19.03.2009

Helfen macht Spass

Wenn viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, verändert sich das Gesicht der Welt.“ Unter diesem Motto stand ein Benefizkonzert in Darmstadt, das ich in meiner Begeisterung für die Arbeit von AdoleScER in den Favelas organisierte.

Es war viel Arbeit, aber der Aufwand hat sich in vielerlei Hinsicht gelohnt: Es war ein rundherum schöner Anlass mit guter Stimmung und toller Atmosphäre. Es fanden sich an diesem 13. März rund  220 Gäste jeden Alters ein, die der Musik von vier unterschiedlichen Bands lauschten und dazu tanzten. An diesem Abend gab es ein großes Interesse an AdoleScER und viele positive Reaktion auf den Abend.

Ein Infostand, der mit vielen positiven Bildern von Jugendlichen dekoriert war, vermittelte den Besuchern einen Einblick in das Projekt. Tenor des Abends sollten nicht die Lebensbedingungen der Jugendlichen in Recife, sondern ihre unglaubliche Kraft, diesen zu trotzen, sein. Analog dazu sollten auch die Jugendlichen hier in Deutschland nicht mit einem schlechten Gewissen über die großen Diskrepanzen unserer Welten zum Helfen veranlasst werden, sondern mit einem positiven Gefühl dem Thema Entwicklungshilfe begegnen. Der Abend sollte zeigen, dass Helfen Spaß macht und auch Jugendliche schon mit einem kleinen Beitrag zu einer Veränderung beitragen können. In diesem Sinne gab es eine Pfandspende-Aktion, bei der die Gäste ihr Flaschenpfand dem Projekt spenden konnten. Hierbei wurden die Relationen plakativ aufgezeigt (siehe Foto), und die Aktion sollte darstellen, dass jeder kleine Beitrag etwas leistet.

Ich war begeistert, wie viele Menschen sich an dieser Aktion beteiligten und uns ihre Pfandflaschen spendeten.

Überwältigend war die großartige Unterstützung von den Bands, den beiden Tontechnikern von Oberton und den vielen Helfern und Leuten, die für diesen Abend Essen spendeten (das anschließend verkauft wurde): Ohne all diese Menschen wäre der Abend nicht so toll verlaufen. Die Bands waren bereit, kostenlos aufzutreten, die Tontechniker stellten nicht nur ihre professionelle Anlage zur Verfügung, sondern arbeiteten den ganzen Tag freiwillig und ohne Bezahlung bis spät in die Nacht hinein. Und auch die Helfer arbeiteten unermüdlich und mit viel Begeisterung beim Essens-/Getränkeverkauf und an der Kasse mit! Auf diese Weise hat jeder von ihnen einen kleinen Teil zu einer Veränderung beigetragen und mitgewirkt, dass ein unglaublicher Gewinn (!) von etwa 2.000  Euro zusammengekommen ist!

Dieses Engagement und die großartige Hilfsbereitschaft haben mir unglaublich viel zurückgegeben und mir neue Kraft geschenkt, mich weiterhin zu engagieren. Ich hoffe, dass bei allen Helfern, Unterstützern und Gästen ein ähnlich positives Gefühl zurückgeblieben ist und sie sich bei all den kleinen Gelegenheiten, bei denen man sich für eine Veränderung einsetzen kann, daran zurückerinnern und sie vielleicht zu einem kleinen Teil wahrnehmen.

Hannah Müggenburg

Tanzend zum Frieden

Ende März haben die Pädagoginnen Conceição und Josélia sowie die Informationsmultiplikatorin Camila den Kurs „Gente que faz a Paz“ (Menschen, die sich für den Frieden einsetzen) beendet. Bei der Abschlussfeier glänzte auch die Tanzgruppe von AdoleScER.

Unipaz Recife und die Stadt Recife organisierten gemeinsam den zehnmonatigen Kurs, der zuvor bereits in elf brasilianischen Städten durchgeführt worden war. Ziel dieser Veranstaltung ist, die Friedenskultur in die öffentliche Politik einzugliedern.

Für die Abschlussfeier wurden Vertreter einiger der teilnehmenden Institutionen gebeten, die Friedensarbeit in einer Aufführung darzustellen. AdoleScER entschied sich für einen Friedenstanz und ein kurzes Theaterstück. „Da einige Mitglieder der Tanzgruppe noch nicht so viel Theatererfahrung haben, war die Probezeit etwas kurz“, erklärte Marcelo, der Leiter der Theatergruppe, vor dem Festakt. Dennoch war schließlich niemandem von den Teilnehmern Nervosität anzumerken, nicht einmall Tarciana, die im letzten Augenblick an der Trommel einspringen musste. Der knapp fünfminütige Sketch zeigte verschiedene Szenen häuslicher Gewalt, in denen ein Jugendlicher, der für den Frieden singt und Gewalttäter  wie Opfer zum gemeinsamen Tanzen auffordert, als Schlichter auftritt. „Ich war während diesen fünf Minuten so konzentriert, dass ich das Publikum nicht mehr wahr genommen habe“, erinnert sich Laércio, Tanzlehrer von AdoleScER. Tarciana ist sich aber ganz sicher: „Das Publikum war schon bei den ersten Strophen von „A Paz“ von Gilberto Gil voll dabei und begleitete lautstark den Friedenstanz.“

Genauso unterschiedlich wie die Wahrnehmungen von Tarciana und Laércio waren die Reaktionen des Publikums. „Als ich bei der Szene der Vergewaltigung gehört habe, wie jemand gelacht hat, war ich schockiert“, sagte eine Besucher „Erst nach und nach merkte ich,  dass es sich nicht um ein Stück über Gewalt, sondern über den Frieden handelte.“ Auch Elayne blieb diese Szene im Gedächtnis haften: „Ich sah im Publikum eine Gruppe pensionierter Frauen und hatte Bedenken, weil Camila eine Gewaltszene gegen eine ältere Frau spielen musste. Ich hatte Angst, dass diese Frauen die Szene widerlich finden würden, zu meiner Überraschung quittierten sie sie aber mit großem Applaus.“

Als man sich am Schluss bei Kuchen und Süßgetränken traf, wurden die Jugendlichen von AdoleScER mit Lob überschüttet. Die Informationsmultiplikatorin  Camila freute sich über die Anerkennung, betonte aber: „Das gute Gelingen ist das Resultat einer perfekt funktionierenden Gruppenarbeit.“

Wir sind dankbar, dass wir an diesem Kurs teilnehmen durften, und freuen uns, dass  unserer Arbeit als Aktivisten des Friedens auf soviel Zustimmung stieß.

Camila, Conceição, Josélia und die Teilnehmer der Tanzgruppe von AdoleScER mit Marcelo, Tarciana, Cilene, Laércio, Elayne, Mayra, Rafaela, Derivalda  und Luana

Mit anderen neue Wege gehen

Erstmals war auch AdoleScER an einem Treffen der Jugendkommission des Netzwerkes sozialer Organisationen in Recife (Rede Tencendo Parceria, RTP) vertreten. Die Peer Educators Mayra, Elayne, Glabhyson und Karla Valeria konnten sich dort rasch und gut integrieren.

Das RTP wurde von folgenden Organisationen gegründet: der Casa de Passagem (das Übergangsheim), Ruas e Praças (Strassen und Plätze), MNMMR (nationale Bewegung der Straßenkinder), Coletivo Mulher Vida (Kollektiv Frauen und Leben) und Caritas Nordosten. Die Zusammenarbeit stützt sich auf drei Pfeiler ab:

   1. das gemeinsame Arbeitsziel: Gewaltprävention,
   2. das selbe Zielpublikum: Kinder und Jugendliche in prekären Lebenssituationen,
   3.  den gemeinsamen Finanzierer: Caritas Deutschland.

Inzwischen sind mehrere neue Gruppen dazu gekommen, unter anderem AdoleScER.

Die Jugendkommission besteht seit 2005;  sie entstand aus dem Bedürfnis von RTP, politisch aktive Jugendliche für Versammlungen, Foren, etc. zu organisieren. Ursprünglich versammelte sich dieses Gremium zweimal Jährlich zu Weiterbildungszwecken, ab 2009 begann man, Gesprächrunden und Treffen mit Jugendlichen in verschiedenen Elendsviertel durchzuführen.
Das jüngste Treffen der Jugendkommission sollte den Teilnehmern die Möglichkeit geben, neue Kontakte anzuknüpfen, und das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Darüber hinaus diente es dazu,  die Aktivitäten für 2009 zu planen und eine Bilanz der Arbeit des vergangenen Jahres zu ziehen.
Glabhyson hat das Treffen vom 27. bis 29. März in der Pousada Amoaras in Maria Farinha in guter Erinnerung. „Mir gefallen die Ziele, die sich die RTP für 2009 vorgenommen hat“, sagt er. „Durch die Jugendlichen, die schon länger dabei sind, habe ich sowohl die Funktionen der RTP als auch diejenigen der Jugendkommission besser kennen gelernt.“ Weiter meint der Peer Educator von AdoleScER: „Ich bin stolz dass, ich als Vertreter ausgewählt wurde und fühle mich sehr wohl in dieser Gruppe. Die Arbeitsweise und die Ziele von AdoleScER und der Jugendkommission sind sehr ähnlich. Darum konnte ich mich schnell eingliedern und meinen Beitrag leisten.“

Karla Valeria