft, eine wunderschöne Blüte zu entfalten. Die Frucht bzw. zarte Blüte dieser Arbeit kann man bei AdoleScER oft jetzt schon bewundern, wenn man Kindern und Jugendlichen begegnet, die mit bewundernswerter Kraft den Umständen trotzen, feinfühlig, sensibel und nachdenklich sind.

Folgendes Beispiel aus Santo Amaro, einem der gewalttätigsten Elendsviertel in Recife, hat mir die Nachhaltigkeit und den unschätzbaren Wert der Arbeit von AdoleScER besonders deutlich vor Augen geführt: Obschon die Kinder ständig Zeuge überbordender Gewalt sind, ist die Gruppe hier wie eine große Familie. Jedem wird große Wertschätzung entgegen gebracht. Auch ich wurde sofort  integriert. Die Kinder und Jugendlichen übernehmen selbstverständlich Arbeiten und kümmern sich so um „ihr“ Haus, einen Platz der Ruhe und Freundschaft, an dem sie auch in ihrer Freizeit für kurze Zeit sorglos ihre Kindheit ausleben können. Angesichts der vielen Gewalttaten selbst in der kurzen Zeit, in der ich hier war, konnte ich am eigenen Körper nachempfinden, wie wichtig ein solcher Ort des Friedens ist.

Die besondere Philosophie von AdoleScER Informationsmultiplikatoren auszubilden, diese weiterzubeschäftigen und den Kindern und Jugendlichen neben Wissen vor allem Kompetenzen zu vermitteln, hat mich sehr überzeugt. So lernen die JIM nicht nur Fakten über Gesundheit, Bürgerrechte, Umwelt und sexuelle Aufklärung. Sie erwerben auch die Fähigkeit, ihre Rechte einzufordern, eine kritisch-reflektierende Haltung gegenüber gesellschaftlichen Gegebenheiten und das Selbstbewusstsein, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese auch vor anderen verständlich zu vertreten und Diskriminierungen aufgrund sozialer Stellung, Rasse, Ideologie oder Religion entgegenzuwirken. Außerdem wird ihnen beigebracht, Konflikte ohne Gewalt zu lösen. Die Akzeptanz und Glaubwürdigkeit ist wesentlich größer, wenn Jugendliche anstatt Erwachsene als Lehrer und Vorbilder auftreten.

Ich habe von den Kindern und Jugendlichen bei AdoleScER gelernt, dass man es zuerst schaffen muss, „zu sich selbst gut zu sein“, um auch anderen ehrlich Gutes tun zu können. Wieder in Deutschland angekommen, stellt sich mir oft die Frage ob wir – uns immerzu als die fortgeschrittene Gesellschaft bezeichnend -  nicht schon an diesem ersten Schritt scheitern. Ob die Gründe darin zu finden sind, dass wir nicht genug genießen können, was wir haben, uns immerzu in die falsche Richtung mit anderen vergleichen oder schlichtweg nicht erkennen, welche unschätzbaren und schon alltäglichen Reichtümer (Sicherheit, Heim, Sauberkeit, etc.) sich uns bieten? Vielleicht sollten wir uns in dieser Hinsicht einmal ein Beispiel an einer anderen Kultur nehmen, der so viele unserer selbstverständlichen Besitztümer verwehrt sind, aus der aber dennoch wunderbare, wertvolle und oft sogar zufriedene und glückliche Menschen erwachsen. Vielleicht können wir dadurch den Menschen in diesen Ländern einiges zurückgeben und endlich wieder mehr Gutes tun.

Abschließend lässt sich sagen, dass diese Kinder, die den Anschein haben, so wenig zu besitzen (sowohl materiell als auch an Wissen), es geschafft haben meinen Horizont so zu erweitern, wie es in Deutschland nicht möglich gewesen wäre. Trotz aller Unterschiede gehören wir alle in dieser Welt zusammen und können immer wieder voneinander lernen.
Ich blicke auf eine sehr wertvolle Zeit zurück, in der ich mit erdrückender Armut und Gewalt konfrontiert wurde, aber auch unglaublich viel lernen durfte und vielen tollen Menschen begegnet bin...Ich danke allen, die mir dies ermöglicht haben, und werde sicherlich zurückkehren.

Hannah Müggenburg

Ernste Gespräche und heiteres Zusammensein

Fachkräfte, Peer Educators, Gesamtleitung und Hauspersonal von AdoleScER trafen sich am 12. und 13. Juni in Aldeia zu einem Auswertungsseminar. Die Zeit war knapp, aber bereichernd für alle.

Interne Auswertungsmomente gibt es bei AdoleScER regelmäßig monatlich und, je nach Bedarf auch häufiger, und zwar zwischen Mitarbeitern, Peer Educators und Jugendlichen in Ausbildung. Aber besonders spannend ist es, wenn wir die Möglichkeit haben, an einem ruhigen Ort die Arbeit in allen ihren Facetten und Bereichen in aller Offenheit zu diskutieren: über Themenauswahl, Programme, Methodologie, zwischenmenschliche Beziehungen, aber auch über logistische Fragen wie Verwaltung in den einzelnen Jugendzentren und am Hauptsitz, didaktisches Material, Imbiss und Transportprobleme. Zwei Tage versammelten wir (8 Fachkräfte, 16 Peer Educators und unsere 3 Mitarbeiter vom Hauptsitz) uns in einem Tagungszentrum ca. 10 km von Recife entfernt, im hügeligen Wald von Aldeia: eine wunderschöne Landschaft mit Obstbäumen und Wiesen, einem sauberen Bach. Einfache, aber zweckmäßige Infrastruktur und gesundes, reichhaltiges Essen machten uns den Aufenthalt zu einem speziellen Erlebnis. Selbst Tag- und Nachtmücken konnten uns nicht viel anhaben, denn wir hatten uns mit Schutzmitteln eingedeckt. Manch eine(r) klagte über die vielen Steigungen, die es zwischen den einzelnen Häusern des Zentrums zu überwinden gab, aber die Wege in tiefem Grün ließen die Müdigkeit bald vergessen.

Das übliche Dilemma der effizienten Zeiteinteilung, die allen Bedürfnissen und Notwendigkeiten (Auswertungssitzungen, gruppendynamischen Aktivitäten und Freizeit) gerecht werden sollten, konnten wir auch diesmal nicht ideal lösen: Die zwei Tage waren einfach zu knapp, dafür aber intensiv und bereichernd!

Die Besprechungen wurden zunächst in verschiedenen Gruppen mit entsprechend vorbereiteten thematischen Punkten durchgeführt. Erst am zweiten Tag wurden die Ergebnisse im Plenum vorgestellt und diskutiert. Sie sollen hier zusammengefasst werden:

Positive Resultate:

    * Es existiert bei allen eine große Zufriedenheit, was den Arbeitsauftrag bei AdoleScER angeht;
    * Die positive und schnelle Entwicklung der betreuten Kinder und Jugendlichen, vor allem ihre abnehmende Gewaltbereitschaft, wird von den Peer Educators und Fachkräften als besonders motivierend hervorgehoben;
    * Die klaren Themenvorgaben und hervorragenden Planungen jeder Aktivität werden als besondere Stärke der pädagogischen Arbeit von AdoleScER erwähnt;
    * Die Nähe zur Zielgruppe auch außerhalb der Arbeitszeit wird von den Peer Educators als wichtig für die Vertrauensbildung und als Basis für eine rasche Identitätsfindung zur Gruppe AdoleScER herausgestellt;
    * Steigende Anerkennung der Peer Educators in ihren Gemeinden sowie in anderen Organisationen;
    * Eine unbürokratische und flexible Zusammenarbeit mit der Verwaltung und Leitung von AdoleScER;
    * Supervision von Fachkräften vor Ort ermöglicht Inputs und bei Bedarf schnelle Korrekturen.

Schwierigkeiten / Herausforderungen:

    * Unvollständige Einrichtungen der Jugendzentren vor Ort (fehlende PCs, audio-visuelle Geräte, Küchen- und sonstiges Mobiliar);
    * Anstehende Reparaturen an den Jugendzentren in den Projektstandorten, vor allem jetzt in der Regenzeit;
    * Hohe Arbeitsbelastung der Peer Educators, vor allem in Santa Luzia, wo nur zwei für alle Aktivitäten verantwortlich sind.
    * Die positiv hervorgehobene Nähe zur Zielgruppe wird andererseits auch als eine zusätzliche Belastung angesehen, da Arbeit und Freizeit häufig vermischt werden.

Die am Auswertungsseminar parallel durchgeführten Aktivitäten wurden durchweg positiv eingestuft, wenn auch mit einzelnen Einschränkungen: Für einige nahmen die Kreistänze zu viel Zeit in Anspruch, bei der auf der Wiese stattfindenden indianischen Tänze seien einige TeilnehmerInnen von Ameisen gebissen worden. Andererseits seien die Tänze eine ideale Vorbereitung auf die anschließende Baummeditation und die darauf basierende Selbstauswertung gewesen. Die Anwesenheit von drei Kleinkindern war phasenweise etwas anstrengend und muss für ein nächstes Treffen überdacht werden.

Abschließend sei hier allen gedankt, die zu diesem positiven Ergebnis beigetragen haben.

Gunde Schneider, Koordinatorin

Die JIM von der Ilha Santa Terezinha in Santo Amaro

Diesen Monat stellen sich die Jugendlichen aus der Gemeinde Ilha Santa Terezinha in Santo Amaro vor. Sie schildern, wie sie die Ausbildung zu Informationsmultiplikatoren erleben und welche ihre Lieblingsaktivitäten sind.

Alisson (12): Ich fühle mich  sehr wohl in der Gruppe AdoleScER, wo ich täglich neue Sachen lerne. Am besten gefällt es mir jeweils in der Theatergruppe, wo wir immer wieder neue Stücke inszenieren. Wäre ich nicht bei AdoleScER, würde ich meine Zeit auf der Strasse oder mit Video Games verbringen. Es tut mir gut, am abwechslungsreichen Unterricht und an den Aktivitäten zur Entspannung teilzunehmen. Ich stöbere auch gern in der  Bibliothek von AdoleScER herum.

Anderson (13):  Ich besuche bei AdoleScER am Montag den Computerunterricht und am Dienstag die Portugiesischlektionen sowie die Tanzstunden. Am Mittwoch meditieren wir jeweils, während wir am Donnerstag Theaterunterricht haben. Am Freitag steht  Allgemeinbildung auf dem Programm, im Moment behandeln wir gerade das Thema Jugend und Pubertät. Ich fühle mich sehr sicher und wohl bei AdoleScER. Ich bin aber auch bei mir zu Hause glücklich. Ich glaube, dass ich mich stark verändert habe. Ich bin nicht mehr schüchtern wie früher. Danke AdoleScER.

Bruna (14): Ich werde euch ein bisschen erzählen, was ich bei AdoleScER so mache. Ich habe hier sehr viel gelernt und mich dadurch in meiner Art zu denken, reden und handeln verändert. Ich fühle mich sehr wohl mit mir selbst! Ich nehme lieber an der Ausbildung von AdoleScER teil, als mich auf der Strasse herumzutreiben. Heute bin ich sogar freundlich mit meiner Mutter, von der ich mich früher immer sehr genervt fühlte.  Ich bin froh über die vielen Freundschaften, die ich hier bei AdoleScEr geschlossen habe. Ich mag die anderen JIM, die Peer Educators und auch die Koordinatoren.  Auch wenn wir ab und zu streiten: Wir sind eine Gruppe, die zusammenhält. Ich habe jetzt auch mehr Interesse an der Schule. AdoleScER war wie ein Lehrer für mich. Jetzt bin ich schon seit zwei Jahren dabei und hoffe, noch lange in dieser Gruppe bleiben zu können.

Cleberson (13):
Die Programme von AdoleScER, zum Beispiel der Theaterunterricht, gefallen mir sehr gut. Am wichtigsten finde ich die Portugiesischstunden, denn dort lerne ich sehr vieles, das mir weiterhilft. Ich glaube, dass ich manchmal ein bisschen ein Kindskopf bin und den Unterricht hie und da störe. Aber ich bessere mich langsam. Ich habe immer noch Hemmungen, wenn ich allein ein Thema vorstellen muss. Ich bin jetzt seit zweieinhalb Jahren bei AdoleScER, wäre ich nicht hier, würde ich auf der Strasse Unfug treiben.

Cristiano (13):
Ich lerne bei AdoleScER Theater, Tanzen, Portugiesisch, Allgemeinbildung und Ernährungsberatung. Daneben gehe ich jeden Tag zur Schule. Ich mag alle Aktivitäten, aber am liebsten das Theater. Unsere Peer Educators sind Tarciana, Jaqueline, Erickson und Derivalda. AdoleScER hat mein Verhalten verändert; vorher war ich immer auf der Strasse und habe die andern genervt.

Danilo (13): Ich bin jetzt in meinem zweiten Ausbildungsjahr bei AdoleScER. In dieser Zeit habe ich viel gelernt und viele meiner Zweifel überwunden. In der Gruppe habe ich die Peer Educators am liebsten, weil sie mir all die Aufmerksamkeit schenken, die ich brauche und auf die ich auch Anspruch habe. Von den Unterrichtsfächern gefallen mir die Theaterlektionen am besten. Ich habe schon immer davon geträumt, Schauspieler zu werden, und ich glaube daran, dass ich hier bei AdoleScER diesem Ziel näher komme. Nur weil ich arm bin, heiβt das nicht, dass ich im Leben nicht weiter kommen kann. Am liebsten verbringe meine Zeit in der Adoleteca (Anmerkung: eine Bibliothek, die die JIM zusammen mit den Peer Educators aufgebaut haben). Denn lesend lerne ich. Die Pädagogikstudentin Mirelle hat mit uns einen Buchstabierungs-Wettbewerb durchgeführt; ich habe zwar nicht genügend gelernt, aber dennoch gewonnen! Ohne AdoleScER wäre ich die meiste Zeit auf der Strasse und würde Sachen machen, die ich nicht sollte.  Jetzt glaube ich fest daran, dass ich im Leben etwas erreichen kann. Selbst wenn ich während der Ausbildungszeit bei AdoleScER nicht so weit kommen sollte, wie ich möchte, werde ich nicht aufgeben. Bevor ich zur Gruppe kam, war ich immer auf der Strasse, habe Sachen zerstört und auch sonst vieles falsch gemacht. Niemand mochte mich. Jetzt haben mich alle Nachbarinnen gern, und viele Menschen in meiner Umgebung halten mich für einen guten Freund.

Elivelton (13): Ich bin klein, schwarz und stark. Ich kam mit 12 zu AdoleScER und bin jetzt seit eineinhalb Jahren dabei. In dieser Zeit habe ich viel gelernt. In der Allgemeinbildung erfuhr ich vieles über die Pubertät, das ich nicht wusste. Dass es so etwas wie Meditation gibt, war mir völlig neu. Im Portugiesischunterricht mit Lúcia habe ich gelernt, was ein Slogan und was ein Logo ist. Zum Theaterunterricht mit Erickson und Jaqueline wollte ich am Anfang nicht hingehen, aber jetzt mag ich auch diese Stunden sehr. Früher trieb ich mich immer auf der Strasse herum. Meine Tante hat mich dann zuerst drei Jahre in Nachhilfekurse einer Kirche geschickt und danach  zu AdoleScER. Jetzt bin ich ein ruhiger Junge, aber nicht zu ruhig.
Gabriel (12): Ich nehme bei AdoleScER am Tanz- und Theaterunterricht, den Portugiesischlektionen und den Stunden über richtige Ernährung teil. Einiges habe ich schon gewusst, aber jetzt bin ich auf allen diesen Gebieten viel weiter.

Guilherme (10): Wissen Sie,  warum ich gern bei AdoleScER bin? Weil es so toll ist und ich an allen Aktivitäten gern teilnehme. Am besten gefallen mir der Tanz- und der Theaterunterricht. Ich gehöre erst seit einem Jahr zu AdoleScER. Ich lese sehr gern in der Adoleteca.

Jadson (12):  Als ich zu AdoleScER kam, war ich sehr schüchtern. Ich hatte Hemmungen bei allem, was ich machte. Wenn ich eine Frage stellen sollte, war es genauso, wie wenn ich eine Antwort geben musste. Jetzt habe ich damit keine Probleme mehr. Ich fühle mich wohl als JIM und habe die Leute hier sehr gerne. Ich mag alle Aktivitäten, am liebsten Portugiesisch, Theater und Ernährungsberatung. Ich habe alle Peer Educators gern und bin froh, hier zu sein anstatt auf der Strasse. Ich hoffe, mein Text gefällt euch. Tschüüüüsss.

Levi (14): Ich bin jetzt seit ein eineinhalb Jahre bei der Gruppe AdoleScER, und kann euch sagen, dass AdoleScER eine ernste Sache ist! Jede Aktivität verläuft genau nach Stundenplan. Wenn es Zeit zum Spielen ist, ist es Zeit zum Spielen, und wenn es Zeit zum Lernen ist, ist es Zeit zum Lernen. Das gilt für alle, und wir sind uns alle bewusst, worum es geht. Ich mache beim Tanzen, dem Portugiesisch, der Allgemeinbildung und der Ernährungsberatung mit.  Mir gefallen alle Aktivitäten, nur das Tanzen mag ich nicht so sehr. Jeder und jede in unserer Gruppe ist heute gebildeter und besser erzogen. Vielen Dank an alle!

Marcos (12):  Die Gruppe AdoleScER bietet viele gute Aktivitäten an. Ich schätze vor allem das Theater und habe das Gefühl, ein guter Schauspieler zu sein. Wir haben in unserem Viertel eine Bibliothek eingerichtet und sie Adoleteca getauft. Ich wurde gewählt, um sie zu verwalten.

Mayra (15): AdoleScER bedeutet mir sehr viel, denn hier habe ich die guten Seiten des Lebens kennen gelernt -  zum Beispiel in den interessanten Diskussionen über die Menschenrechte. Was ich hier im Verlauf eines Jahres gelernt und erfahren habe, wird mir mein ganzes Leben lang nützlich sein. Wir machen hier so faszinierende Sachen wie Volkstanz und Theater. Beim Theaterunterricht lernen wir Jugendlichen, Hemmungen abzubauen und ungezwungener zu sein. Wir haben ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl. Natürlich gibt es auch bei uns Meinungsverschiedenheiten und Konflikte, aber es gelingt uns immer, unsere Probleme mit einem kühlen Kopf zu lösen. Wir sind wie eine groβe Familie. Zu ihr gehören die JIM, die Peer Educators, die Lehrkräfte und die Koordinatoren, aber auch viele Menschen, die uns aus der Ferne unterstützen. Menschen mit einem guten Herzen, die sich für unser Schicksal interessieren und gemeinsam mit uns versuchen,  eine gerechtere Gesellschaft aufzubauen.

Renan (14): Am Anfang war ich ein  schlechter JIM. Ich habe auch oft gefehlt. Aber die Peer Educators haben immer wieder das Gespräch mit mir gesucht, bis ich mich schlieβlich beruhigt habe. Jetzt schwänze ich nicht mehr. Ich habe mich  in der Gruppe stark verändert. Ich bin gewachsen und lerne immer besser, was richtig und was falsch ist. Die Peer Educators kümmern sich gut um mich. Wäre ich nicht bei AdoleScER, wäre ich entweder auf der Strasse oder zu Hause vor dem Fernseher.

Williams (14): Bevor ich zu AdoleScER kam, habe ich immer auf der Strasse herum gelungert. Oder ich saβ vor dem TV-Apparat,  verschlief den Tag oder suchte Streit mit irgendjemandem. Seit ich bei AdoleScER bin, hat sich vieles verändert und ich habe viel gelernt. Ich weiβ nun, wie ich mich richtig verhalten muss und wie ich meine Kenntnisse weitergeben kann. Ich bin jetzt ein JIM: ein jugendlicher Informationsmultiplikator! Ich halte mich für einen sehr ehrlichen und offenen Menschen, der den anderen alles direkt ins Gesicht sagt.

18.06.2008

Bananenschalekuchen

Zutaten

2 Tassen reife Bananenschalen
4 Eigelb
4 Eiweiss
2 ½ Tassen Zucker
3 Tassen Weizenmehl
5 gestrichene Suppenlöffel Margarine
10 g oder 2 Suppenlöffel Hefe
Zimtpulver

Zubereitung

Die Bananenschalen mit einer halben Tasse Wasser im Mixer zermahlen. Ruhen lassen. In einer Schüssel die Margarine, das Eiweiss und den Zucker zu einer glatten Masse schlagen. Die zermahlten Banananeschalen, das Weizenmehl und die Hefe hinzufügen. Als letztes das geschlagene Eiweiss hinzufügen, die Masse sorgfältig in eine eingefettete Kuchenform legen und mit Zimt bestreuen. Ca. 30 bis 35 Minuten bei mittlerer Temperatur im Ofen backen.

Gemüsesuppe

Zutaten

5 Kartoffeln

1 grosse Zwiebel
1 kleine Paprika
2 Knoblauchzehen
1 Stück Ingwer
2 grosse Tomaten
2 grosse Karotten
50 ml Öl
1 Dose (200g) Maiskörner
Koriander
Salz

Zubereitung


Die Kartoffeln mit Schale weich kochen und mit dem Kochwasser im Mixer zu einer Creme zermahlen. In einer Pfanne mit Öl die Zwiebel, den Knoblauch, die Paprika und den Ingwer anbraten. Die Kartoffelcreme hinzufügen und aufkochen lassen. Falls nötig, etwas Wasser hinzufügen. Die geschnetzelte Karotten, die Maiskörner und den Koriander hinzufügen. Salzen und so lange kochen, bis die Karotten weich sind.


Anmerkung: Es können beliebige Gemüsesorten sowie vor dem Servieren Reibkäse hinzugefügt werden.

Kürbisbrot

Zutaten

10g oder 2 Suppenlöffel Hefe

1Teelöffel Zucker
1 ½ Tassen Milch
1 Suppenlöffel Salz
2 ½ Tassen gekochter Kürbis
4 Suppenlöffel Öl
8 Tassen Weizenmehl
2 Tassen grobes Maismehl

Zubereitung


Die Hefe mit dem Weizenmehl vermischen. In einer zweiten Schüssel die restlichen Zutaten vermischen. In kleinen Portionen die Hefe-Weizenmehl-Mischung hinzufügen und rühren. Kneten, bis der Teig sich leicht  von den Fingern löst. Zudecken und ruhen lassen. Den Teig zu Brötchen formen und in einer eingefetteten Form in den Ofen schieben. Bei niedriger Temperatur ca. 45 Minuten backen.

Ananasschalensaft mit Ingwer

Zutaten
2 Ananas
1 Stück Ingwer
½ kg Zucker

Zubereitung

Die Ananasschale, den Ingwer und den Zucker mit Wasser im Mixer vermischen Danach die Flüssigkeit durch ein Sieb in einen Krug gieβen, kühlen – und in vollen Zügen genieβen.