Ende Mai besuchte eine Gruppe junger Deutscher, die sich zurzeit in Brasilien aufhält, AdoleScER. Sarah Preuss, Fredy Arnsperger, Jens Schlötterer und Martin kamen vom Centro de Recuperação Vida Vova aus dem südlichen Bundesstaat Paraná. Moema Hees reiste von João Pessoa an, wo sie ein Praktikum macht. Laura Büning absolviert gegenwärtig ein Volontariat bei Caritas Recife. Drei der Gäste, Jens, Sarah und Laura, berichten in diesem Beitrag, was ihnen der Tag bei AdoleScER gebracht hat.
Sarah Preuss
Auf unserer Reise im Nordosten Brasiliens kamen wir auch in Recife vorbei. Wir – das sind drei deutsche junge Männer und ich, Sarah. Über die Organisation Marburger Mission leisten wir zurzeit einen einjährigen Kurzzeiteinsatz in Rolândia/Paraná und sind dort in einem Drogenrehabilisationszentrum, dem CERVIN, tätig. Vom 12. Mai an gingen wir drei Wochen lang auf Brasilien-Tour, und dabei bot sich uns auch die Möglichkeit, die Arbeit von AdoleScER kennen zu lernen.
Als wir den Gruppenraum am Rande der Comunidade betraten, richteten sich in Windeseile 25 Augenpaare auf uns fremd aussehende Ankommende. Schnell wurde uns Platz gemacht und wir wurden herzlich gebeten, uns zusammen mit den anderen im Kreis auf dem Fußboden niederzulassen. Hier und da war ein verlegenes Kichern zu hören, und die lächelnden Gesichter verfolgten gespannt jede unserer Bewegungen.
Ein kleines Mädchen neben mir ergriff meine Hand: „Como a Senhora se chama? Wie heißen Sie?“ „Ich heiße Sarah, nenn mich einfach nur Sarah.“ „Sarah!?“, flüsterte sie und kuschelte sich an mich. So zusammensitzend entwickelte sich bald ein Gespräch, in welchem wir uns gegenseitig über unsere Arbeit informierten und wir Gäste vor allem mehr über das bei AdoleScER angewandte Prinzip der jugendlichen Informationsmultiplikatoren (JIM) erfuhren.
Doch schon kurz darauf fanden wir uns inmitten einer Schar tanzender Jungen und Mädchen wieder, welche uns freudig einiges von dem bisher bei AdoleScER Gelernten präsentierte – Tänze, die von gegenseitiger Achtung und liebevollem Aufeinanderachtgeben sprachen und für die Kinder und Jugendlichen bereits einen wichtigen Teil ihres sich verändernden Lebens darstellten. „Schon nach kurzer Zeit lässt sich feststellen, dass sich unsere Kinder auch in ihren Familien und unter Freunden anders verhalten. Sie begegnen einander vor allem mit mehr Respekt“, informierte uns eine Mitarbeiterin.
Leider verstrich der Vormittag mit gemeinsamem Obstsalat-Essen und der Besichtigung des Hauses sowie der Comunidade viel zu schnell, und um die Mittagszeit mussten alle Kinder nach Hause aufbrechen.
Ich blieb beeindruckt und tief berührt zurück: Wie herzlich wurden wir in ihrer Mitte aufgenommen, mit welchem ehrlichen Interesse begegnete man uns. Wie strahlten diese Kinderaugen, als wir in kleinen Gruppen zusammenhockend voneinander erzählten und Späße machten – Augen, die schon so viel sahen, was sie nie hätten sehen sollen.
Es gibt viele Wege, dem Elend auf dieser Welt entgegenzutreten. Einer der besten ist mit Sicherheit die Veränderung dieser jungen Generation. Diesen Kindern Hilfe zur Selbsthilfe zu geben und die kleinen Rücken zu stärken, damit sie trotz der Last auf ihren Schultern einer besseren Zukunft entgegengehen können – dies sollte ein Anliegen von uns allen sein.
Jens Schlötterer
Bei meiner Person handelt es sich um Jens Schlötterer, einen 20 Jahre alten Franken, der im vergangen Jahr seine Lehre als Industriemechaniker abgeschlossen hat. Auf die Frage, wie es weiter gehen soll, halfen mir ein Vortrag aus früher Kindheit und eine damals gefällte Entscheidung. Es ging dabei um einen Kurzeinsatz in einem Drogenrehazentrum Brasiliens. So kam es, dass ich nach einem Vorstellungsgespräch bei der Marburger Mission eine Zusage erhielt und jetzt als Freiwilliger im Cervin (Centro de Recuperação Vida Nova) sein darf.
In einem dreiwöchigen Urlaub quer durch Land und Kultur, konnte ich jede Menge Eindrücke sammeln und meinen Horizont erweitern. Die Jugendarbeit von AdoleScER hat dazu einen guten Teil beigetragen. Ich habe so nochmals einen ganz anderen Blick auf dieses Land und seine Menschen bekommen. Da wir ziemlich spontan auf die Idee kamen, AdoleScER zu besuchen, waren wir sehr erfreut wie gut alles vorbereitet worden war. Wir durften die Arbeit "hautnah" mit der Gruppe Aprender Brincando in Santo Amaro miterleben, wo man uns gleich ins Programm einbezog. Bei den Spielen und dem Tanz konnte man den Kindern die Freude von den Augen ablesen. Durch Berichte und Erzählungen der Mitarbeiter vor Ort erhielten wir einen guten Einblick in die Aufgaben, Ziele und Pläne der Organisation. Im Grossen und Ganzen fand ich den Besuch sehr interessant. Ich wünsche dem AdoleScER -Team viel Freude und die nötige Ausdauer bei der Arbeit. An dieser Stelle ein dickes Dankeschön für die Möglichkeit zu diesem Einblick.
Laura Büning
50 Kindersandalen vor dem Eingang und drinnen 50 Kinderfüße in einem großen Kreis. So wurden wir im Zentrum von AdoleScER inmitten des Armenviertels Ilha Santa Terezinha in Santo Amaro empfangen, von dem aus die Aussicht auf eines der größten Shopping-Center Recifes wie blanke Ironie erscheint. Eine Wirklichkeit, die nicht akzeptiert werden darf.
In einer Vorstellungsrunde mit unterschiedlichsten brasilianischen Namen wiesen die Kinder und Jugendlichen immer wieder mit leuchtenden Augen darauf hin, wie sehr ihnen die im Kurs gelernten Spiele und Tänze gefallen. AdoleScER macht den Kindern Spaß, und Spaß ist wichtig bei der Vermittlung von Bildung. Dabei frage ich mich, wie es mit dem Spaßfaktor an deutschen Grundschulen aussieht.
Ich habe den Eindruck, dass Bildung in Brasilien leider immer noch ein Privileg darstellt und wesentlich mehr Druck auf die träge Politik ausgeübt werden müsste, damit sich an diesem Zustand etwas ändert.
Die Offenheit, mit der die Kinder uns begegneten, und das Interesse, uns kennen zu lernen, waren wirklich enorm. Wir wurden eingeladen, bei den Kreistänzen mitzumachen, wobei die Kinder natürlich die besten Lehrer waren. Ich glaube, dass die Bewegung im Tanzen auch der Beginn für die Bewegung eines mündigen Volkes sein kann, mit einem Bewusstsein, die eigenen Rechte einzufordern.
Am Abend durfte ich die Diplomübergabe an zehn jugendliche Informationsmultiplikatoren in Caranguejo miterleben. Die emotionale Atmosphäre und die sehr persönlichen Worte der Diplomierten haben mich sehr berührt. Und ich zweifle nicht daran, dass diese jungen Menschen viel bewegen werden.
Sarah Preuss
Auf unserer Reise im Nordosten Brasiliens kamen wir auch in Recife vorbei. Wir – das sind drei deutsche junge Männer und ich, Sarah. Über die Organisation Marburger Mission leisten wir zurzeit einen einjährigen Kurzzeiteinsatz in Rolândia/Paraná und sind dort in einem Drogenrehabilisationszentrum, dem CERVIN, tätig. Vom 12. Mai an gingen wir drei Wochen lang auf Brasilien-Tour, und dabei bot sich uns auch die Möglichkeit, die Arbeit von AdoleScER kennen zu lernen.
Als wir den Gruppenraum am Rande der Comunidade betraten, richteten sich in Windeseile 25 Augenpaare auf uns fremd aussehende Ankommende. Schnell wurde uns Platz gemacht und wir wurden herzlich gebeten, uns zusammen mit den anderen im Kreis auf dem Fußboden niederzulassen. Hier und da war ein verlegenes Kichern zu hören, und die lächelnden Gesichter verfolgten gespannt jede unserer Bewegungen.
Ein kleines Mädchen neben mir ergriff meine Hand: „Como a Senhora se chama? Wie heißen Sie?“ „Ich heiße Sarah, nenn mich einfach nur Sarah.“ „Sarah!?“, flüsterte sie und kuschelte sich an mich. So zusammensitzend entwickelte sich bald ein Gespräch, in welchem wir uns gegenseitig über unsere Arbeit informierten und wir Gäste vor allem mehr über das bei AdoleScER angewandte Prinzip der jugendlichen Informationsmultiplikatoren (JIM) erfuhren.
Doch schon kurz darauf fanden wir uns inmitten einer Schar tanzender Jungen und Mädchen wieder, welche uns freudig einiges von dem bisher bei AdoleScER Gelernten präsentierte – Tänze, die von gegenseitiger Achtung und liebevollem Aufeinanderachtgeben sprachen und für die Kinder und Jugendlichen bereits einen wichtigen Teil ihres sich verändernden Lebens darstellten. „Schon nach kurzer Zeit lässt sich feststellen, dass sich unsere Kinder auch in ihren Familien und unter Freunden anders verhalten. Sie begegnen einander vor allem mit mehr Respekt“, informierte uns eine Mitarbeiterin.
Leider verstrich der Vormittag mit gemeinsamem Obstsalat-Essen und der Besichtigung des Hauses sowie der Comunidade viel zu schnell, und um die Mittagszeit mussten alle Kinder nach Hause aufbrechen.
Ich blieb beeindruckt und tief berührt zurück: Wie herzlich wurden wir in ihrer Mitte aufgenommen, mit welchem ehrlichen Interesse begegnete man uns. Wie strahlten diese Kinderaugen, als wir in kleinen Gruppen zusammenhockend voneinander erzählten und Späße machten – Augen, die schon so viel sahen, was sie nie hätten sehen sollen.
Es gibt viele Wege, dem Elend auf dieser Welt entgegenzutreten. Einer der besten ist mit Sicherheit die Veränderung dieser jungen Generation. Diesen Kindern Hilfe zur Selbsthilfe zu geben und die kleinen Rücken zu stärken, damit sie trotz der Last auf ihren Schultern einer besseren Zukunft entgegengehen können – dies sollte ein Anliegen von uns allen sein.
Jens Schlötterer
Bei meiner Person handelt es sich um Jens Schlötterer, einen 20 Jahre alten Franken, der im vergangen Jahr seine Lehre als Industriemechaniker abgeschlossen hat. Auf die Frage, wie es weiter gehen soll, halfen mir ein Vortrag aus früher Kindheit und eine damals gefällte Entscheidung. Es ging dabei um einen Kurzeinsatz in einem Drogenrehazentrum Brasiliens. So kam es, dass ich nach einem Vorstellungsgespräch bei der Marburger Mission eine Zusage erhielt und jetzt als Freiwilliger im Cervin (Centro de Recuperação Vida Nova) sein darf.
In einem dreiwöchigen Urlaub quer durch Land und Kultur, konnte ich jede Menge Eindrücke sammeln und meinen Horizont erweitern. Die Jugendarbeit von AdoleScER hat dazu einen guten Teil beigetragen. Ich habe so nochmals einen ganz anderen Blick auf dieses Land und seine Menschen bekommen. Da wir ziemlich spontan auf die Idee kamen, AdoleScER zu besuchen, waren wir sehr erfreut wie gut alles vorbereitet worden war. Wir durften die Arbeit "hautnah" mit der Gruppe Aprender Brincando in Santo Amaro miterleben, wo man uns gleich ins Programm einbezog. Bei den Spielen und dem Tanz konnte man den Kindern die Freude von den Augen ablesen. Durch Berichte und Erzählungen der Mitarbeiter vor Ort erhielten wir einen guten Einblick in die Aufgaben, Ziele und Pläne der Organisation. Im Grossen und Ganzen fand ich den Besuch sehr interessant. Ich wünsche dem AdoleScER -Team viel Freude und die nötige Ausdauer bei der Arbeit. An dieser Stelle ein dickes Dankeschön für die Möglichkeit zu diesem Einblick.
Laura Büning
50 Kindersandalen vor dem Eingang und drinnen 50 Kinderfüße in einem großen Kreis. So wurden wir im Zentrum von AdoleScER inmitten des Armenviertels Ilha Santa Terezinha in Santo Amaro empfangen, von dem aus die Aussicht auf eines der größten Shopping-Center Recifes wie blanke Ironie erscheint. Eine Wirklichkeit, die nicht akzeptiert werden darf.
In einer Vorstellungsrunde mit unterschiedlichsten brasilianischen Namen wiesen die Kinder und Jugendlichen immer wieder mit leuchtenden Augen darauf hin, wie sehr ihnen die im Kurs gelernten Spiele und Tänze gefallen. AdoleScER macht den Kindern Spaß, und Spaß ist wichtig bei der Vermittlung von Bildung. Dabei frage ich mich, wie es mit dem Spaßfaktor an deutschen Grundschulen aussieht.
Ich habe den Eindruck, dass Bildung in Brasilien leider immer noch ein Privileg darstellt und wesentlich mehr Druck auf die träge Politik ausgeübt werden müsste, damit sich an diesem Zustand etwas ändert.
Die Offenheit, mit der die Kinder uns begegneten, und das Interesse, uns kennen zu lernen, waren wirklich enorm. Wir wurden eingeladen, bei den Kreistänzen mitzumachen, wobei die Kinder natürlich die besten Lehrer waren. Ich glaube, dass die Bewegung im Tanzen auch der Beginn für die Bewegung eines mündigen Volkes sein kann, mit einem Bewusstsein, die eigenen Rechte einzufordern.
Am Abend durfte ich die Diplomübergabe an zehn jugendliche Informationsmultiplikatoren in Caranguejo miterleben. Die emotionale Atmosphäre und die sehr persönlichen Worte der Diplomierten haben mich sehr berührt. Und ich zweifle nicht daran, dass diese jungen Menschen viel bewegen werden.
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