15.08.2009

Pause

Liebe Leserin, lieber Leser

AdoleScER ist im Umbruch. Unsere Organisation hat in den vergangenen Monaten ihre Aktivitäten mit Jugendlichen in wirtschaftlich und sozial benachteiligten Vierteln der brasilianischen Millionenstadt Recife ausgeweitet. Wir haben mehrere neue Projekte in Angriff genommen, unsere Standorte Schritt für Schritt den gewachsenen Bedürfnissen angepasst und die Kontakte mit Organisationen vor Ort, aber auch mit Vereinigungen, die in anderen Quartieren ebenfalls in der Jugendarbeit engagiert sind, verstärkt. Im September werden zudem rund 100 Jugendliche neu ihre dreijährige Ausbildung als Informationsmultiplikator/innen beginnen.

All das war und ist mit beträchtlichem organisatorischem Aufwand sowie mit verschiedenen strukturellen Veränderungen verbunden. Auch im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. AdoleScER hat sich deshalb entschlossen, bei ihrem Newsletter gewissermassen eine schöpferische Pause einzulegen. Wir wollen unser Konzept überarbeiten, dabei Bewährtes weiterführen und gleichzeitig nach neuen Lösungen suchen. Dafür brauchen wir neben vielen guten Ideen auch etwas Zeit.  Unser Newsletter fällt darum vorübergehend aus.

Sie werden wieder von uns hören.

Das AdoleScER-Leitungsteam

29.06.2009

Ein Theaterstück – ganz auf Müll gebaut

Die Informationsmultiplikatoren aus Santa Luzia haben ein Theaterstück verfasst über die Mülltrennung und die Menschen, die davon leben. Den Stoff dazu sammelten sie in ihrem Wohngebiet – und stießen dabei auf zum Teil erschreckende Realitäten.

Vor der Erfahrung auf der Straße stand die Theorie. Um die Jugendlichen auf das Thema einzustimmen, trugen die Peer Educators Cilene, Antônio und Luana mit ihnen zunächst die Grundinformationen aus Filmen und Büchern zusammen.  Mit dem frisch erworbenen Wissen ging die Gruppe dann zur  Sammelstelle „Salve a Natureza“ – Rettet die Natur. Diese Zentrale wurde von Müll-Trennern gegründet, die sich zu einer Kooperative zusammengeschlossen haben. Beim Besuch in der Sammelstelle und den Interviews mit dem Personal erfuhren die Jugendlichen, dass die Arbeit dort zwar weit besser organisiert ist als in privaten Betrieben, es aber auch bei ihnen an Sicherheitsmaßnahmen mangelt.

Die meisten Müll-Trenner haben aus Not eine solche Tätigkeit gewählt, und viele sind bei illegalen Sammelstellen beschäftigt, die sie mies entlohnen und auch nicht vor Kinderarbeit zurückschrecken. Dennoch, so ist von der 30-jährigen Lucilene aus der Kooperative zu erfahren, bevorzugen viele Sammler die illegalen Betriebe. „Es werden immer weniger Materialien zu ‚Rettet die Natur’ gebracht“, klagt sie. „Deshalb wird es auch immer schwieriger, für alle bei uns einen angemessenen Lohn zu erwirtschaften.“ In einem sind sich die Mitarbeitenden in der Kooperative und die anderen Sammler einig: Es wäre eine große Hilfe, wenn die Familien in Santa Luzia den Abfall schon in ihrem Haushalt trennen würden.

Mit den vielen Informationen, die sie bei ihren Recherchen sammeln konnten, hatten die Jugendlichen mehr als genug Stoff beisammen für ihr Theaterstück. Inzwischen haben sie auch  bereits die Proben hinter sich. Die Hauptprobe ging in Roda de Fogo über die Bühne,  mit den dortigen Informationsmultiplikatoren als Publikum, und war ein Erfolg. Im nächsten Semester folgen dann die Auftritte in Schulen und  Treffpunkten der verschiedenen Gemeinden. Die Vorfreude ist groß. Die Zuversicht, dass das Theaterstück Anklang finden wird, ebenfalls.
 
Cilene, Luana und Conceição

Hilfe für Helfende

Die Arbeit der Gruppe AdoleScER hat sich in den letzten neun Jahren ständig weiter entwickelt und vieles in Bewegung gesetzt. Möglich war das nicht zuletzt deshalb, weil wir bei unseren Bemühungen immer wieder auf den Beistand von Helfern und Gönner zählen können.

Die einen setzen sich mit großem Engagement und viel Begeisterung aktiv für AdoleScER ein. Andere unterstützen unsere Projekte finanziell. Ohne diese Beiträge, ließe sich unser anspruchsvoller Auftrag, Kindern und Jugendlichen aus schwierigen sozialen Verhältnissen durch Bildung neue Perspektiven zu eröffnen, nicht erfüllen.

Wir möchten uns in  diesem Newsletter ganz herzlich bei Friedel Kloke-Eibl  vom Ausbildungsinstitut Meditation des Tanzes in Oberthingau bedanken. Sie hatte  im Oktober 2008 unsere Gruppe in Santo Amaro besucht und seither den Kontakt mit AdoleScER aufrechterhalten. Sie steht uns nicht bloß finanziell bei, sondern steuert auch über unsere Kreistanzinstruktorin Mércia Andrade des Öfteren wertvolle Impulse zu unseren Aktivitäten bei.
Unser Dank richtet sich auch Monika und Wolfgang Dennert, die uns in einer heiklen Projektphase eine Spende zukommen ließen und damit ihr Vertrauen in unsere Arbeit ausdrückten. Ihr Geschenk ist für uns – wie jede andere Form der Unterstützung auch – ein zusätzlicher Ansporn, uns im Rahmen unserer Möglichkeiten immer wieder mit frischem Elan für eine gerechtere Welt einzusetzen.

Das AdoleScER-Leitungsteam

AdoleScER- Tanzgruppe begeistert Philosophen

Einmal mehr war der Auftritt unserer Tanzgruppe ein voller Erfolg. Diesmal schlug sie die Studenten und Professoren des Philosophie-Instituts der Salesianer in Recife in ihren Bann.

Während einer Stunde erfreuten sich die Teilnehmer des  Events an Folklore- und Kreistänzen. Die anfänglichen Hemmungen verschwanden rasch, und nach einer Aufwärmphase tanzten Professoren, Studenten und Jugendliche von AdoleScER fröhlich miteinander.

Die Aufführung war der Auftakt zu einem Seminar über „Erziehung, Friedenskultur und neue Konjunkturen“. Die Jugendlichen präsentierten zu diesem Thema auch ein kurzes Theaterstück, und unsere Pädagogin Conceição Amorim erörterte in einem Vortrag, welchen wichtigen Stellenwert die Friedenserziehung in der Arbeit von AdoleScER hat. Die Darbietungen stießen sowohl bei den Studenten als auch ihren Lehrern auf großes Interesse. Die Jugendlichen ernteten viel Beifall und konnten mit der Gewissheit, wieder ein Stück wirksame Öffentlichkeitsarbeit für AdoleScER geleistet zu haben, nachhause zurückkehren.

Conceição Amorim

27.05.2009

AdoleScER mit im Bund für mehr Solidarität

Die Bundesuniversität von Pernambuco veranstaltete am 7. und 8. Mai zum ersten Mal ein Seminar unter dem Motto „Ist eine andere, solidarischere Lebensform möglich?“ Institutionen aus dem Bildungs- und Gesundheitssektor sowie soziale Bewegungen stellten ihre Arbeit vor. Auch die Gruppe AdoleScER präsentierte ihr Projekt im Bereich Humanisierung und Gesundheit.

Die Organisationen hatten am Seminar die Möglichkeit, sich gegenseitig kennen zu lernen, um durch stärkere Vernetzung Energien zu bündeln und zu verhindern, dass pures Wirtschaftlichkeitsdenken ihr Handeln bestimmt.

Besonders beeindruckt waren die teilnehmenden Peer Educators von der an der Veranstaltung in Recife vorgestellten Entbindungsklinik Sofia Feldmann im Bundesstaat Belo Horizonte, die humanisierte Geburten durchführt. Derivalda, die mit 19 Jahren Mutter wurde, kommentierte: „Als ich mein Kind bekam, war ich allein, obwohl hier schon ein Gesetz existiert, nach dem eine Begleitperson dabei sein darf. Ich fände es toll, wenn diese Klinik auch hier in Recife eine Filiale aufmachen würde“.

Conceição Amorim

Den Stier bei den Hörner gepackt

Den elektrischen Stier hat AdoleScER problemlos gebändigt. Die wahre Herausforderung des dreitägigen Treffens in Gravatá, war aber gemeinsam herauszuarbeiten, wo unsere Organisation heute steht und wohin sie sich weiter entwickeln soll.

Einerseits war das Zusammentreffen in Gravatá so etwas wie ein Klassenlager, eine Mischung von Weiterbildung und Gemeinschaftspflege. Durch Spiel, Sport und andere Gruppenaktivitäten kamen wir uns alle etwas näher und lernten Seiten voneinander kennen, die während der Arbeit nicht zum Vorschein kommen. Die Priorität des Treffens war aber nicht der Spaß: Im Vordergrund  stand die Frage, wie jede und jeder Einzelne des Leitungsteams, der Erzieher und der Peer Educators ihre, bzw. seine Rolle bei AdoleScER sieht und die Organisation in ihrer Gesamtheit bewertet.

Zu diesem Zweck fanden an zwei der drei Tage Workshops statt, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Erwartungen an AdoleScER und an sich selbst formulierten, Stärken und Schwachpunkte im Arbeitsablauf erörterten und vor allem kurz- und langfristige Lösungsvorschläge diskutierten. Angesichts des vielfältigen Themenspektrums liess sich nicht jeder einzelne Aspekt vertiefen. Es wurde aber eine solide Grundlage geschaffen für die Weiterentwicklung unserer Organisation in Zusammenhang mit der nun eingeleiteten Projektkooperation zwischen AdoleScER und dem Weltfriedensdienst/BMZ. Dazu trug auch die Moderation von Domingos Corcione bei, einem externen Berater mit über 20-jähriger Erfahrung in Analyse und Planung bei NGOs. (mehr...)

Das stets aufmerksame und zuvorkommende Hotelpersonal sorgte nicht nur für unser Wohlbefinden, es hatte auch tolle Überraschungen vorbereitet, die das Gemeinschaftsgefühl  stärkten. Am letzten Abend setzte es sogar die grosse Wasserrutschbahn in Betrieb. Viele der Jugendlichen waren zum ersten Mal in ihrem Leben bei einem solchen Vergnügen dabei. Die, die sich getrauten, fühlten sich als große Abenteurer, während die Zurückhaltenderen ihren Spaß als Zuschauerin oder Zuschauer hatten. Noch spektakulärer wurde es nach dem leckeren Abendessen und der anschließenden Verdauungspause: Ein Ritt auf dem elektrischen Stier stand auf dem Programm. Ob ganz kurz oder sehr lang, ob jung oder alt, ob Koordinatorin oder Peer Educator, jede(r) hat den Stier bei den Hörnern gepackt. Es war ein lustiger und ausgelassener Abend.

In den drei Tagen in Gravatá haben wir nicht alle erwünschten Antworten gefunden. Aber es sind viele wichtige Fragen gestellt worden. Das Treffen war ein weiterer bedeutender Schritt auf einem langen und sicherlich nicht einfachen Weg, der aber einmal mehr als richtig erkannt wurde und  nachhaltige Ergebnisse verspricht.
 
Lukas Moser

Ein neuer Projektpartner und hochgesteckte Ziele

AdoleScER hat eine wichtige neue Etappe in Angriff genommen: Zusammen mit dem Weltfriedensdienst wird die Organisation in den nächsten Jahren weitere 100 jugendliche Peer Educators ausbilden und sie befähigen, nach und nach mehr Verantwortung für ihre Gemeinde und die Jugendzentren in den Projektstandorten zu übernehmen.

Der 4. Februar 2009 ist offizieller Beginn eines neuen Kooperationsvorhabens zwischen Grupo AdoleScER und dem Weltfriedensdienst e. V./BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) mit dem Titel „Soziale Integration und Gewaltprävention durch Peer Education“. Wenn wir hier von Partnern sprechen, wollen wir in diesem Zusammenhang auch den Förderkreis für Brasilien in Hochheim erwähnen, der sich ebenfalls mit großem Engagement an der Entwicklung dieses neuen Projektes beteiligt.

Unser Zeitlimit beträgt vorerst gut zwei Jahre, wobei jetzt schon klar ist, dass aufgrund der Komplexität des Vorhabens, eines verspäteten Beginns und situationsbedingter Gegebenheiten vor Ort eine Verlängerung der Projektdauer nötig sein wird. Aber zunächst wollen wir Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser hier kurz vorstellen, was geplant ist:
  1. Die vier Projektstandorte (Santo Amaro, Roda de Fogo, Caranguejo und Santa Luzia) sowie der Hauptsitz von AdoleScER werden erweitert bzw. renoviert, um den neuen Anforderungen zu genügen. 
  2. Insgesamt 100 neue Jugendliche - je 25 aus jedem Projektstandort -  werden für die Peer Educator-Ausbildung von AdoleScER ausgewählt und absolvieren den dreijährigen Kurs. 
  3. Die Fakultät für Psychologie der Bundesuniversität von Pernambuco UFPE begleitet dieses Vorhaben mit einer Studie über die Methode und Wirksamkeit der Peer Educator-Ausbildung im gegebenen Umfeld. 
  4. Die Jugendlichen übernehmen nach und nach auch die Verantwortung für die Leitung der Zentren in ihrem jeweiligen Projektstandort. Erwerbsbringende Maßnahmen ermöglichen im Laufe der Zeit die finanzielle Unabhängigkeit der Jugendzentren und beschäftigen sinnvoll und mit Gewinn einen Teil der Ausgebildeten. 
  5. Durch intensive Medien- und Öffentlichkeitsarbeit in Brasilien und im europäischen Raum wird der Bekanntheitsgrad von AdoleScER gesteigert und das Netzwerk zwischen Organisationen der Jugendarbeit sowie Unterstützern verbessert. Ein Handbuch über die  Peer-Educator-Ausbildung von AdoleScER wird erstellt und auch über Internet Interessierten zugänglich gemacht.

Die ersten drei Monate seit Projektbeginn sind vorbei, und eine erste Bilanz steht an. Viele Dinge mussten parallel in die Wege geleitet werden, was einen enormen zusätzlichen Arbeitsaufwand und großen Druck verursachte.  Das Mitarbeiterteam hat diese Belastungsprobe aber mit Bravour bestanden.

Damit alle Mitarbeitenden von AdoleScER diese Neuerungen, die das Projektvorhaben begleiten, nicht nur akzeptieren, sondern auch verstehen und mit tragen, veranstalteten wir noch Ende April ein Seminar (mehr...) mit allen Peer Educators, den ErzieherInnen und dem Leitungsteam. Die kurze Zeit wurde bestens genutzt: persönliche Auswertungsmomente wechselten sich mit solchen auf die Arbeitsbereiche bezogenen ab. Mit Präzision konnten Problempunkte genannt und mittel- bis langfristige Lösungen benannt werden. Mit Hilfe des Moderators Domingos Corcione begannen wir zudem, einer systemischen Auswertung von AdoleScER Raum zu geben. Anhand der Vorstellung des Begriffs von Nachhaltigkeit einer NGO, festgelegt an den drei Grundbedingungen  (die sozio-politische, die technische-administrative sowie die finanzielle Dimension), analysierten die TeilnehmerInnen diese für die Gruppe AdoleScER. Selbstverständlich handelte es sich bei dieser moderierten Interaktion um eine Akzentsetzung angesichts des nun begonnen Projektes, der weitere Momente strategischer und operativer Planung folgen müssen.

Gunde Schneider

Vereint im Kampf gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern

Der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen geht alle etwas an. Es war für AdoleScER deshalb selbstverständlich, gemeinsam mit anderen Organisationen an einem Marsch gegen solche kriminellen Machenschaften teilzunehmen.

Nach und nach füllte sich die Praça 13 de Maio in Recife immer mehr. Zahlreiche Kinder, Jugendliche und Erwachsene versammelten sich, um an der von mehreren Dutzend Organisationen veranstalteten Kundgebung gemeinsam die Bevölkerung zum Kampf gegen die sexuelle Ausbeutung aufzurufen.  Vor dem Marsch blieb noch etwas Zeit für einen Gedankenaustausch unter den Jugendlichen der verschiedenen Vereinigungen. Für die Peer Educator Derivalda von AdoleScER wurde der Anlass sogar zu einer Art Familientreffen, machte ihre Schwester doch in einer der Theatergruppen mit, die für die Demonstration spezielle Stücke einstudiert hatten und zusammen mit einer Hip-Hop-Gruppe die Teilnehmer auf das Thema und den Marsch einstimmten.  „Das Sex-Geschäft mit Kindern und Jugendlichen ist ein Verbrechen“, lautete die Parole, mit der die Gesellschaft aufgerüttelt werden sollte. „Deshalb ist es Bürgerpflicht, die Fehlbaren anzuzeigen.“

Die Peer Educators Karla Valeria, Elayne, Derivalda und Antonio nahmen als Abgeordnete der vier Quartiere, in denen AdoleScER tätig ist,  am Marsch durch die Strassen von Recife teil. Sie wurden begleitet von Teilnehmern des Kurses „Spielend Lernen“: Milton, Claudio und Jéssica aus Santa Luzia sowie Bruna, Mayra und Alison aus Santo Amaro. Mit dabei waren zudem Lukas, der fotografierte, sowie Belmira, die Mutter von Karla Valéria und deren Töchterchen Kassandra.

Auch wenn nach der Kundgebung alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer schwere Beine hatten:  Stärker als die Müdigkeit war die Befriedigung, sich für eine gerechte Sache eingesetzt zu haben.  Und die Überzeugung, dass der Marsch bestimmt dem einen oder anderen Passanten die Augen geöffnet hat.

Lukas Moser

03.04.2009

Herzlichen Dank Werner Veith!

AdoleScER war zwar nicht direkt mit dabei, konnte aber dennoch mitfeiern. Dr. Werner Veith, Direktor von Caritas Darmstadt, wurde am 17. Februar 60 Jahre alt – und beschenkte uns aus diesem Anlaβ.

Zu seinem besonderen Geburtstag hatte er eine außergewöhnliche Idee. Werner Veith bat seine Angehörigen, Freunde und KollegInnen, ihm keine persönlichen Geschenke zu machen, sondern AdoleScER mit einem Beitrag zu unterstützen. Der Vorschlag stieß auf ein sehr positives Echo: Unsere Organisation wurde mit einer beachtlichen Spende bedacht. Wir danken Werner Veith, der AdoleScER bei einem Besuch in Recife im November 2008 persönlich kennen gelernt hatte, ganz herzlich für seine großzügige Geste und wünschen ihm im Nachhinein noch einmal alles Gute.

Das Leitungsteam und die Kinder und Jugendlichen von AdoleScER

Eine eindrückliche Lektion in Naturkunde

Eine Gruppe von AdoleScER war bei der Vorpremiere des Dokumentarfilms “Die Erde” dabei – und tief beeindruckt. Möglich gemacht hatte die Teilnahme Conceição Cavalcanti vom Programm „Künftige Leser“ der Zeitung „Diário de Pernambuco“.

Die Koordinatorin Patricia, der Medienverantwortliche Lukas sowie die Peer Educators Camila, Derivalda und Laércio nutzten die Möglichkeit, den bemerkenswerten Streifen über die Wanderbewegungen von Tieren und ihren täglichen Überlebenskampf auf dem Planeten Erde zu sehen. „Für mich war das ein ganz besonderes Erlebnis“, erzählt Laércio. „Ich war zum ersten Mal in meinem Leben im Kino und ich habe auch zum ersten Mal einen solchen wirklichkeitsnahen Film gesehen. Die Vorführung hat eine Reihe von Gefühlen bei mir ausgelöst. Allein schon im Kinosaal vor einer großen Leinwand zu sitzen und darauf zu warten, dass die Lichter langsam ausgehen, war etwas Spezielles für mich. Und ein Film wie ‚Die Erde’, der uns das Leben vieler Wildtiere auf sehr klare, ja schon fast intime Weise näher bringt, bietet Bildung und Unterhaltung gleichzeitig.“

Auch bei Camila hat der Film einen starken Eindruck hinterlassen. „Er zeigt uns in aller Deutlichkeit, dass auch die Tiere leiden und dass ein großer Teil ihres Leidens durch uns Menschen verursacht wird. Besonders klar ist mir das geworden, als ich sah, wie mühsam Tiere nach Wasser und Nahrung suchen mussten, weil durch die Klimaerwärmung und andere Umweltschäden viele ihrer natürlichen Lebensgrundlagen zerstört worden sind.“  Laércio erinnert sich in diesem Zusammenhang an eine Szene, in der ein Polarbär einen Seelöwen angriff, obwohl diese Tiere normalerweise keine Jagbeute der Eisbären sind: „Er war sehr hungrig, weil er seit längerem nichts mehr zu fressen gefunden hatte. Auf der Suche nach Nahrung magerte er stark ab und wurde immer schwächer. Dennoch ging er, getrieben von Hunger, verzweifelt auf den Seelöwen los. Doch seine Kraft reichte nicht, um ihn zu erlegen.“

Die Teilnahme an der Vorpremiere war für die Peer Educators auch deshalb wertvoll und wichtig, weil Umwelterziehung im Programm von AdoleScER einen großen Stellenwert hat. Camila würde es sehr begrüßen, wenn die Möglichkeit bestünde, den Film im Rahmen der Umweltaktivitäten auch möglichst vielen Kindern und Jugendlichen von AdoleScER zu zeigen.

Wir danken Conceição Cavalcanti vom Programm „Künftige Leser“ des „Diário de Pernambuco“ ganz herzlich, dass sie uns den Besuch der Vorführung ermöglichte und uns so die Gelegenheit gab, auf sehr anschauliche Weise mehr über das Leben von Tieren in ihrer natürlichen Umwelt zu erfahren.

Lukas Moser

Damit sich alle wohlfühlen

Wer mit jungen Menschen arbeitet, steht immer wieder vor großen Herausforderungen. Deshalb ist es wichtig, dass Leitungsteam, Fachkräfte und Peer Educators von AdoleScER regelmäßig miteinander über ihre Erfahrungen reden und sich auch um das eigene Wohlergehen kümmern.

Die monatlichen Treffen der Mitarbeitenden unserer Organisation unter dem Titel „Auch denen Sorge tragen, die sich um die anderen sorgen“ sollen Pädagogen und Peer Educators die Gelegenheit geben, zwischendurch einmal nicht die Kinder und Jugendlichen in den Mittelpunkt ihrer Gedanken und Aktivitäten zu stellen, sondern sich selbst. Solche Atem- und Besinnungspausen sind unentbehrlich im Bildungsbereich. Sie helfen mit, den Alltagsstress zu bewältigen, Ideen und Erfahrungen auszutauschen, die eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen und neue körperliche und geistige Energie zur Bewältigung der vielfältigen und anspruchsvollen Aufgaben in den verschiedenen Quartieren zu gewinnen. Entspannungsübungen, Kreistänze und Meditation spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle wie Diskussionen über Probleme im Umgang mit schwierigen Situationen oder die gemeinsame Suche nach neuen Lösungsansätzen.

„Bei unserem Treffen im April begannen wir mit Massagen und Kreistänzen“, blickt der Peer Educator Antonio aus Santa Luzia zurück. „Wir bildeten Gruppen mit fünf Personen, eine legte sich hin und die anderen vier massierten sie. So war wirklich für alle gesorgt.“

Zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls trug auch das Mittagessen bei. In kleineren oder größeren Gruppen setzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihren Gedankenaustausch fort, schilderten Erlebnisse aus ihren Standorten und erfuhren, wie Kolleginnen oder Kollegen aus dem Nachbarvierteln mit Schwierigkeiten umgehen. Ein Teil der Themen wurde dann am Nachmittag in der allgemeinen Aussprache vertieft. Antonio wäre es lieber gewesen, wenn der ganze Tag ausschließlich für die „Sorge um die Sorgenden“ zur Verfügung gestanden hätte und nicht auch noch administrative Fragen zu den einzelnen Wirkungsstätten von AdoleScER hätten behandelt werden müssen. Die Peer Educator Cilene aus Santa Luzia ist grundsätzlich gleicher Meinung. „Zudem“, so fügt sie hinzu, „fände ich es gut, wenn die Peer Educators einen Teil der Verantwortung für diese Treffen übernehmen würden, indem sie ebenfalls Aktivitäten anregen und durchführen, die dazu beitragen, dass sich alle wohlfühlen.“

 Mercia Andrade und Conceição Amorim

Ein kurzer, aber intensiver Besuch

Gisela Kloubert und Meinolf Schröder, vom Kindermissionswerk in Aachen wollten sich vor Ort ein Bild über die Arbeit von AdoleScER machen. Obwohl sie nur wenig Zeit hatten, erhielten sie bei ihrem Besuch an unserem Standort Caranguejo einen umfassenden Einblick.

Das Kindermissionswerk unterstützt die Aktivitäten von AdoleScER seit Jahren. Es lag uns deshalb sehr daran, seinen Vertretern einen möglichst breiten Querschnitt von unserer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu zeigen. Leider hatten Gisela Kloubert und Meinolf Schröder ein dichtgedrängtes Programm und damit verhältnismäßig wenig Zeit für ihren Besuch bei unserer Organisation. Wir konnten ihnen demzufolge nicht alle Standorte von AdoleScER vorstellen und sie mit den Aktivitäten in jedem der von uns betreuten Quartiere vertraut machen. Da die Gäste im Nachbarort Olinda einquartiert waren, wäre es an sich am sinnvollsten gewesen, sie nach Santo Amaro zu bringen. Die Peer Educator Karla Valeria plädierte jedoch für Caranguejo, als der Besuch in der Gruppe diskutiert wurde. Mit gutem Grund: Das Kindermissionswerk unterstützt nicht nur das Projekt von AdoleScER ganz allgemein, es hat darüber hinaus unseren Treffpunkt in Caranguejo finanziert.

„Wir möchten Ihnen zeigen, wie wertvoll dieses Haus für unsere Arbeit ist“, sagte Karla Valeria in einer Gesprächsrunde mit den Besuchern. „Sie sollen sehen, wie wir uns um unseren Treffpunkt kümmern und wie dankbar wir dafür sind.“  Damit dennoch nicht nur von Caranguejo geredet wurde, nahmen auch die Peer Educators Laércio, Elayne und Camila aus Roda de Fogo an der Zusammenkunft teil und schilderten, wie in ihrem Quartier gearbeitet wird und welche Schwierigkeiten dort zu bewältigen sind.

Die Kinder und Jugendlichen in Caranguejo begrüßten ihre Gäste mit einem Kreistanz unter der Anleitung von Marcelo, dem Tanz- und Theaterlehrer von AdoleScER. Obwohl sie eine lange Reise hinter sich hatten und dementsprechend müde waren, reihten sich Gisela Kloubert und Meinolf Schröder spontan unter die Tanzenden ein. Danach setzten sich alle in einen Kreis, und man stellte sich gegenseitig vor. Die Besucher erlebten mit, wie jeweils zu Beginn einer Aktivität eine Entspannungsübung gemacht wird, und begannen dann, den Kindern und Jugendlichen Fragen zu stellen. Der eine oder andere der Kleineren war zwar etwas schüchtern, gab aber dennoch bereitwillig Antwort.

Zum Abschluss ihres Besuchs machten Gisela Kloubert und Meinolf Schröder einen Rundgang durch das Armenviertel und erhielten dabei von Karla Valeria und Marcelo zahlreiche weitere interessante Informationen über das Leben in dieser Gemeinde.

Sowohl die Peer Educators als auch das Leitungsteam von AdoleScER haben sich über den Besuch aus Deutschland sehr gefreut. Das Interesse der Gäste an unserer Arbeit war für uns Bestätigung und Ansporn zugleich. Es gibt uns zusätzliche Energie, den Auftrag von AdoleScER, jungen Menschen in schwierigen Lebensumständen neue Perspektiven zu eröffnen, mit Engagement und Zuversicht zu erfüllen.

Lukas Moser

19.03.2009

Helfen macht Spass

Wenn viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, verändert sich das Gesicht der Welt.“ Unter diesem Motto stand ein Benefizkonzert in Darmstadt, das ich in meiner Begeisterung für die Arbeit von AdoleScER in den Favelas organisierte.

Es war viel Arbeit, aber der Aufwand hat sich in vielerlei Hinsicht gelohnt: Es war ein rundherum schöner Anlass mit guter Stimmung und toller Atmosphäre. Es fanden sich an diesem 13. März rund  220 Gäste jeden Alters ein, die der Musik von vier unterschiedlichen Bands lauschten und dazu tanzten. An diesem Abend gab es ein großes Interesse an AdoleScER und viele positive Reaktion auf den Abend.

Ein Infostand, der mit vielen positiven Bildern von Jugendlichen dekoriert war, vermittelte den Besuchern einen Einblick in das Projekt. Tenor des Abends sollten nicht die Lebensbedingungen der Jugendlichen in Recife, sondern ihre unglaubliche Kraft, diesen zu trotzen, sein. Analog dazu sollten auch die Jugendlichen hier in Deutschland nicht mit einem schlechten Gewissen über die großen Diskrepanzen unserer Welten zum Helfen veranlasst werden, sondern mit einem positiven Gefühl dem Thema Entwicklungshilfe begegnen. Der Abend sollte zeigen, dass Helfen Spaß macht und auch Jugendliche schon mit einem kleinen Beitrag zu einer Veränderung beitragen können. In diesem Sinne gab es eine Pfandspende-Aktion, bei der die Gäste ihr Flaschenpfand dem Projekt spenden konnten. Hierbei wurden die Relationen plakativ aufgezeigt (siehe Foto), und die Aktion sollte darstellen, dass jeder kleine Beitrag etwas leistet.

Ich war begeistert, wie viele Menschen sich an dieser Aktion beteiligten und uns ihre Pfandflaschen spendeten.

Überwältigend war die großartige Unterstützung von den Bands, den beiden Tontechnikern von Oberton und den vielen Helfern und Leuten, die für diesen Abend Essen spendeten (das anschließend verkauft wurde): Ohne all diese Menschen wäre der Abend nicht so toll verlaufen. Die Bands waren bereit, kostenlos aufzutreten, die Tontechniker stellten nicht nur ihre professionelle Anlage zur Verfügung, sondern arbeiteten den ganzen Tag freiwillig und ohne Bezahlung bis spät in die Nacht hinein. Und auch die Helfer arbeiteten unermüdlich und mit viel Begeisterung beim Essens-/Getränkeverkauf und an der Kasse mit! Auf diese Weise hat jeder von ihnen einen kleinen Teil zu einer Veränderung beigetragen und mitgewirkt, dass ein unglaublicher Gewinn (!) von etwa 2.000  Euro zusammengekommen ist!

Dieses Engagement und die großartige Hilfsbereitschaft haben mir unglaublich viel zurückgegeben und mir neue Kraft geschenkt, mich weiterhin zu engagieren. Ich hoffe, dass bei allen Helfern, Unterstützern und Gästen ein ähnlich positives Gefühl zurückgeblieben ist und sie sich bei all den kleinen Gelegenheiten, bei denen man sich für eine Veränderung einsetzen kann, daran zurückerinnern und sie vielleicht zu einem kleinen Teil wahrnehmen.

Hannah Müggenburg

Tanzend zum Frieden

Ende März haben die Pädagoginnen Conceição und Josélia sowie die Informationsmultiplikatorin Camila den Kurs „Gente que faz a Paz“ (Menschen, die sich für den Frieden einsetzen) beendet. Bei der Abschlussfeier glänzte auch die Tanzgruppe von AdoleScER.

Unipaz Recife und die Stadt Recife organisierten gemeinsam den zehnmonatigen Kurs, der zuvor bereits in elf brasilianischen Städten durchgeführt worden war. Ziel dieser Veranstaltung ist, die Friedenskultur in die öffentliche Politik einzugliedern.

Für die Abschlussfeier wurden Vertreter einiger der teilnehmenden Institutionen gebeten, die Friedensarbeit in einer Aufführung darzustellen. AdoleScER entschied sich für einen Friedenstanz und ein kurzes Theaterstück. „Da einige Mitglieder der Tanzgruppe noch nicht so viel Theatererfahrung haben, war die Probezeit etwas kurz“, erklärte Marcelo, der Leiter der Theatergruppe, vor dem Festakt. Dennoch war schließlich niemandem von den Teilnehmern Nervosität anzumerken, nicht einmall Tarciana, die im letzten Augenblick an der Trommel einspringen musste. Der knapp fünfminütige Sketch zeigte verschiedene Szenen häuslicher Gewalt, in denen ein Jugendlicher, der für den Frieden singt und Gewalttäter  wie Opfer zum gemeinsamen Tanzen auffordert, als Schlichter auftritt. „Ich war während diesen fünf Minuten so konzentriert, dass ich das Publikum nicht mehr wahr genommen habe“, erinnert sich Laércio, Tanzlehrer von AdoleScER. Tarciana ist sich aber ganz sicher: „Das Publikum war schon bei den ersten Strophen von „A Paz“ von Gilberto Gil voll dabei und begleitete lautstark den Friedenstanz.“

Genauso unterschiedlich wie die Wahrnehmungen von Tarciana und Laércio waren die Reaktionen des Publikums. „Als ich bei der Szene der Vergewaltigung gehört habe, wie jemand gelacht hat, war ich schockiert“, sagte eine Besucher „Erst nach und nach merkte ich,  dass es sich nicht um ein Stück über Gewalt, sondern über den Frieden handelte.“ Auch Elayne blieb diese Szene im Gedächtnis haften: „Ich sah im Publikum eine Gruppe pensionierter Frauen und hatte Bedenken, weil Camila eine Gewaltszene gegen eine ältere Frau spielen musste. Ich hatte Angst, dass diese Frauen die Szene widerlich finden würden, zu meiner Überraschung quittierten sie sie aber mit großem Applaus.“

Als man sich am Schluss bei Kuchen und Süßgetränken traf, wurden die Jugendlichen von AdoleScER mit Lob überschüttet. Die Informationsmultiplikatorin  Camila freute sich über die Anerkennung, betonte aber: „Das gute Gelingen ist das Resultat einer perfekt funktionierenden Gruppenarbeit.“

Wir sind dankbar, dass wir an diesem Kurs teilnehmen durften, und freuen uns, dass  unserer Arbeit als Aktivisten des Friedens auf soviel Zustimmung stieß.

Camila, Conceição, Josélia und die Teilnehmer der Tanzgruppe von AdoleScER mit Marcelo, Tarciana, Cilene, Laércio, Elayne, Mayra, Rafaela, Derivalda  und Luana

Mit anderen neue Wege gehen

Erstmals war auch AdoleScER an einem Treffen der Jugendkommission des Netzwerkes sozialer Organisationen in Recife (Rede Tencendo Parceria, RTP) vertreten. Die Peer Educators Mayra, Elayne, Glabhyson und Karla Valeria konnten sich dort rasch und gut integrieren.

Das RTP wurde von folgenden Organisationen gegründet: der Casa de Passagem (das Übergangsheim), Ruas e Praças (Strassen und Plätze), MNMMR (nationale Bewegung der Straßenkinder), Coletivo Mulher Vida (Kollektiv Frauen und Leben) und Caritas Nordosten. Die Zusammenarbeit stützt sich auf drei Pfeiler ab:

   1. das gemeinsame Arbeitsziel: Gewaltprävention,
   2. das selbe Zielpublikum: Kinder und Jugendliche in prekären Lebenssituationen,
   3.  den gemeinsamen Finanzierer: Caritas Deutschland.

Inzwischen sind mehrere neue Gruppen dazu gekommen, unter anderem AdoleScER.

Die Jugendkommission besteht seit 2005;  sie entstand aus dem Bedürfnis von RTP, politisch aktive Jugendliche für Versammlungen, Foren, etc. zu organisieren. Ursprünglich versammelte sich dieses Gremium zweimal Jährlich zu Weiterbildungszwecken, ab 2009 begann man, Gesprächrunden und Treffen mit Jugendlichen in verschiedenen Elendsviertel durchzuführen.
Das jüngste Treffen der Jugendkommission sollte den Teilnehmern die Möglichkeit geben, neue Kontakte anzuknüpfen, und das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Darüber hinaus diente es dazu,  die Aktivitäten für 2009 zu planen und eine Bilanz der Arbeit des vergangenen Jahres zu ziehen.
Glabhyson hat das Treffen vom 27. bis 29. März in der Pousada Amoaras in Maria Farinha in guter Erinnerung. „Mir gefallen die Ziele, die sich die RTP für 2009 vorgenommen hat“, sagt er. „Durch die Jugendlichen, die schon länger dabei sind, habe ich sowohl die Funktionen der RTP als auch diejenigen der Jugendkommission besser kennen gelernt.“ Weiter meint der Peer Educator von AdoleScER: „Ich bin stolz dass, ich als Vertreter ausgewählt wurde und fühle mich sehr wohl in dieser Gruppe. Die Arbeitsweise und die Ziele von AdoleScER und der Jugendkommission sind sehr ähnlich. Darum konnte ich mich schnell eingliedern und meinen Beitrag leisten.“

Karla Valeria

16.02.2009

Eine Schule tanzt mit AdoleScER

Unsere Peer Educators Cilene und Luana aus der Gruppe von Santa Luzia haben im Februar in der Schule Vila Santa Luzia mehreren Klassen das Frevotanzen beigebracht.

Etwa 100 Knaben und Mädchen besuchten morgens oder nachmittags den Workshop, den unsere Pädagogin Conceição Amorim organisiert hatte. Die Kinder lernten einerseits die Geschichte dieses lokalen Volkstanzes und damit einen wichtigen Bestandteil der regionalen Kultur kennen und sie konnten andererseits einige der über 250 verschiedenen Schritte ausprobieren.  Als krönender Abschluss fand eine Aufführung am Schulkarneval statt.

„Es war eine sehr positive Erfahrung, da ich noch nie Tanzunterricht in einer anderen Organisation erteilt habe“, blickt Cilene zurück. „Es hat Spaß gemacht, die Begeisterung der Kinder zu sehen. Vor allem als wir die kleinen, farbigen Schirme auspackten, begannen alle richtig aufzudrehen. Und sogar diejenigen, die nicht tanzen konnten, haben schließlich den einen oder anderen Schritt gewagt.“

Auch Luana konnte bei diesem Tanzkurs eine Premiere feiern: „Ich war zum ersten Mal für die Choreographie verantwortlich. Diese Aufgabe war nicht einfach, aber sie hat mir allen Schwierigkeiten zum Trotz gut gefallen. Und ich glaube, dass alle Teilnehmer viel Spaß hatten. Diejenigen, die schneller drin  waren, halfen den anderen, die Schritte richtig zu machen.“

Während die Lehrerinnen, die an der Aktivität teilgenommen haben, nach dem Kurs das Pflichtbewusstsein und die Pünktlichkeit von Luana und Cilene hervorhoben, lobten die zwei Peer Educators von AdoleScER die Aufgeschlossenheit und die Anteilnahme der Lehrerinnen. Sogar im Abendunterricht spürten sie noch viel Interesse und Aufmerksamkeit. „Alle Erwachsenen wollten aktiv am Workshop teilnehmen“, erinnert sich Cilene. „Eine Lehrerin hat auch mit mir getanzt. Wir haben Freundschaft geschlossen und damit die Grundlage gelegt für eine weitere Zusammenarbeit.“

Conceição, Luana und Cilene

Endlich eine feste Bleibe

Es ist soweit: Jetzt haben auch wir aus Roda de Fogo dank einer Spende der Familie-Ecker-Stiftung für Kinder in Not unser eigenes Haus und müssen unsere Aktivitäten nicht mehr in wechselnden Provisorien durchführen.

Die Zeit als Nomaden war nicht immer einfach. Eine Weile genossen wir bei der COSIROF, der Unabhängigen Gesundheitskomission von Roda de Fogo, Gastrecht, später waren wir in der Bibliothek der „Pintor Lauro Villares“-Schule oder am Sitz von „Aldeias Infantis SOS Brasil“ einquartiert. An allen diesen Orten hatten wir immer wieder Probleme, vor allem mit der Reinigung. Oft fanden wir die Räume schmutzig vor, und zuweilen verschwand sogar unser Putzmaterial. Deshalb haben wir unsere Aktivitäten so oft als möglich  im Freien abgehalten.

Die Provisorien waren auch ansonsten problematisch. Mehrere  Jugendliche haben unsere Gruppe verlassen, weil wir uns zeitweise auch außerhalb von Roda de Fogo treffen mussten und ihnen der Weg zu lang war. Es kam auch vor, dass wir eine Schnellstrasse zu überqueren hatten, um zum Versammlungslokal zu gelangen, und dabei erhebliche Sicherheitsrisiken auf uns nehmen mussten.

Jetzt sind wir daran, unseren eigenen Standort einzurichten und fiebern dem Augenblick entgegen, in dem wir dort unsere Aktivitäten vollumfänglich aufnehmen können. Das Haus liegt mitten in Roda de Fogo und ist somit für alle Kinder und Jugendlichen gut erreichbar. Die Kinder von Aprender Brincando (Spielend lernen) können nun allein zu den Kursen kommen und müssen nicht mehr von uns eingesammelt werden.

Die eigene Unterkunft hat einen weiteren großen Vorteil: Wenn wir am Abend die Räume putzen, können wir jetzt sicher sein, dass sie auch am nächsten Morgen noch sauber sind.
Camila Silva, Elayne de Melo, Laércio Tiúma

Sommer(ferien) bei AdoleScER

Im Januar macht AdoleScER Ferien. Dies bedeutet, dass die Jugendlichen und Kinder keine regulären Aktivitäten besuchen und die Peer Educators somit während dieser Zeit etwas entlastet sind.

Ferien heißt für AdoleScER aber noch lange nicht verschlossene Türen und Nichtstun. Im Gegenteil: Die Gruppen in den verschiedenen Armenvierteln organisieren meistens aus eigener Initiative Spiel und Spaß für die Kinder und Jugendlichen, die auch während der Sommerferien auf verspielte Art etwas lernen möchten.

Für das Leitungsteam ist es die Zeit, um neue Ideen für das anstehende Semester zu besprechen und Administratives zu erledigen. Nach der weltweiten Immobilienkrise erlebt im Januar zumindest AdoleScER einen langersehnten Aufschwung: das Haus in Santo Amaro wird restauriert und in Roda de Fogo haben wir endlich unseren eigenen Arbeitssitz bekommen.

In dieser kleinen Bildreportage von Lenildo Fonseca möchten wir Ihnen gerne einiges aus dem Ferienalltag von AdoleScER näher bringen.

Karnevalsrausch in Caranguejo

Bereits zum dritten Mal nacheinander ist AdoleScER mit dem Umzug „Vereint für den Frieden“ durch Caranguejo und Tabaiares gezogen. Auch in diesem Jahr haben wir versucht, so viele Institutionen wie möglich zu einer Teilnahme zu motivieren, um die Spesen für Wasser, eine kleine Verpflegung und die Musik aufteilen zu können.

Mit mässigem Erfolg: An einer Zusammenarbeit war hauptsächlich das Centro Publico de Economia Popular e Solidaria interessiert, schliesslich machten dann aber auch noch die Gruppe „Maracatu Bella Arte“, das PETI (Programm zur Ausrottung der Kinderarbeit) und Jugendliche von der Mércia de Albuquerque-Schule mit. Die Kosten blieben allerdings grösstenteils an uns hängen. AdoleScER lieh nicht nur einen Teil der Instrumente aus, sondern war auch um das Wasser und die Verpflegung besorgt. Nächstes Jahr, so haben wir uns fest vorgenommen, muss es mit der Spesenaufteilung besser klappen.

Am Umzug, der etwa zwei Stunden dauerte,  haben rund 110 Personen teilgenommen: Kinder, Jugendliche und Erwachsene die alle zu Maracatu und Frevo tanzten.  Wir zogen durch die Gassen unseres Quartiers und zeigten uns auch auf der  Avenida Estrada dos Remédios. „Wir hatten grossen Erfolg mit unseren Vorführungen“, sagt der 17-jährige Glabhyson aus Caranguejo. „ Die meisten beschränkten sich auf Frevo, wir hingegen spielten sowohl Frevo als auch Maracatu.“ Die 15-jährige Ariane hat sich besonders über die Teilnahme von den Jugendlichen aus Santa Luzia gefreut: „Ich habe gesehen, mit wie viel Spass sie dabei waren. Der Umzug bot ihnen auch Gelegenheit,  unser Quartier  etwas kennen zu lernen.“

Arianne, Glabhyson, Glendha, Joana, Karla, Kátia und Marcelo

Ein Brief aus Hochheim

"Gute Freunde von uns bereisten vor Jahren Brasilien. Sie sahen nicht nur die Schönheiten dieses Landes, sondern auch die große Armut unzähliger Menschen. Es entstand so ein großes Bedürfnis, diesen Menschen zu helfen und sie zu unterstützen.

Nach der Heimkehr gründeten sie den Förderkreis für Brasilien. Durch Erzählungen, Bilder und Diavorträge konnten sie auch uns überzeugen. So haben wir uns diesem Förderkreis gerne angeschlossen. Da jeder Cent - was uns sehr wichtig ist- den brasilianischen Freunden zu Gute kommt, wissen wir unsere Spenden gut aufgehoben. Durch die Jahresberichte haben wir einen guten Einblick in die Arbeit und die Finanzen des Förderkreises, was, wie wir finden, sehr wichtig ist.

Wir möchten uns hiermit auch für die hervorragende Arbeit, die hier und vor Ort geleistet wird bedanken und freuen uns darüber, dass wir, wenn auch nur ein klein wenig, Hilfe zur Selbsthilfe geben können.“

Christa und Ferdi Föh aus Hochheim.