05.07.2008

Wasserratten aus Santa Luzia

Kinder und Jugendliche von „Aprender Brincando“ aus Santa Luzia erlebten am 18. Juli einen abwechslungsreichen und vergnüglichen Nachmittag im Schwimmbad.

Wir trafen uns gegen zwei Uhr mit den 13 Kindern und marschierten dann alle zusammen von Santa Luzia nach Cordeiro zum Hauptsitz von AdoleScER. Dort ließen wir die Kinder relativ frei im Schwimmbad spielen. Sie veranstalteten Wettschwimmen, unterhielten sich mit Fangspielen und verbesserten ihre Schwimmkünste. Die Sonne schien, und die Kinder hatten sehr viel Spaß. Selbst jene, die im Wasser mit der Zeit kalt bekamen, wollten nicht aufhören zu baden. Wir mussten sie zwischendurch immer wieder an die Sonne schicken, damit sie sich etwas aufwärmten. Leider ging die Zeit viel zu schnell vorbei. Um 15.30 bekamen alle eine Zwischenverpflegung, danach mussten wir bereits wieder aufbrechen und nach Santa Luzia zurückkehren.

Mit unserem Ausflug ins Schwimmbad wollten wir den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, für ein paar Stunden der Enge ihres Wohnviertels zu entfliehen und ihnen etwas Abwechslung zum gewohnten Spielplatz bieten. Der Nachmittag trug aber auch dazu bei, das Gruppengefühl und Freundschaften zu stärken.

Die Teilnehmer waren begeistert und genossen diese Ferienaktivität. Auf dem Heimweg hatten wir dann allerdings ein kleines Problem: Plötzlich brach ein Platzregen über uns aus. Schließlich kamen aber doch alle gut nach Hause.

Cilene und Antônio

Eine Woche lang richtig Theater gemacht

In einem Ferienworkshop zum Thema „Theater und Geschichten erzählen“ haben am AdoleScER-Standort Santo Amaro zehn JIM eine Woche lang ihre Kreativität ausgelebt. Alle waren mit Feuereifer dabei, und es wurde sogar ein „Oscar“ verliehen.
 
Zu Beginn des Workshops stimmten die Peer Educators Tarciana und Erickson in Zusammenarbeit mit den JIM Danilo, Anderson, Marcos und Williams die Gruppe mit einer Mini-Superproduktion über den möglichen Ursprung des chinesischen Schattentheater auf das Thema ein. Danach waren die zwei Mädchen und acht Jungs, die sich am Kurs beteiligten, am Zug. Sie konnten im Ferienkurs vielfältige Erfahrungen sammeln. Sie halfen bei der Vorbereitung und dem Aufbau der Szenarien mit, erhielten einen direkten Einblick in die Schauspielerei, tanzten viel und befassten sich auch mit der Bedeutung der Musik als Hintergrundelement. Die Hauptaktivität bestand jedoch in der Erarbeitung eines eigenen Theaterstücks. Diese Arbeit wurde leider dadurch erschwert, dass einzelne Teilnehmer ausstiegen. Der Eifer, mit dem die verbliebenen JIM sich ans Werk machten, ließ sie die Abwesenheit der anderen aber schnell vergessen.

Die Jugendlichen präsentierten am letzten Tag des Workshops zwei Stücke. Die eine Gruppe, der Williams, Alisson und Marcos angehörten, beschäftigte sich in einer sehr unterhaltsamen und lustigen Aufführung mit Magie und Fantasie. Danilo, Cleberson, Jadson und Anderson, die Mitglieder der zweiten Gruppe, wählten für ihr Theaterstück eine Geschichte über Liebe, Eitelkeit und Freude, die deutlich machte, das letztlich die Liebe das Maß aller Dinge sein sollte.

Nach den Aufführungen der beiden Werke fand eine „Oscar-Verleihung“ statt. Das erste Stück erhielt den Preis für die beste Actiongeschichte, das zweite wurde für die beste Botschaft ausgezeichnet. Als Höhepunkt wurde Danilo zum besten Schauspieler des Workshops erkoren.

Die JIM haben in dieser Woche ihre Kreativität gestärkt und auch im technischen Bereich Fortschritte gemacht. Besonders deutlich zeigten sich die positiven Effekte beim Schattentheater. Aber auch beim Schreiben und Einstudieren ihrer eigenen Theaterstücke erbrachten die Jugendlichen bemerkenswerte Leistungen und kümmerten sich wirklich um alles. Ihr Interesse am Geschichten erzählen war ebenfalls groß. Die JIM kamen immer etwas früher und bereiteten alles vor oder probten sogar schon. Nachdem sie die von den Peer Educators für den Workshop ausgewählten Videos gesehen hatten, trugen sie unaufgefordert zusätzliches Material zusammen und stellten es der Gruppe zur Verfügung.

Zum Abschluss des Kurses fand eine kurze Auswertung statt. Das einhellige Urteil: Der Workshop war ein Erfolg.

Erickson und Tarciana

Psychomotorik durch Tanz

Am 16. Juli haben wir mit 18 Kindern von „Aprender Brincando“ in São Lourenço einen Workshop mit psychomotorischen Tänzen durchgeführt.

Wir Peer Eductaors wählten drei Tänze aus, die auf das Alter der fünf Jungen und dreizehn Mädchen zugeschnitten waren. Mércia Andrade, unsere Ausbildnerin in psychomotorischen und Kreistänzen, steuerte noch zusätzliche Tänze bei.

Die Psychomotorik stellt die Wechselwirkung zwischen Denken, Fühlen und Bewegen und deren Bedeutung für die Entwicklung des Menschen in seinem Umfeld ins Zentrum. Sie hilft Kindern wie Erwachsenen Konzentrations- und Lernschwierigkeiten und Beziehungsstörungen zu überwinden sowie Hyperaktivität zu mindern. Auf spielerische Art werden Probleme angegangen und Qualitäten gefördert.

Die Kinder machten sehr gut mit, und wir waren alle überrascht, dass sie das anstrengende Programm problemlos bewältigten und nicht zu müde wurden. Alles in allem hatten wir überhaupt keine Schwierigkeiten; das Tanzen hat allen viel Spaß gemacht. Interessant war, dass Pedro Henrique das ganze Programm mitmachte. Er hat uns nämlich früher immer wieder versichert, dass er wegen seines Glaubens nicht tanzen darf. Dabei hatte er einfach keine Lust dazu. An diesem Tag tanzte er jedoch von Anfang bis zum Schluss durch.

Wir können also sagen, dass dieser Workshop ein Erfolg war. Den Kindern gefiel es und sie waren mit Leib und Seele dabei.
Janaína, Silberte, Wilson und Mércia

Spaß und logisches Denken in Roda de Fogo

Am 15. Juli haben wir mit 15 JIM im Sitz vom SOS-Kinderdorf im Nachbarviertel von Roda de Fogo einen Spieltag durchgeführt.

Da einige Teilnehmer etwas zu spät kamen, haben wir unser Programm umgestellt und nicht wie vorgesehen mit der Gruppendynamik begonnen. Camila spielte mit den Pünktlichen Domino, aber nicht das klassische Domino, das schon alle kennen, sondern eines mit Bildern. Die Jugendlichen mussten dabei immer Gegenfiguren zusammenfügen, zum Beispiel Feuer und Eis, groß und klein usw.  Ziel dieses Spiels ist es, das logische Denken zu trainieren. Als weitere JIM hinzukamen, erklärte Laércio auch noch andere Spiele, bevor er sich mit Graciele auf ein Schachspiel konzentrierte.

Die meisten JIM hatten Freude an den Spielen, einzelne hingegen turnten lieber auf den Bodenmatten herum. Wir, Camila und Laércio, haben sie zur Ordnung gerufen und ihnen erklärt: „Wenn wir Lernmaterial mitbringen, wollt ihr spielen. Diesmal haben wir Spiele mitgebracht, und ihr turnt jetzt rum. So geht das nicht.“  Das wirkte: Die Jugendlichen kehrten zu den Spielen zurück.

Die Gruppendynamik, die wir auf den Schluss aufgespart hatten, heißt: „Lachen verboten“. Man stellt sich im Kreis auf, schaut einander in die Augen und beginnt, ohne zu lachen, zu nummerieren. Anstatt „1“ sagt man jedoch „Oi“, anstatt „zwei“ „Oi, Oi“ und so weiter. Wer sich versprach oder lachte, schied aus und durfte nach Hause gehen.

Der Spieltag sollte den Jugendlichen in erster Linie Spaß bereiten, gleichzeitig aber auch ihr logisches Denken fördern. Besonders wichtig war uns, das Wettbewerbsdenken zu vermindern und dafür das Gruppengefühl zu steigern. Wir glauben, dass es ein gelungener und erfolgreicher Tag war, den sowohl die JIM als auch wir Peer Educators genossen haben.

Camila und Laércio

São João bei AdoleScER

In unserem Juli-Newsletter möchten wir nochmals auf den Monat Juni und seine vielen Feiertage zurückblicken. Den bedeutendsten dieser Feiertage, den Namenstag des heiligen Johannes - São João - am 24. Juni, wollten auch wir von AdoleScER in einem gebührenden Rahmen begehen. Unsere Peer Educators haben an verschiedenen Standorten zusammen mit Kindern und Jugendlichen Feste organisiert. Im folgenden Interview schildern Teilnehmer ihre Eindrücke.


Wo habt ihr euer São João-Fest organisiert?
Wir haben in unserem Sitz in Santa Luzia gefeiert. Es herrschte eine sehr gute Stimmung. Fast alle 39 Teilnehmer sind verkleidet gekommen, sie waren die Hauptdarsteller des Festes. (Santa Luzia)

Wer hat den Festsaal dekoriert?
Jedes Kind hat für das Dekorationsmaterial einen Real gespendet. Ich (Karla Valéria) bin alles einkaufen gegangen, danach machten wir gemeinsam mit Kátia und meiner Familie die Fähnchen. Die eigentliche Dekoration des Lokals übernahm Marcelo zusammen mit den Kindern von „Aprender Brincando“. Alles ist wie geplant geworden: wunderschön! (Caranguejo)

Haben die Teilnehmer sich verkleidet?
Einige haben sich verkleidet. Welley und Karoline kamen als originales Matuto und Matuta-Pärchen. (São Lourenço)

Was für typische Gerichte habt ihr angeboten?
Das Essen war der beste Teil, wir hatten viele verschiedene Speisen. AdoleScER hat uns 50 Maiskolben gespendet, aus denen wir Peer Educators (Cilene und Antonio) verschiedene Gerichte zubereiteten. Zum Beispiel Canjica (süsser Maispuding), gekochten Mais, Maiskuchen, Manguzá (süsses Maiskorngericht) und Popcorn. (Santa Luzia)

Habt ihr auch traditionelle Tänze aufgeführt?
Wir hatten zwei Tanzaufführungen. Die Kinder von „Aprender Brincando“ zeigten eine Quadrilha (traditioneller Gruppentanz, mit einem Animator, der die Tänzer führt) und die JIM einen Xaxado (traditioneller nordbrasilianischer Tanz, der ursprünglich nur unter Männern getanzt wurde). Diese Vorführungen waren so schön, dass alle eine Zugabe verlangten. (Santo Amaro)

Habt ihr Spiele gemacht?
Wir vergnügten uns mit dem Zitronentanz und -wettrennen, dem Lichtsignaltanz und einer Quadrilha. Die Quadrilha war improvisiert und wurde zu einem Riesenerfolg, die JIM hatten viel Spaß daran. Für die, die den Zitronentanz nicht kennen, er geht so: Ein Pärchen klemmt eine Zitrone zwischen den Köpfen ein, fällt sie hinunter, scheiden die beiden aus. Der Lichtsignaltanz hingegen funktioniert so: Immer wenn das Lichtsignal auf Rot steht, dürfen die Pärchen tanzen, weil dann ja die Autos stillstehen. Bei Grün müssen die Tänzer stillstehen. (Roda de Fogo)

Habt ihr auch über den Ursprung des Festes und seine Bedeutung gesprochen?
Wir haben die Bedeutung von São João bereits vor dem Fest erklärt. São João ist ein religiöses Fest, an dem die Geburt vom heiligen Johannes oder Johannes dem Täufer gefeiert wird. (Santo Amaro)

Recyclen lernen in Caranguejo

Die Kinder von „Aprender Brincando“ in Caranguejo haben sich drei Tage lang intensiv mit dem Thema Recycling auseinandergesetzt und dabei viel Neues gelernt.

An den ersten beiden Tagen gingen wir zur Ilha do Zeca und suchten dort nach wieder verwertbarem  Material.  Die Ilha do Zeca ist die einzige grüne Zone in der Nähe von Caranguejo. Leider wird sie von vielen Menschen noch immer als Müllhalde missbraucht. Wir haben deshalb nicht nur das noch brauchbare Material gesammelt, sondern auch den übrigen Abfall zusammengetragen. Bei dieser Gelegenheit konnten wir den Kindern auf anschauliche Weise beibringen, wie wichtig es ist, Müll zu trennen und davon so viel wie möglich wieder zu verwenden. Es war eine sehr gute Zeit, und ich glaube, dass heute alle über Recycling anders denken als vorher.

Leider hatten wir am Schluss viel Müll und verhältnismäßig wenig wieder verwertbares Material. Deshalb mussten alle am letzten Tag noch zusätzliche Sachen von zu Hause mitbringen, PET-Flaschen, Röhrchen, Papier usw. Danach konnten die Kinder ihrer Kreativität freien Lauf lassen und munter darauf los basteln. Die meisten wollten Stifthalter herstellen, aber wir haben auch Plakate, Becher, Puppen und das Spiel „Komm und Geh“ gebastelt.

Es war sehr gut, alle wollten etwas Tolles schaffen und gaben sich viel Mühe. Es gab allerdings auch eine Schwierigkeit. Wir hatten leider nicht genügend Leim, Farbe und Scheren für alle, und einige wollten das Material nicht mit den anderen teilen. Wir machten ihnen aber klar, wie wichtig es in einer solchen Situation ist, dass man teilt. So konnten schließlich alle ihre Arbeiten beenden.

Wir glauben, dass alle Teilnehmer gern dabei waren und künftig ihr eigenes Verhalten im Umgang mit Abfall kritischer überprüfen werden.  Wenn wir bei uns selber beginnen,  können wir Schritt für Schritt die Welt verändern.
 
Marcelo