17.12.2008

Es war wie Weihnachten

Mit einem Treffen auf einem Landgut ausserhalb von Recife verabschiedeten die Kinder und Jugendlichen von AdoleScER das Jahr 2008.

Die Bühne war klein, aber sie bot den jungen Künstlern ausreichend Raum, ihre spontane Kreativität zu entfalten. Sie hatten das Programm selber gestaltet und neben den anderen Aktivitäten eigene Theaterstücke geschrieben und Tänze einstudiert, Geschichten, in denen sich ihre Alltagssituationen spiegelten und die den Zuschauern auf eindrückliche Weise zeigten, wie wichtig es für jede einzelne und jeden einzelnen ist, Teil von AdoleScER zu sein. Es gab für jeden eine passende Rolle, für den noch etwas schüchternen Jungen aus Roda de Fogo, der erst vor einem halben Jahr seine Ausbildung zum jugendlichen Informationsmultiplikator begonnen hat, genau so wie für die abgeklärten „Halbprofis“ der AdoleScER-Tanzgruppe.

Die Zuschauer waren begeistert von den vielfältigen Darbietungen, die – so unterschiedlich sie auch waren – ein gemeinsames Leitmotiv hatten: Sie drückten alle ein starkes Gruppengefühl aus, den Willen, gemeinsam Hindernisse zu überwinden, aber auch die Bereitschaft, als einzelner Verantwortung zu übernehmen und zum Baumeister des eigenen Schicksals zu werden. Mit viel Humor liessen etwa die Kinder und Jugendlichen aus Santo Amaro in ihrem selbst verfassten Schauspiel das abgelaufene Jahr Revue passieren. Sie hoben dabei nicht bloss die Höhepunkte hervor, sondern wiesen auch immer wieder auf Schwierigkeiten und Konflikte hin, mit Witz und Selbstbewusstsein, aber auch mit einem Schuss Selbstkritik. Auch das Leitungsteam kam nicht ungeschoren davon, die liebevollen Parodien waren letztlich aber ein Ausdruck eines tiefen Vertrauens und machten darüber hinaus deutlich, dass bei AdoleScER Bürgerrechte und Partnerschaft nicht bloss propagiert, sondern tatsächlich gelebt werden.

Die Teamleitung hatte das Treffen in Aldeia organisiert, weil ihr daran lag, dass alle, die am AdoleScER-Ausbildungsprogramm beteiligt sind, sich einen Tag lang, abseits der üblichen Aktivitäten und der Hektik einer Grossstadt begegnen konnten, in ungezwungener Geselligkeit, aber nicht einfach als Konsumenten irgend welcher professionell organisierter Freizeitvergnügen. Es war in jeder Beziehung ihr Tag: Die insgesamt 70 Kinder und Jugendlichen bestimmten weitgehend den Ablauf und sie waren gleichermassen Akteure und Publikum. Und sie genossen das eine wie das andere: freuten sich am Applaus ihrer Kameraden und sparten wenige Minuten später ihrerseits nicht mit Beifall für die Darbietungen der anderen.

Es war keine Weihnachtsfeier im traditionellen Stil, aber es herrschte durchaus so etwas wie eine weihnächtliche Stimmung im wahren Sinne des Wortes. Jeder und jede bekam auch ein kleines Geschenk, ein Kuscheltier oder ein anderes Präsent, das Freunde von AdoleScER der Koordinatorin Gunde Schneider bei ihrem letzten Aufenthalt in Deutschland für die Kinder und Jugendlichen in Recife mitgegeben hatten.

„Wir haben bei AdoleScER ein schwieriges Jahr hinter uns“ zog Gunde Schneider nach dem Treffen in Aldeia Bilanz. „Umso wichtiger war es, dass wir bei dieser Feier nicht nur die Geselligkeit pflegen konnten, sondern auf eindrückliche Weise gesehen haben, dass unsere Arbeit allen Widerständen und Herausforderungen zum Trotz auch 2008 Früchte getragen hat. Ich bin stolz auf das Team von AdoleScER und auf die grossen Fortschritte, die unsere Kinder und Jugendlichen trotz ungünstiger Rahmenbedingungen gemacht haben.“

 
Lúcia Pimentel

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