12.10.2008

Ein Tanznachmittag voller Sonnenschein in Santo Amaro

Die Erwartung ist groß: Wer mag die bekannte Tänzerin aus Deutschland sein, mit der die Jugendlichen an diesem sonnigen Nachmittag des 2. Oktobers in Santo Amaro tanzen werden? Pünktlich bringt Mércia, unsere Mitarbeiterin, Friedel Kloke, begleitet von ihrer Tochter Saskia und Freundin Lydie, um 14 Uhr zum Projektstandort.
 
Der Begrüßungs- und Abschiedstanz mit den Jugendlichen und Peer Educators ist die Meditation der Sonne, nach einer Choreographie von Bernhard Wosien und von ihm „der  Kreis, der atmet“ genannt. Zu Klängen von Bach können alle nachempfinden, was Wosien  damit gemeint hat: „Jeder von uns ist ein Sonnenstrahl, der Licht vom Zentrum ausstrahlt. In diesem Zentrum finden wir unsere Kraft und von ihm ausgehend bewegen wir uns nach außen. Diese Kraft begleitet uns in den Tag hinein, stärkt unsere Handlungen, unsere Bewegungen. Trotz all unserer Geschäftigkeit lässt sie uns diese Quelle nicht vergessen – das Zentrum unserer Integrität - und sie schenkt uns die Eingebung (Inspiration), um unsere Weg weiter zu gehen“.

Dieser Nachmittag ist angereichert von unvergesslichen Momenten voller Freude, Ausgelassenheit und Schönheit. Unsere Tanzgruppe von AdoleScER führt für unsere Besucher zwei Choreographien im Kreis nach echt brasilianischer Musik auf (Maracá de Lelê und Brasileirinho) und – was auf keinen Fall fehlen darf - auch einen afro-brasilianischen Tanz, angeleitet von unserem Peer Educator Marcelo.

Informelle Gespräche ergeben sich beim leckeren Imbiss aus Früchten, Saft und Kuchen und bei der Besichtigung des ersten Stockwerks (noch im Bau) und dem Raum für den Computerunterricht.

Wir danken Mércia, dass sie uns diese wunderbare Begegnung ermöglichte, und natürlich auch Friedel Kloke, die ein intensives und anstrengendes Ausbildungsseminar unterbrach und sich die Zeit nahm, AdoleScER zu besuchen.

Gunde Schneider

Zusammen mit der Uni – und doch praxisnah

Studentinnen der Ernährungswissenschaften der Bundesuniversität von Pernambuco (UFPE) führten zu Beginn des ersten Semesters 2008 ihr Praktikum zum ersten Mal mit unseren Kindern aus dem Programm Aprender Brincando des Projektstandorts Roda de Fogo durch.

Unsere anfänglichen Zweifel waren rasch ausgeräumt:  Das innovative Vorhaben lief  sehr gut an und erwies sich im Sinne einer Präventivarbeit als besonders gelungen: Vielen Kindern wurde im Ernährungskurs klar, dass man ungesunde Nahrungsmittel  wie Bonbons, Kaugummi, Plätzchen und Popcorn problemlos durch Früchte und andere leckere Dinge ersetzen kann und dabei nicht einmal mehr Geld ausgibt. Der Altersstufe didaktisch und methodologisch angepasst,  wurden sie auch mit Grundlagen der Hygiene, des Umweltbewusstseins und der Nahrungssicherheit vertraut gemacht.

Der praktische Teil fand  im Hauptsitz von AdoleScER statt und  war nach Aussagen der beiden Peer Educators Camila und Laércio, die diese Aktivität begleiteten, für sämtliche Beteiligten eine sehr positive Erfahrung:  Alle Kinder wollten mitmachen und Jaílma Monteiro, die dieses Projekt als Professorin der Ernährungswissenschaften an der UFPE koordiniert, beim Kochen helfen.

Gunde Schneider

Ein etwas anderer “Tag des Kindes”

Im Oktober, genau am 12., feiern wir hier in Brasilien den Tag des Kindes. AdoleScER bemühte sich, einen Kontrapunkt zur kommerziellen Ausrichtung dieses Gedenktages zu setzen.
 
Wie kam es in der Geschichte überhaupt zu einem solchen speziellen Tag? Der Bundesabgeordnete Galdino do Valle Filho legte ihn 1920 per Dekret fest; erst 1960 jedoch wurde er effektiv eingeführt, und zwar auf Initiative eines Spielzeugfabrikanten, der auf einen Zusatzgewinn spekulierte und seine Produkte zu diesem Zeitpunkt besonders günstig anbot. Sein Geschäftssinn legte den Grundstein eines heute stark kommerziell ausgerichteten Gedenktages, der eher den Spielwarenherstellern zu Gute kommt als den Kindern, denen er eigentlich gewidmet sein sollte.

Wir von der Grupo AdoleScER, im Bewusstsein dieser Verkehrung einer ursprünglich zum Schutz der Kinder eingerichteten Initiative, bemühen uns, einen positiven Kontrapunkt zu setzen. Wir richten in dieser Zeit besonderes Augenmerk auf die Wichtigkeit des Spielens, und zwar stets auf der Grundlage der menschlichen Werte wie Liebe, Frieden, Gewaltfreiheit, richtiges Handeln und Wahrheit. Das hilft den Kindern, ein positives Weltbild zu formen, ihren Charakter zu stärken, sich in der Gemeinschaft mit anderen einzubringen und auch Regeln zu akzeptieren. Unter dieser Prämisse entwickeln wir Aktivitäten mit den Kindern des Programms Aprender Brincando und den Jugendlichen in Ausbildung zum Peer Educator, in denen sie wirklich Kind sein können.  Das ist für Kinder aus unserem Umfeld alles andere als selbstverständlich:  Vielen von ihnen ist es nicht vergönnt, diese so wichtige und auch in gewisser Weise magische Lebensphase richtig auszuleben. Umso wichtiger ist es, dass wir ihnen mit Hilfe von kreativen Spielen, Kinderreigen und Kreistänzen ein Umfeld von Liebe, Zuneigung, Achtsamkeit und vor allem Friede aufbauen.

Unter den Aktivitäten dieses Monats war eine ganz besonders beliebt: das „Kino AdoleScER“, wo die Kinder und Jugendlichen Filme gemeinsam guckten und dabei Popcorn essen durften. Die am meisten gefragten Spiele waren:  Frosch- und Känguruwettlauf; Apfelsinentanz; eine etwas andere Tragstange; Tanz des kooperativen Stuhls sowie einige Kinderlieder und –reigen wie: Schlag die Katze nicht; Kleiner Schmetterling; Aus dem Kürbis mach eine Melone; Ich habe einen Frosch gesehen; Mineira von Minas; Lebender Fisch - lauter Spiele, die ein kooperatives und von Zuneigung geprägtes Verhalten fördern sollen.

Die Peer Educators betonten, wie wichtig für sie diese Spielmomente mit den Kindern und Jugendlichen in Ausbildung waren und wie gut ihnen selbst dieses unbekümmerte Zusammensein mit der Zielgruppe getan hat. Und so wundert es nicht, dass Marcelo, unser Peer Educator von Caranguejo und heute Tanzlehrer bei AdoleScER, bekannte: „Das sind so lustige Spiele, dass ich mich selbst wieder als Kind sehe und mich so vergnüge…ich fühle mich sogar leichter!“

Zum Abschluss all dieser Aktivitäten zum Tag des Kindes haben wir sämtlichen TeilnehmerInnen des Programms Aprender Brincando und den Jugendlichen in Ausbildung Süßigkeiten und kleine Geschenke verteilt. Wir betonten dabei, dass es sich nicht um eine Bescherung aus besonderem Anlass handelte,  sondern darum, ein kleines Zeichen zu setzen, dass Kinder immer ein Recht darauf haben, dass  ihre Bedürfnisse nach  Liebe, Zuneigung, Verständnis, Respekt, Ernährung, Gesundheit sowie kostenloser und guter Schulbildung gestillt werden.

Lúcia Pimentel und Lukas Moser

„Wir schaffen was“ – selbst im Nachthemd

An unserem Tanznachmittag mit Friedel Kloke war ein weiterer Gast aus Deutschland dabei:  Werner Bär aus dem Mossautal (Hessischer Odenwald).

Lenildo, unser Informatikassistent hatte  ihn an der Tankstelle in der Nähe unseres Projektstandortes Santo Amaro abgeholt. Die Beiden kannten sich nicht, aber sie vertrauten darauf, dass alles so seine Richtigkeit hatte.
Als unsere Tänzerinnen sich verabschiedet hatten, gab es noch eine Überraschung: Werner öffnete eine Reisetasche und entnahm ihr T-Shirts, die von der „Metropolregion Rhein-Neckar“  sowie von der Delta Medien GmbH gespendet worden waren (http://www.wir-schaffen-was.de:80/). Was so Aufsehen erregend auf der Brust „(Wir schaffen was“) und auf dem Rücken („Ich bin dabei!“) steht, entspricht der Arbeit der Jugendlichen und Peer Educator von AdoleScER ; die T-Shirts  können daher auch von allen Mitarbeitenden ohne Probleme getragen werden. Da ein Teil der T-Shirts Riesengröße aufwies, wurden spontan einige Vorschläge gemacht, wie man sie am besten benutzen könne. Am meisten Beifall erhielt dabei die Frage einer Jugendlichen: „Dürfen wir sie auch als Nachhemd verwenden?“