17.12.2008

„Auch wenn wir vom Leben vergessen sind, sind wir glücklich!“

Die Kinder von „Aprender Brincando“ aus Santo Amaro begingen ihre Weihnachtsfeier mit einem selbst verfassten und inszenierten Theaterstück über die harte Arbeit von Müllsammlern.

AdoleScER wollte allen Kindern von „Aprender Brincando“ ein Weihnachtsfest im eigenen Arbeitssitz bieten. Allein die Organisation der Gruppentreffen aus den verschiedenen Projektstandorten mit allem, was dazu gehört, wie Transport, Imbiss, Geschenkauswahl, Teilnehmerzahl von mehr als 120 Kindern und Jugendlichen, u. a. m. war ein logistisches Meisterwerk! Spiele, kleine Geschenke, ein guter Imbiss, ein ausgelassenes Bad im Schwimmbassin und Aufführungen von Theater- und Tanzstücken, einstudiert von den verantwortlichen Peer Educators, beinhaltete das Programm des Tages. Es sind zu viele Kinder im Programm, als dass sie alle am gleichen Tag hätten kommen können. Aber es gelang zumindest, dass z. B. die von Roda de Fogo als Zuschauer der Theater- und Tanzaufführungen von Santa Luzia und diese ihrerseits bei denen von Caranguejo dabei waren.

Als Beispiel wollen wir hier erzählen, wie das Treffen mit der Gruppe aus Santo Amaro abgelaufen ist: Am 10. Dezember kamen 25 Kinder in Begleitung der Peer Educators Derivalda, Tarciana und Glauber, der Erzieherin Josélia und Lenildo, dem Informatikassistenten, in einem gemieteten Bus von Santo Amaro zum Stadtteil Cordeiro, wo die Zentrale von AdoleScER ist. Auch einige Jugendliche aus dem Ausbildungskurs durften mitkommen. Sie wollten sich mit einbringen – als Helfer, Tänzer oder “Schauspieler“.

Das Theaterstück sollte die Botschaft vermitteln, dass Solidarität auch unter ärmsten und  schwierigsten Arbeits- und Lebensbedingungen wie bei den Müllsammlern möglich ist. Hauptakteure der Geschichte sind die beiden elfjährigen Mädchen Jeane und Naiara, die auf der Müllhalde arbeiten und bei der Ankunft des Lastautos mit dem Abfall in einen heftigen Streit um die am besten wieder verwertbaren Produkte geraten. In diesem Moment taucht Sandra, die Leiterin der Gewerkschaft, auf und weist die beiden Streithähne darauf hin, dass alle Anspruch auf den Müll haben, woraufhin beide sich an ihre Arbeit begeben und andere Sammlerkinder auftauchen. Es bildet sich ein Kreis, in dessen Zentrum sich Jeane und Naiara befinden, und alle beginnen den weit verstreuten Abfall zu durchsuchen. Plötzlich öffnet sich der Kreis, alle Kinder setzen sich und Jeane, mit einigen Blumen in der Hand, beginnt, eine „Ciranda“ zu tanzen, begleitet von den Kindern, die alte Blechbüchsen, Gläser und Holzstücke als improvisierte Schlaginstrumente benutzen. Und dann gliedern sich nach und nach alle in den Kreis ein und tanzen gemeinsam diesen alten brasilianischen Reigen, den sie die „Ciranda der Blumen“ getauft haben.

Nach dem Tanz kommt noch die Abschlussszene: Sie umarmen sich und Jeane sagt: „Alles, was ihr am Anfang des Theaterstücks gesehen habt, zeigt unser Leben auf der Müllhalde: Hunger, Armut und Ungerechtigkeit“ und Naiara fügt hinzu: „ Aber dort existiert nicht nur Streit. Es gibt auch Liebe, Frieden, Freundschaft, Zusammenarbeit und Einigkeit“. Beide zusammen betonen noch: „Auch wenn wir vom Leben vergessen sind, sind wir glücklich!“ Alle umarmen sich, wenden sich dem Publikum zu und freuen sich über den Applaus.

Alle Zuschauer zeigen ihre Freude und auch Rührung über dieses gelungene Theaterstück.  Derivalda und Glauber sind ebenfalls sehr froh, dass alles gut geklappt und sich diese Riesenarbeit gelohnt hat. „Am Anfang dachte ich, es würde nie gelingen. Bei so vielen Kindern aus so schwierigen Verhältnissen schien es uns zunächst fast unmöglich, diese Aufführung zu schaffen. Schwierig war dann auch, dass sie den Rhythmus des Ciranda-Tanzes ganz ohne unsere Leitung nicht hinkriegten. Aber dann hat es doch gut geklappt und ich bin total glücklich darüber“ kommentiert Derivalda ihre Leistung. Glauber meint noch: „Die Angst, unser Ziel zu verfehlen, d. h. die Botschaft des Stücks nicht hinüberzubringen, war groß. Aber dann haben wir gesehen, dass sich der ganze Aufwand, die Überwindung der Angst gelohnt hat, und jetzt sind wir sehr zufrieden.“

Die Kinder selbst sind euphorisch über das viele Lob. Trotzdem wollen sie es beim nächsten Mal noch besser machen. Sie bedanken sich bei allen und rennen zum Schwimmbassin und zu den vielen Spielen, die für diesen Tag vorbereitet wurden.


Lúcia Pimentel

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